
Das Team aus Graz - Gewinner des Golden Helix Award 2007
Die Preisverleihung erfolgte während des 30. Deutschen Krankenhaustages
am 16. November 2007 in Düsseldorf. Der Golden Helix Award wurde durch den
Präsidenten des VKD, Heinz Kölking (2.v.r.) und den Vorsitzenden der Jury,
Prof. Hans-Konrad Selbmann (1.v.r.) in Anwesenheit des Geschäftsführers der
ECCLESIA (Sponsor), Manfred Klocke (2.v.l.), übergeben.
Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern!

Glückwunsch für das Finalistenteam aus Ravensburg!
Die Steiermärkischen Krankenanstalten erhalten den
Golden Helix Award 2007
für das die gesamte Steiermark umfassende Projekt „Das steirische Herz
- Qualitätsentwicklung bei der Betreuung von Patientinnen mit akutem
Koronarsyndrom“
Die Anforderungen des ältesten deutsch-österreichischen
Qualitätspreises im Gesundheitswesen, der Golden Helix Award, der 2007
zum 15. Mal vergeben wurde, sind höchst anspruchsvoll: die
auszuzeichnenden Projekte sollten innovativ und patientenorientiert
sein und die Qualitätsverbesserungen mit Daten und Fakten belegen
können. Der Preis wird vom Verband der Krankenhausdirektoren
Deutschlands getragen und von der Ecclesia Versicherungsdienst GmbH und
der Ethicon GmbH gesponsert.
Ende Oktober 2007 kürte die
zehnköpfige unabhängige Jury aus den beiden Finalteilnehmern, die aus
den 31 Bewerbungen aus Deutschland und Österreich hervorgegangen waren,
das diesjährige Siegerprojekt.
Wie jedes Jahr zeigten auch
2007 die Bewerbungen um den Golden Helix Award eine Fülle von
Innovationen und ein bewundernswürdiges Engagement großer, meist
interdisziplinärer und berufgruppenübergreifender Teams und das in
einer Zeit, in der fast nur noch von zu hohen Kosten und schlechten
Arbeitsbedingungen die Rede ist. Das größte Hindernis der Bewerber auf
dem Weg zum Preisträger ist in der Regel der Nachweis der
Qualitätsverbesserung, für den man eine Ausgangsmessung der Qualität
benötigt. Dieses Hindernis hatten die diesjährigen zwei Finalisten mit
besonderer Bravur bezwungen:
„Erfassung und
Reduzierung von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie - Entwicklung einer
Methode zur Ermittlung von Qualitätsindikatoren und Evaluation eines
Projekts zur Implementierung einer speziellen
Kriseninterventionsstation“
Zentrum für Psychiatrie Die Weissenau, Ravensburg
„Das steirische Herz - Qualitätsentwicklung bei der Betreuung von PatientInnen mit akutem Koronarsyndrom“
Steiermärkische Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft mbH, Graz
Beide Finalisten spiegeln die großen Trends des Qualitätsmanagements wider:
Einrichtungsübergreifende Maßnahmen zur Verbesserung der
Versorgungsqualität einer ganzen Region und qualitätsgesicherte
Reorganisationen unter Verwendung evidenzbasierter Leitlinien bzw.
Behandlungspfade.
„Erfassung
und Reduzierung von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie - Entwicklung
einer Methode zur Ermittlung von Qualitätsindikatoren und Evaluation
eines Projekts zur Implementierung einer speziellen
Kriseninterventionsstation“
Zwangsmaßnahmen -
Fixierung, Isolierung oder manchmal auch Sedierung - bei Patienten
psychiatrischer Einrichtungen werden in vielen europäischen Ländern als
Freiheitsberaubung angesehen, auch wenn diese der Verhinderung von
Aggressionen der Patienten gegenüber sich selbst oder anderen dienen.
Das Ziel des Projektes des Zentrums Psychiatrie Die Weissenau war es
daher, die Zahl der Zwangsmaßnahmen auf ein Minimum abzusenken, ohne
gleichzeitig die suizidalen und fremdaggressiven Übergriffe zu erhöhen.
