Die Politik agiert wirklichkeitsfremd VKD-Pressemitteilung

Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung zeigt dringenden Handlungsbedarf Berlin, d. 17. Februar 2015. "Das heute veröffentlichte ‚Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus‘ bestätigt zu hundert Prozent unsere Erfahrungen: Die Notaufnahmen werden von Jahr zu Jahr stärker in Anspruch genommen - vor allem auch von Patienten, die ambulant behandelt werden können", bestätigt der Pressesprecher des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Dr. Falko Milski.


 „Das Versorgungsnetz im niedergelassenen Bereich wird immer löchriger. Das spüren wir tagtäglich in unseren Häusern. Die klinischen Notfallaufnahmen weisen niemanden ab. Doch dieser Trend der zunehmenden Inanspruchnahme führt zu immer stärkeren finanziellen Belastungen, denn die Vergütungsregelungen sehen eine entsprechende Bezahlung dieser Krankenhausleistungen nicht vor. Die Folge sind erhebliche Finanzierungslücken. Auch dies wird in dem Gutachten nachgewiesen.“

Der VKD fordert seit langem, der Realität in der Notfallversorgung endlich Rechnung zu tragen. Dr. Milski: „Es ist wirklichkeitsfremd, auch künftig die Zuständigkeit für die ambulante Notfallversorgung und damit auch die Bemessung der Vergütung für die Kliniken allein bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zu belassen und sie lediglich zur Kooperation mit den Krankenhäusern zu verpflichten, wie es die Politik vorsieht. Die Krankenhäuser versorgen schon heute mehr Notfälle als die niedergelassenen Ärzte – zu schlechteren Konditionen, die absurder Weise von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den KVen und Krankenkassen festgelegt werden, ohne dass die Krankenhäuser irgendein Mitspracherecht haben.“

Das Gutachten weist nach: Jeder ambulant behandelte Notfallpatient kostet das Krankenhaus im Durchschnitt 120 Euro. Der Erlös beträgt dagegen lediglich 32 Euro. Bei mehr als inzwischen zehn Millionen jährlich ambulant behandelten Notfällen in den Krankenhäusern bedeutet das ein Defizit in Höhe von einer Milliarde Euro. Gänzlich realitätsfern ist es, wenn diese niedrige Vergütung auch noch um einen zehnprozentigen Investitionsabschlag gemindert wird, obwohl die Bundesländer seit Jahren keine ausreichenden Investitionsmittel für die Krankenhäuser mehr bereitstellen.

Hintergrund
Das heute veröffentlichte „Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus –Fallkostenkalkulation und Strukturanalyse“, wurde von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin /DGINA) bei der Management Consult Kestermann GmbH (MCK) in Auftrag gegeben. Dafür haben 55 Krankenhäuser für insgesamt 612.070 ambulante Notfälle fallbezogene Kosten- und Leistungsdaten zur Verfügung gestellt. Das Gutachten weist nach, dass eine Weiterentwicklung und Neujustierung der ambulanten Notfallversorgung zwingend ist. Die Gutachter gehen aufgrund der erhobenen Daten davon aus, dass durch die Krankenhäuser mit über zehn Millionen ambulanten Notfallbehandlungen im Jahr mehr Patienten als im vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst versorgt werden.

Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt mit rund 2.350 Mitgliedern das Management fast aller deutschen Krankenhäuser einschließlich der Rehabilitationskliniken und Pflegeeinrichtungen. Er versteht sich als Ansprechpartner insbesondere in Fragen der Krankenhauspraxis und des Klinikmanagements. www.vkd-online.de