Schließungsdebatten machen die Versorgung nicht besser Krankenkassen versuchen politischen Mist zu verkaufen

Berlin, d. 12. September 2016. Wieder einmal stellen die Krankenkassen fest, dass es zu viele Krankenhäuser in Deutschland gibt. Wieder einmal wird behauptet, hunderte davon könnten geschlossen werden. Für die Patienten ändere das nicht nur nichts - im Gegenteil die Qualität werde sich durch Konzentration auf weniger Standorte verbessern. Dafür wird dann das eine oder andere Beispiel gesucht und gefunden.

„Offenbar geht die Schließung von Kliniken den Krankenkassen immer noch nicht schnell genug. Mit dem vor wenigen Tagen veröffentlichten "Krankenhaussimulator" legt der GKV-Spitzenverband erneut Langspielplatte und Ladenhüter "Klinikschließung" auf. Dabei wurden bereits massiv Betten abgebaut. Krankenhäuser und Klinikstandorte wurden geschlossen, Häuser fusionierten, Leistungen wurden konzentriert“, so Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). „Unsere Vermutung ist, dass es wieder einmal vor allem um die Kosten geht. Dabei ist der Anteil der Krankenhausausgaben an den Gesamtausgaben der Krankenkassen seit über zehn Jahren konstant. Die Zahl der stationären Patienten hingegen ist seit 2004 um über 2 Millionen auf rund 19 Millionen gestiegen. So etwas ist ohne massive Verbesserung der strukturellen Effizienz überhaupt nicht möglich. Umgekehrt sind es die Krankenkassen, die im Glashaus sitzen und dort zusammen mit dem Gesundheitsfonds zweckentfremdete Reserven bunkern von sage und schreibe 25 Milliarden Euro. Also, was soll dieser politische Mist?"

Der VKD-Präsident verweist darauf, dass Strukturveränderungen, die auch im Krankenhausbereich immer wieder notwendig sein werden, nicht durch Schließungsorgien erfolgen können. Über die Notwendigkeit eines Krankenhauses wird im jeweiligen Bundesland von der Landesregierung entschieden, die dafür einen Krankenhausplan aufstellt, der sich wiederum an den Versorgungsnotwendigkeiten orientiert. Diese Planungen erfolgen in Abstimmung sowohl mit den Krankenkassen als auch mit den Landeskrankenhausgesellschaften. Die Kassen schließen dann rechtlich folgend aus dem SGB V mit den dort aufgeführten Kliniken Versorgungsverträge.

Dr. Düllings: „Wenn außerdem heute in einigen Medien u.a. darauf verwiesen wird, dass der Gemeinsame Bundesausschuss Vorschläge zur Schließung von Kliniken vorlegen wird, so kann ich das nur als völlige Fehlinterpretation der Arbeit des G-BA werten. Das ist nicht seine Aufgabe. Er arbeitet an Qualitätskriterien, die auch in der Landeskrankenhausplanung berücksichtigt werden können – nicht müssen. Im Übrigen sind die Fahrzeiten zur nächsten Klinik – so schön der von den Krankenkassen ausgedachte Kliniksimulator auch sein mag – sicher nicht das wichtigste Kriterium für eine flächendeckende Gesundheitsversorgung.

Auch der Vergleich mit anderen Ländern, wie er gern als Beweis für die Überversorgung in Deutschland angeführt werde, hinke gewaltig. Insbesondere werde die hohe Zugangsqualität in Deutschland sowie lange Wartelisten und Zugangsbeschränkungen zur Gesundheitsversorgung in den Vergleichsländer ausgeblendet. Die Gesundheitssysteme seien völlig unterschiedlich.

Dr. Düllings: „Und vielleicht können uns die Krankenkassen auch die Frage beantworten, wie ein Krankenhaus, das schon im Sommer voll ausgelastet ist, wie sie es gern hätten, dann zusätzlich eine Grippewelle, Epidemie oder Unfälle mit vielen Verletzten bewältigen soll. Hier liegt nämlich auch eine wichtige Aufgabe der Kliniken, für die sie Kapazitäten vorzuhalten haben.

Ehrlich gesagt: Diese Planspielchen der Krankenkassen kennen wir seit Jahren – sie werden durch Wiederholung nicht richtiger. Sie verunsichern nur die Patienten und auch die Mitarbeiter unserer Häuser.“

Kontakt

VKD-Geschäftsstelle Berlin
Tel-Nr: 030-28885912
E-Mail: vkdgs@vkd-online.de

Pressesprecher Dr. Falko Milski
Geschäftsführer
Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten GmbH
Tel-Nr: 03821 700100
E-Mail: f.milski@bodden-kliniken.de

Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt mit rund 2.350 Mitgliedern das Management fast aller deutschen Krankenhäuser einschließlich der Rehabilitationskliniken und Pflegeeinrichtungen. Er versteht sich als Ansprechpartner insbesondere in Fragen der Krankenhauspraxis und des Klinikmanagements. www.vkd-online.de