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GOLDEN HELIX AWARD 2003

Preiswürdige Verbesserung der Sonden-Ernährung schwerkranker Patienten – der Golden Helix Award geht 2003 an das Krankenhaus Lainz / Wien.

Das Symbol des deutsch-österreichischen Qualitätspreises Golden Helix Award ist die Spirale der kontinuierlichen Qualitätsverbesserung, materialisiert durch einen über 150 Mio. Jahre alten Ammoniten, eben den Golden Helix Award und € 4.000. Mit diesem Preis werden seit mehr als 10 Jahren herausragende und zur Nachahmung empfohlene Projekte im Gesundheitswesen ausgezeichnet, die mit Zahlen, Daten und Fakten eine relevante Qualitätsverbesserung belegen können. Er ist damit einer der ältesten Qualitätspreise Deutschlands und Österreichs für das Gesundheitswesen.

34 Bewerber zeigten im Jahr 2003 Interesse an dem Golden Helix Award, erstaunlich und erfreulich viel im Vorjahr der Einführung der diagnosen-bezogenen Fallpauschalen in Deutschland, als ob sie belegen wollten, dass bei allen wirtschaftlichen Zielen die Qualität der Versorgung und insbesondere die Patienten nicht vergessen werden dürfen. Elf davon ließ die unabhängige Jury aus Vertretern führender Organisationen und Verbände der Gesundheitswesen Österreichs und Deutschlands in die Zwischenrunde und zwei davon wählte sie für die Finalrunde aus, die dann vor Ort besucht wurden:

  • das Projekt „Verbesserung der Abläufe in der pädiatrischen Herzkatheterdiagnostik“ der Abteilung für Pädiatrische Kardiologie des Universitätsklinikums Freiburg und
  • das Projekt „Interdisziplinäre Entwicklung, Implementierung und Evaluierung von Guidelines für die enterale Ernährung Schwerkranker“ des Krankenhauses Lainz der Stadt Wien.

Beide Projekte stammen aus Krankenhäusern, die schon seit längerem in die Implementierung und den Betrieb eines internen umfassenden Qualitätsmanagement investieren.

Verbesserung der Ernährung Schwerkranker im Krankenhaus Lainz

Die Entwicklung von Leitlinien durch Fachgesellschaften verläuft in Deutschland stürmisch seit nahezu neun Jahren. In Österreich ist der Trend weniger stark ausgeprägt. Um so mehr ist das Projekt des Krankenhauses Lainz der Stadt Wien zu würdigen, in dem einem 13-köpfigen „Kompetenz“-Team, bestehend aus Ärzten, Pflegern, Hygiene-Fachleuten, Wirtschaftlern, Pharmazeuten und Ernährungsberatern die verbesserungsbedürftige Ernährungssituation schwerkranker Patienten aufgefallen war und es bei der Problemanalyse feststellen musste, dass es keine einheitlichen Richtlinien für die Sondenernährung gab, die Ernährungsvisiten kaum in Anspruch genommen wurden und das Ernährungsangebot unübersichtlich war und sich rasch änderte. Was lag da näher, als eine Leitlinie zu entwickeln, die neben der Ernährungstherapie und Produktauswahl Pflege- und Hygiene-Anweisungen, den Einsatz von Arzneimitteln, die Überprüfung der Ernährungssituation jedes einzelnen Patienten und die Zuständigkeiten regelt. Für die Sicherstellung der Umsetzung der Leitlinien im Alltag wurde ein ganzes Paket von Maßnahmen geschnürt, zu denen das Ansprechpartnerprinzip, eine interdisziplinäre Schulung, die individuelle Betreuung durch Ernährungsvisiten und Pflege- und Hygienevisiten gehörten. Das Ergebnis der Bemühungen am Ende der Projektphase lässt sich sehen: die Ernährung vieler Patienten konnte von normokalorisch auf energiereich mit Ballaststoffen umgestellt werden, die Zahl der Ernährungsvisiten wurde nahezu verdreifacht und die Lebensqualität der Patienten hatte zugenommen, und das alles bei gleich bleibenden Kosten. Inzwischen ist die Leitlinie für die enterale Ernährung im Krankenhaus Lainz voll implementiert und die ersten Schritte für die Betreuung der Patienten nach der Entlassung wurden gemacht.

Verbesserung der Abläufe in der pädiatrischen Herzkatheterdiagnostik

Nicht weniger beeindruckt hat die Jury das Projekt der Abteilung für Pädiatrische Kardiologie des Universitätsklinikums Freiburg. Auf Grund nicht veränderbarer räumlicher Gegebenheiten – das Herzkatheterlabor liegt über 1000 Meter von den Räumen der Abteilung für Pädiatrische Kardiologie entfernt – waren längere Wartezeiten für Kinder, Eltern, begleitende Pflegekräfte und die Herzkatheterteams an der Tagesordnung. Nahezu lehrbuchmäßig machte sich ein berufsgruppen-übergreifender Arbeitskreis, bestehend aus Mitarbeitern des Transportdienstes, Ärzten des Herzkatheterlabors und Mitgliedern des pflegerischen Qualitätszirkels „Kinderkardiologie“ an die Prozessanalyse und die Reorganisation der Abläufe und der Kommunikationswege. Das neue Verfahren wurde in einer vierwöchigen Probephase getestet und weiter optimiert. Die abschließende Evaluation ergab die Erfüllung aller Ziele auf breiter Front: das neue Verfahren war störungsstabil, die Transportwartezeiten wurden um mehr als die Hälfte reduziert, die Eltern empfanden die neue Form als sehr hilfreich und Ängste abbauend und die Kommunikation und Interaktion der beteiligten Berufsgruppen wurde erheblich verbessert. Das Projekt war offensichtlich auch für das Universitätsklinikum Freiburg so beispielgebend und überzeugend, dass es ihm in 2002 bereits den 1. Preis im klinikumsinternen Qualitätswettbewerb zuerkannt hatte.

Der Gewinner ist ...

Die Jury des Golden Helix Award ist an knappe Entscheidungen gewöhnt. Diesmal ging der Preis mit knappem Vorsprung an das Projekt des Krankenhauses Lainz, womit zum vierten Mal (von 11) ein Krankenhaus des Wiener Krankenanstaltenverbundes die Nase vorne hatte.

Der Tatsache, dass der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) Schirmherr des Golden Helix Award ist, hat der Preis seinem prominenten Übergabeort zu verdanken: die Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Krankenhaustages. Dort, unmittelbar nach der politischen Diskussionsrunde, bei der ganz selten der „Patient“ erwähnt und dafür fast nur über Gesetze und Ressourcen gesprochen wird, holt er die Zuhörer zurück zu den Tatsachen der medizinischen Versorgung und zeigt zugleich, dass erfolgreiche Qualitätssicherung und –verbesserung auch Freude machen kann.

Bewerbungen für den Golden Helix Award 2004 sind ab sofort möglich. Weitere Informationen zum Golden Helix sind von der Golden Helix-Managerin, Frau Gabriele Kirchner, Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e. V., Oranienburger Str. 17, 10178 Berlin erhältlich oder über www.vkd-online.de abrufbar.

Prof. Dr. Hans-Konrad Selbmann
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung der Universität
Westbahnhofstr. 55
72070 Tübingen

Vorsitzender der Jury für den Golden-Helix-Award

helix2003_1

(v.l.n.r. B. Schütt, Freiburg, E. Becker, Freiburg, Univ.Prof. Dr. Harald Brunner, Lainz, Oberschwester Elisabeth Schaffer, Lainz, H. Kölking, Prof. Dr. H.-K. Selbmann –verdeckt)

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