Kassen sitzen auf Milliarden Euro - Angst vor 2040?

Berlin, d. 9. Oktober 2019. Wieder mal eine „Brandmeldung“ von der Bertelsmann-Stiftung: Die Babyboomer kommen demnächst ins Rentenalter. Die Kosten der Krankenkassen werden bis 2040 extrem steigen – der Beitragssatz ebenso. Das zeige eine Berechnung des IGES-Instituts im Auftrag der Stiftung. Den Krankenkassen drohe Milliarden-Defizit. Es wird vor Beitragsanhebungen gewarnt. Die Politik müsse gegensteuern.

Abzuwenden sei diese Entwicklung nur, wenn die Zahl der Krankenhäuser reduziert werde, wenn der individuelle Zusatzbeitrag steige und die Politik ihren Zuschuss für die Kassen erhöhe.

Man versucht, Angst zu verbreiten. Sieht die Lösung im Kapazitätsabbau. Hatten wir eine ähnliche Studie aus Gütersloh nicht gerade erst, in der 600 Kliniken als ausreichend erachtet wurden?

„Dass die Babyboomer ins Rentenalter kommen und sich eventuell auch die Beitragseinnahmen reduzieren, die notwendigen Leistungen aber erhöhen werden, ist doch eine Binsenweisheit“, so VKD-Präsident Dr. Josef Düllings. „Man fragt sich, was diese Meldung zum jetzigen Zeitpunkt soll. Fakt ist: Krankenkassen sind zu Sparkassen mutiert. Ihre Rücklagen und die Reserven im Gesundheitsfonds sind, vor allem auch durch Mittelentzug bei den Krankenhäusern, auf mittlerweile sagenhafte 30 Milliarden Euro geklettert – ein Mehrfaches der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreserve. Das Geld liegt auf den Konten, statt den Patienten zu nutzen, wofür es bei den Versicherten erhoben wurde. In der aktuellen Nullzinsphase muss man davon ausgehen, dass infolge der Realentwertung hunderte von Millionen Euro jedes Jahr durch den Schornstein geraucht werden. Das ist der Skandal, um den sich die Politik endlich kümmern muss. Vor allem brauchen wir dafür keine neue Studie.“

Die Debatte über den gesundheitspolitisch sinnvollen Instrumentenmix müsse heute beginnen, heißt es aus Gütersloh. Aus Sicht des VKD gehört als eine der wichtigsten Maßnahmen dazu, ein Tabu zu brechen, das seit Jahren gepflegt wird: Die exorbitanten Summen auf den Konten von Krankenkassen und Gesundheitsfonds müssen endlich sinnvoll für die Zukunftssicherung der Gesundheitsversorgung eingesetzt werden.