Organspenden: Entscheidungen sollten rechtzeitig fallen

Für Kliniken ist es ein ethisches und ein wirtschaftliches Thema

Berlin, d. 25. September 2018. Die Zahl der Organspenden in Deutschland zeigt weiter nach unten. Ein neues Gesetz soll das ändern. Aus der bisherigen Entscheidungslösung soll eine Widerspruchslösung werden. „Das Thema beschäftigt uns natürlich sehr. Organtransplantationen sind für viele Schwerstkranke lebensrettend. Immer wieder werden Ärzte und Pflegende mit diesen Schicksalen konfrontiert“, sagt Dr. Falko Milski, Pressesprecher und Präsidiumsmitglied des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Dass die Zahl der Spenden noch immer rückläufig ist, hat aus Sicht des VKD mehrere Gründe und ist nicht unbedingt nur in mangelnder Spendenbereitschaft zu suchen. Umfragen zeigten ja, dass deutlich mehr Menschen diesem Thema positiv gegenüberstünden, viele aber dennoch nicht über einen Organspendeausweis verfügten.

Unsicherheit, Scheu, sich mit Fragen von Leben und Tod zu beschäftigen, natürlich auch Desinteresse, solange jemand nicht selbst betroffen ist, spielen sicher eine Rolle dabei. Es geht aber auch um offene Antworten auf Fragen, die sich Menschen in diesem Zusammenhang stellen. Deshalb sei es positiv, so der VKD-Pressesprecher, dass die Diskussion über dieses Thema nochmals intensiv stattfindet, dass auch in Familien und Freundeskreisen darüber gesprochen wird, Entscheidungen rechtzeitig fallen und nicht erst dann, wenn der Fall eingetreten ist und kein Angehöriger genau wisse, was der Betroffene selbst gewollt hätte. Das könne eine schwere Last sein.

Für Krankenhäuser ist das Thema Organspende nicht nur ein ethisches, sondern auch ein wirtschaftliches. „Den Krankenhäusern wird immer wieder vorgeworfen, sich nicht genug zu engagieren. Diesen Schwarzen Peter weisen wir von uns“, sagt Dr. Milski. „Gerade kleinere Häuser haben oft nicht die personellen und finanziellen Kapazitäten, hier aktiver zu werden.“ Es sei daher zu begrüßen, dass der Gesetzentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium hier Abhilfe schaffen wolle.

„Gleichzeitig müssen wir aber auch intensiver nach Lösungen suchen, die Alternativen zu Organspenden darstellen“, so der VKD-Pressesprecher. Die Nachfrage werde vermutlich immer größer bleiben als das Angebot, auch wenn die Zahl der potenziellen Spender wieder steige. Forschungen auf diesem Gebiet müssten entsprechend gefördert und finanziert werden. So werde auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin intensiv und auch mit guten Ergebnissen geforscht. In Deutschland arbeiten derzeit sechs Zentren für Regenerative Medizin an Themen wie u.a. biologischen Herzschrittmachern, Herzklappen, Knorpelzell- und Hautzellersatz, Diabetes und sogar an der Möglichkeit eines nachwachsenden Herzens.

Wichtig sei aber ebenfalls, präventiv mehr zu tun, um Organschäden und damit auch die Notwendigkeit von Transplantationen zu vermindern.

Er selbst sei ein Befürworter der Widerspruchslösung, sagt Dr. Milski. Jeder Erwachsene müsse das aber für sich selbst entscheiden – und vorher gründlich darüber nachdenken.

Hintergrund

Wurden im Jahr 2012 in Deutschland noch 1.046 Organspenden durchgeführt, nahm deren Zahl in den folgenden Jahren immer weiter ab. In 2017 waren es laut Deutscher Stiftung Organtransplantation nur noch 797. Die aktuell geltende Entscheidungslösung sollte eine Umkehr des Trends und die Bereitschaft zur Organspende fördern. Das gelang nicht. Als Konsequenz daraus hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nun einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, in dem auf die Widerspruchslösung gesetzt wird. Dabei soll jeder Bürger als potenzieller Spender gelten, wenn er oder sie sich nicht explizit dagegen ausgesprochen und dies auch dokumentiert hat.

In jedem Fall aber ist eine Organspende freiwillig und bleibt eine persönliche Entscheidung.