Als qualitätsverbessernde Maßnahmen setzte das große
berufsgruppenübergreifende Team auf die Einrichtung einer
Kriseninterventionsstation, die Patienten mit Anpassungsstörungen an
Lebenskrisen und mit Persönlichkeitsstörungen aufnehmen sollte, und auf
Leitlinien, mit denen Indikation sowie Durchführung von Zwangsmaßnahmen
geregelt wurden.
Gemessen wurde die Qualitätsverbessung in
der ganzen Abteilung - nicht nur in der Kriseninterventionsstation -
durch einen Vorher- / Nachhervergleich an Hand von
Qualitätsindikatoren, die die Häufigkeit und die Dauer der
Zwangsmaßnahmen und die Zahl der selbst- und fremdaggressiven
Handlungen messen. Gleichzeitig wurde ein EDV-gestütztes Benchmarking
mit anderen psychiatrischen Einrichtungen etabliert.
Der
Erfolg des Projekts hat die Jury beeindruckt: die Zwangsmaßnahmen
wurden nachhaltig auf ein Viertel reduziert und sogar die
Fremdaggressionen haben signifikant abgenommen. Das niedrige Niveau der
Häufigkeit der suizidalen Handlungen wurde beibehalten.
„Das steirische Herz - Qualitätsentwicklung bei der Betreuung von PatientInnen mit akutem Koronarsyndrom“
Ein Projekt mit einer eher medizinisch-organisatorischen
Herausforderung ist „Das steirische Herz“ der Steiermärkischen
Krankenanstaltengesellschaft mbH, bei dem es um die Verbesserung der
Akutversorgung aller Steirer Bürger mit einem akutem Koronarsyndrom
geht. Unter zu Grunde Legung der evidenzbasierten Leitlinien der
Europäischen Kardiologischen Gesellschaft und der vorhandenen drei
zentralen Einrichtungen mit Herzkatheterlabors galt es für jeden der
1,2 Mio. steirischen Bürger und Bürgerinnen eine Zugangsmöglichkeit zur
und eine Rechtzeitigkeit der primären Herzkatheter-Intervention zu
schaffen, wenn sie einen Herzinfarkt erleiden sollten. Auch wenn die
meisten Krankenhäuser der Steiermark den gleichen Träger haben, war das
Unterfangen, die Europäischen Leitlinien im ganzen Land verbindlich
umzusetzen, die Kommunikation und den Patiententransport zu
organisieren und eine 24-Stunden-Akutversorgung für alle Bürger
sicherzustellen, eine große Herausforderung, die nur deshalb gelang,
weil alle Beteiligten - niedergelassene Ärzte, das Rettungswesen, die
peripheren Krankenhäuser und die zentralen Herzkatheter-Einrichtungen
das gleiche Ziel vor Augen hatten: die Zahl der Akut-Interventionen bei
Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom zu steigern bzw. die Zahl der
Patienten mit einer primären Lyse zu senken und die Door-to-Needle-Zeit
in den zentralen Herzkatheter-Einrichtungen zu verkürzen. Die
halbjährigen Messungen der genannten Qualitätsindikatoren zeigen selbst
18 Monate nach Inkrafttreten der Leitlinien noch Verbesserungen der
Qualität. Der Grund dafür ist, dass die regionalen Behandlungspfade
ständig weiter optimiert werden, ganz im Sinne einer kontinuierlichen
Qualitätsverbesserung.
Beide Projekte sind in ihrer Art beispielgebend und fordern zur Nachahmung auf. Dennoch entschied sich die Jury, den Golden Helix Award 2007 an das Projekt „Das Steirische Herz“ zu geben. Sie würdigte damit neben dem klar strukturierten Vorgehen, der stringenten Ergebnisorientierung und dem Nachweis großer Qualitätsverbesserungen die regionale Betrachtung der Qualität, die über die Einrichtungen und die Versorgungssektoren hinweg die rechtzeitige Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens im Auge hat.
Nach
der Preisverleihung ist vor der Preisverleihung. Die Vorbereitungen für
den Wettbewerb des Golden Helix Preis 2008 laufen bereits.
Genauere Informationen dazu sind über
Frau Gabriele Kirchner, Geschäftsführerin des Verbandes der
Krankenhausdirektoren Deutschlands, Oranienburger Str. 17, 10178 Berlin
Tel. 0049 30 2888 5914
erhältlich oder demnächst über www.vkd-online.de abrufbar.
Prof. Dr. Hans-Konrad Selbmann
Universität Tübingen