"Breites Bündnis" gegen die Krankenhäuser?

Berlin. „Breites Bündnis beschließt Vereinbarung zum attraktiveren Quereinstieg in die Hausarzttätigkeit“ titelt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Düsseldorf. „Richtiger wäre wohl: ‚Enorme Abwerbeprämien für Krankenhausärzte beschlossen‘“, so die empörte Reaktion von Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) auf die heutige Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalens.

Der stolz berichtete Fakt: Ministerium, Kassenärztliche Vereinigungen, Ärztekammern und gesetzliche Krankenkassen wollen Klinikärzten den Wechsel in die Niederlassung mit erheblichen finanziellen Prämien schmackhaft machen. Angeblich sollen damit finanzielle Einbußen ausgeglichen werden, die durch einen solchen Quereinstieg während der Weiterbildungs- oder Erfahrungszeit entstehen könnten. Man zielt vor allem auf Allgemeininternisten, aber auch auf Fachärzte für Anästhesiologie und Chirurgie. Es lockt für einen Zeitraum von zwölf bis 24 Monaten finanzielle Förderung von bis zu 9000! Euro pro Monat – getragen zur Hälfte von der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen. Die Summe kann aus Landesmitteln noch erhöht werden, wenn eine Weiterbildung oder Qualifikation in einer unterversorgten Region absolviert wird.

Auch der VKD versteht, dass der Hausarztmangel eine Herausforderung ist. Sie jedoch auf dem Rücken der Krankenhausversorgung bewältigen zu wollen, ist der grundfalsche Weg. Die „Prämien“, die jetzt im Raum stehen – 108.000 Euro im Jahr – werden vermutlich für eine ganze Reihe von Krankenhäusern erhebliche personelle Einschnitte im ärztlichen Bereich bedeuten. Wenn das bundesweit Schule macht, können sich die Kliniken in ländlichen Regionen von der Versorgung abmelden. Hier soll eine Lücke geschlossen werden, indem eine andere gerissen wird. „Die jahrelangen Versäumnisse der Politik, die Reduzierung der Zahl der Studienplätze und jetzt die Lücken in der hausärztlichen Versorgung, all das soll offenbar auf Kosten der nordrhein-westfälischen Krankenhäuser gelöst werden. Damit würde nicht nur die Patientenversorgung gefährdet – man denke dabei zum Beispiel an die hohen Belastungen in Grippezeiten - sondern auch die Weiterbildung in den Kliniken untergraben“, so der VKD-Präsident.

Durch den Quereinstieg, freut sich Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in der Pressemitteilung, könne man sehr kurzfristig zusätzliche Hausärzte gewinnen. Wie aber wird er dann nach diesem grandiosen Erfolg die Lücken durch die frei gewordenen Stellen in den Krankenhäusern füllen? Mit anderen „Quereinsteigern“ – vielleicht aus dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen? Das würde man in den Krankenhäusern sicher sogar begrüßen.

Das Ministerium verliert mit dieser kruden Idee seine Rolle als neutraler Sachwalter der Patienteninteressen - aus Sicht der Krankenhäuser eine völlig inakzeptable Position.