VKD: Nicht mit Trippelschritten in die Zukunft

Das Krankenhaus von morgen muss digital, gut finanziert, flächendeckend verfügbar und sektorenübergreifend vernetzt sein

Düsseldorf, d. 13. November 2017. „Wir werben für ein ‚Zukunftskonzept Deutsches Krankenhaus‘ und bringen dafür konkrete Vorschläge ein.“ Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), startete mit diesem Aufschlag in die Debatten des 40. Deutschen Krankenhaustages. In der Eröffnungsveranstaltung mit Politikern und Verbandsvertretern sowie zahlreichen Teilnehmern aus Krankenhäusern und ausstellenden Unternehmen erläuterte er, wie sich das Krankenhausmanagement die Zukunft dieses Ankers der Gesundheitsversorgung vorstellt. Der 40. Deutsche Krankenhaustag im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse Medica in Düsseldorf steht unter dem Generalthema „Krankenhäuser in einer neuen Zeit“.

„Wir dringen darauf, dass die flächendeckende stationäre Versorgung nicht durch falsche politische Entscheidungen oder das Ignorieren von Problemen aufs Spiel gesetzt wird. Es geht uns nicht um Aktionismus, sondern um die richtigen Weichenstellungen“, betonte der VKD-Präsident.

In fünf Punkten hat der Managerverband seine Vorschläge zusammengefasst:

Digitalisierung der Krankenhäuser - jetzt!

Innerhalb der nächsten fünf Jahre muss zwingend die Digitalisierung aller Krankenhäuser erfolgen. Das wird nach Schätzungen zwei Milliarden Euro jährlich kosten. Dieses Geld wird aber dazu beitragen, viele der aktuellen Probleme zu lösen und ist auf jeden Fall unabdingbar zur Behebung des akuten Personalmangels sowie für die angestrebte Vernetzung der Gesundheitssektoren. Die flächendeckende Digitalisierung wird ein Kraftakt für die Branche werden, aber enormes Potenzial freisetzen und bedeutet einen Quantensprung für die Strukturen der Gesundheitsversorgung.

„Die Politik hat das inzwischen erkannt“, so der VKD-Präsident. „Nun muss sie den nächsten Schritt tun. Eine gute Gesundheitsversorgung ist eine wichtige Infrastrukturleistung für die Bürger. Dass die Krankenhäuser diesen Kraftakt angesichts der seit Jahren viel zu niedrigen Regelinvestitionen allein stemmen können, ist eine Illusion. Wir brauchen daher speziell für diesen Zweck eine Investitionsoffensive aus Bundesmitteln.“

Unterfinanzierung beenden

Die Unterfinanzierung der Krankenhäuser beträgt jährlich 3,7 Milliarden Euro. Benötigt werden 6,5 Milliarden, von den dafür zuständigen Ländern kommen nur 2,8 Milliarden Euro. Ein Zustand, der lange bekannt ist, von allen Beteiligten eingeräumt wird, aber unverändert fortbesteht. Hier muss Gesetzestreue einziehen. Dr. Düllings: „Das ist keine Bitte, sondern eine mehr als legitime Forderung.“ Die Regelinvestitionen der Länder müssen aus Sicht des VKD deutlich auf über sechs Milliarden Euro im Jahr erhöht werden.

Gleichzeitig müssen die Krankenkassen sich wieder – wie bis Anfang der 1990er Jahre – an den Instandhaltungsinvestitionen der Krankenhäuser beteiligen. Ein Zuschlag auf jede Fallpauschale von fünf Prozent würde dazu beitragen, ein angemessenes Investitionsniveau zu erreichen und Instandhaltungsstaus abzubauen.

