GOLDEN HELIX AWARD 2005
Auszeichnung der Sieger 2005 am 16. November 2005 in Düsseldorf.
Das St. Theresien-Krankenhaus in Nürnberg erhält den Golden Helix Preis 2005 für sein Projekt einer qualitätsgesteuerten Einführung einer Fast Track-Chirurgie.
Anlässlich der Eröffnung des Deutschen Krankenhaustages wurde in Düsseldorf zum 13. Mal der älteste deutsch-österreichische Preis für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, der Golden Helix Preis überreicht. Mit dem Preis, der vom Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands getragen und von der Ecclesia Versicherungsdienst GmbH und der Ethicon GmbH gesponsert wird, werden nachahmenswerte Projekte ausgezeichnet, die mit Daten und Fakten relevante Qualitätsverbesserungen im Gesundheitswesen belegen können.
Unter den nahezu 30 Bewerbungen aus Österreich und Deutschland ermittelte die zehnköpfige unabhängige Jury jene vier Projekte, die in der Finalrunde von Jurymitgliedern besucht wurden und sich am Finaltag in Wien der Diskussion der Jury stellten. Es waren dies die Projekte
- „Das Kind im Mittelpunkt“ des Wilhelminenspitals der Stadt Wien,
- „Entwicklung und Implementierung des interdisziplinären, interprofessionellen und schnittstellenübergreifenden klinischen Pfades Proximale Femurfraktur“ des Universitätsklinikums Marburg,
- „Meldesystem für kritische Zwischenfälle“ der Spitalregion St. Gallen/Rorschach und
- „Providente perioperative Behandlung“ des St. Theresien-Krankenhauses in Nürnberg.
Die Qualität der diesjährigen Finalisten war so überragend, dass sie nach Ansicht der Jury gleich für mehrere Jahre ausgereicht hätte.
„Das Kind im Mittelpunkt“ des Wilhelminenspitals der Stadt Wien
Bei vielen Patientenbefragungen im Rahmen des internen Qualitätsmanagements werden Kinder oft ausgeschlossen. Die Mitarbeiter des Wilhelminenspitals in Wien können jetzt mit Zahlen und Fakten belegen, dass sich Kinder zwischen 2 und 10 Jahren sehr wohl zu ihrem Informationsbedarf, ihrer Angst, die im übrigen kleiner ist als die ihrer Eltern, und ihren Schmerzen messbar äußern können. Aussagen wie „Das Schlimmste war die Spritze“, „Das Schlimmste waren Hunger und Durst“ oder „Das Schlimmste war das Warten“ veranlassten die Mitarbeiter des Krankenhauses, erfolgreich und belegbar qualitätsverbessernde Maßnahmen einzuführen.
„Entwicklung und Implementierung des interdisziplinären, interprofessionellen, und schnittstellen-übergreifenden klinischen Pfades Proximale Femurfraktur“ des Universitätsklinikums Marburg
Der Entwurf einer evidenzbasierten Hausleitlinie ist eine Sache, dafür zu sorgen, dass sie eingesetzt wird, in den Mitarbeitern lebt und Erfolge für Patienten, Mitarbeiter und das Krankenhaus zeigt, eine andere. Über 60 Mitarbeiter aller Professionen und Disziplinen des Universitätsklinikums Marburg, beginnend bei Unfallchirurgen, Pflegekräften und Studierenden bis hin zu Informatikern können beispielhaft belegen, dass ein durch die Informationstechnologie unterstützter Behandlungspfad nicht nur die Dokumentationsqualität sondern insbesondere die Prozessqualität, gemessen z.B. an der prä-operativen Liegezeit, dem Zeitpunkt der Thromboseembolieprophylaxe oder der Osteoporoseabklärung nachhaltig verbessert und zudem regelmäßig Anregungen für weitere Verbesserungen vermittelt.
„Meldesystem für kritische Zwischenfälle“ der Spitalregion St. Gallen / Rorschach.
Patientensicherheit und Fehlerkultur haben Hochkonjunktur. An vielen Stellen werden lokale oder überregionale EDV-Programme installiert, die die anonyme Sammlung von Beinahe-Schäden oder Fehlern ermöglichen. Mit der alleinigen Installation von EDV-Programmen lässt sich jedoch keine Fehlerkultur entwickeln. Das Krankenhaus, das derzeit wohl am häufigsten genannt und besucht wird, wenn es um Fehlerkultur im Krankenhaus geht, ist das Spital St. Gallen. Unter der Leitung des Ärztlichen Qualitätsmanagers Dr. Norbert Rose hat das Haus ein anonymes Melde- und Analysesystem entwickelt, das beispielhaft das Potenzial der Meldesysteme aufzeigt, wenn man es denn richtig anpackt. Aus den fast 1500 Meldungen der Jahre 2003 und 2004 wurden im Spital St. Gallen über 200 Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet und realisiert. Dass jeder 2. kritische Zwischenfall vom Menschen verursacht wurde, unterstreicht die Bedeutung eines Qualitätsbewusstseins und einer Fehlerkultur in unseren Versorgungseinrichtungen.
„Providente perioperative Behandlung“ des St. Theresien-Krankenhauses in Nürnberg
Die notwendige Verkürzung der Verweildauer in unseren Krankenhäusern führt dazu, dass insbesondere die Erholungsphase der Patienten nach der Operation verkürzt wird. Da dies nicht zum Schaden der Patienten geschehen darf, entwickelte das interdisziplinäre Projektteam des St. Theresien-Krankenhauses Nürnberg unter der Leitung des Anästhesisten Jochen Hiederer Behandlungsverfahren und –abläufe für chirurgische Patienten. Durch vorausschauende (providente) Maßnahmen vor und um die Operation herum (peri-operativ), die durchaus zu einer Aufwanderhöhung in dieser Zeit führen können, sollten bei einer Reduktion des Aufwandes nach der Operation die Patienten weniger Schmerzen erleiden und früher wieder fit werden. Diese sogenannte „Fast Track“-Chirurgie wird zunehmend auch in anderen Krankenhäusern betrieben. Die Preiswürdigkeit des Projektes des St- Theresien-Krankenhauses liegt nach Ansicht der Golden Helix Jury aber in der Tatsache, dass die Einführung in Nürnberg unter Zuhilfenahme qualitätssichernder Maßnahmen – sozusagen qualitätskontrolliert – und eingebettet in ein internes Qualitätsmanagement erfolgte. Mit deren Hilfe können die Mitarbeiter des St. Theresien-Krankenhauses jetzt sich selbst und anderen belegen, dass die Patienten fast nur noch die Hälfte der Schmerzen und eine hundertprozentig bessere Fitness haben als vor Einführung der Fast Track-Chirurgie. Hinzu kommt die nicht unerwünschte Reduktion der notwendigen Pflegeleistungen um ca. 35% und des Medikamentenverbrauchs, was insgesamt zu einer großen Effizienzsteigerung führte.
Für diese vorbildhafte, qualitätsgesicherte Einführung neuer Behandlungsverfahren bzw. –abläufe erhielt das St. Theresien- Krankenhaus Nürnberg den diesjährigen Golden Helix Preis zuerkannt.
Auch im Jahre 2006 wird der Golden Helix Preis wieder ausgeschrieben. Die Vorbereitung laufen bereits. Genauere Informationen dazu sind bei der Geschäftsführerin des VKD, Frau Gabriele Kirchner, Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Oranienburger Str. 17, 10178 Berlin erhältlich oder über www.vkd-online.de abrufbar.
Prof. Dr. Hans-Konrad Selbmann
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung der Universität Tübingen