Innovative Strukturkonzentration ermöglichen

Das Krankenhausmanagement ist offen für Strukturveränderungen in der Versorgungslandschaft. Es gibt hier bereits viele positive Ansätze. Einfach nur Krankenhauskapazitäten abzubauen, wie es Krankenkassen und manche Institute regelmäßig als Lösung sehen, ist keine innovative Idee und angesichts fehlender niedergelassener Ärzte in vielen ländlichen Regionen auch absolut kontraproduktiv. Hier übernehmen die Krankenhäuser ja bereits den Hauptteil der medizinischen Versorgung.

Die Krankenhausplanung liegt in den Händen der Bundesländer. Ohne eine sektorenübergreifende Analyse der Versorgung sollte es künftig keine Planung von grundlegenden Strukturveränderungen geben. Dass spezialisierte Leistungen konzentriert werden, ist auch aus VKD-Sicht sinnvoll. Auf jeden Fall aber muss es sich um geplante und moderierte Prozesse handeln.

Prozesse, innerhalb derer es um so weit reichende Veränderungen geht, kosten Geld. Auch die neuen Bundesländer haben nach der Wende durch ein Milliardenprogramm über zwei Jahrzehnte deutliche Strukturveränderungen und auch eine Konzentration von Krankenhausstandorten erreicht. Es geht um weit reichende strategische Entscheidungen. Wollen wir dem Ärzte- und Pflegekräftemangel begegnen, wollen wir eine weiterhin hohe Versorgungsqualität, höhere Wirtschaftlichkeit, eine stabile Gesundheitsversorgung in Städten ebenso wie in der Fläche, muss das Geld dafür bereitgestellt werden. Der Anfang wurde bereits mit dem Strukturfonds gemacht. Er sollte aufgestockt und zeitlich verlängert werden.

Ambulante Notfallversorgung – das Problem ist lösbar

Mehr als 10 Millionen ambulante Notfallpatienten werden jährlich in den Notaufnahmen der Krankenhäuser versorgt. Die Kliniken erledigen hier einen Großteil der Hausaufgaben des vertragsärztlichen Bereichs. Sicher lässt sich manches ändern durch eine eher zentralisierte Organisation, in der Kliniken, Vertragsärzte und Rettungsdienste kooperieren. Dennoch werden nach Überzeugung des Krankenhausmanagements Patienten auch wegen der guten Infrastruktur das Krankenhaus bevorzugen. Wenn das so ist, sollte der Sicherstellungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung an die Krankenhäuser gehen. Und diese Arbeit sollte auskömmlich finanziert werden. Mit einer patientengerechten Lösung wäre zudem die Chance genutzt, in diesem Bereich auch die sektorale Trennung endlich zu überwinden.

Fachkräftemangel – was tun?

Der VKD ist überzeugt, dass Digitalisierung und Modernisierung der Strukturen das Personal zumindest mittelfristig entlasten werden. Zwingend damit einhergehen muss eine erhebliche Reduzierung des hohen Anteils bürokratischer Aufgaben, damit Ärzte und Pflegende wieder mehr Zeit für die Versorgung der Patienten haben. Mehr Vertrauen in die Arbeit der Krankenhäuser und weniger Kontrolle wären hier sehr hilfreich.

Tarifsteigerungen sollten von den Krankenkassen vollständig gegenfinanziert werden.

Eingriffe in die Führungsaufgaben des Krankenhausmanagements, wie viel Personal sie in welchen Bereichen einzusetzen haben, müssen unterbleiben.

Schon lange von vielen Seiten gefordert wird eine Aufstockung der Studienplätze für Medizin. Worauf warten die Bundesländer? Es ist ihre Aufgabe.

Für eine zukunftssichere Krankenhausversorgung

Der VKD fordert die Politik auf, sich zu einer tatsächlich zukunftssicheren Krankenhausversorgung zu bekennen. Die Probleme werden nicht in Trippelschritten gelöst. Begonnen werden muss endlich mit der Lösung der bekannten Grundsatzprobleme. Dr. Düllings: „Wir stehen als Partner für alle bereit, die ebenso wie wir das Ziel haben, die Infrastruktur der stationären Gesundheitsversorgung zukunftsfest zu gestalten.“