58. Jahrestagung des VKD: Die Politik drückt sich vor einer echten Reform VKD-Pressemeldung

Rostock-Warnemünde, d. 16. April 2015. Unsere Sorgen und die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser sind der Politik bekannt. Eine grundlegende Reform der Klinikfinanzierung ist dringend nötig. Was bisher an Eckpunkten dafür auf dem Tisch liegt, ist aber allenfalls ein kleines Heftpflaster und keine echte Therapie. Das war die Einschätzung vieler Teilnehmer schon zu Beginn der 58. Jahrestagung des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Die traditionelle Veranstaltung der Krankenhaus-Führungskräfte findet heute und morgen in Rostock-Warnemünde statt. Das Thema: "Der gesellschaftliche Wandel und seine Auswirkungen auf die Menschen und Gesundheitseinrichtungen".

Die Tagung startete dann auch mit einer deutlich skeptischen Einführung durch VKD-Präsident Dr. Josef Düllings. Er erläuterte die Positionen seines Verbandes und kritisierte, dass sich die Bund-Länder-Arbeitsgruppe für eine Krankenhausreform nicht einmal ansatzweise auf eine Neuordnung der regelhaften Investitionsfinanzierung einigen konnte. Diese sei jedoch die Grundlage für alle anderen, ebenfalls notwendigen Veränderungen. „Wir in den Krankenhäusern können uns auch vieles vorstellen. Bundesgesundheitsminister Gröhe lässt an einem E-Health-Gesetz arbeiten. Er will, dass die Qualität der Krankenhausversorgung weiter verbessert wird. Er hat ehrgeizige Ziele bezüglich der Bekämpfung multiresistenter Keime. Damit sind wir grundsätzlich mit ihm d`accord. Das alles bleibt aber ohne eine entsprechende Finanzierung reiner Politpopulismus.“

Der VKD-Präsident verwies auf die gemeinsamen Vorschläge des VKD und des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) zur Lösung des Investitionsproblems. Beide Verbände schlagen ein Investitionsmodell vor, das  ordnungspolitisch zum wettbewerblichen DRG-System passt und über Strukturanreize zu einer sinnvollen Weiterentwicklung der Krankenhausstrukturen in den Ländern beitragen kann.
Die rund 100 Teilnehmer der Konferenz diskutierten an diesem ersten Tag mit Politikern und Krankenkassen-Vertretern die Positionen des VKD. Sie beschäftigten sich darüber hinaus aber auch mit den gesellschaftlichen Herausforderungen für die Rehabilitation. Gerade in einer alternden Gesellschaft stellen Vorsorge und Rehabilitation wesentliche Aspekte einer ganzheitlichen und damit auch wirtschaftlichen Gesundheitsversorgung dar. Auch in diesen Bereichen sind Strukturen zu überdenken und die Finanzierung zukunftsfest zu gestalten.

Nahtlos fügt sich daran auch das Thema „Altern in der Zukunft“ an. „Gerade für Mecklenburg-Vorpommern sind diese Themen von ganz aktueller Bedeutung“, sagte VKD-Pressesprecher Dr. Falko Milski. Er ist Geschäftsführer der Bodden-Kliniken in Ribnitz-Damgarten. „Wir in Mecklenburg-Vorpommern sind vor allen anderen Bundesländern mit den Auswirkungen der demografischen Entwicklung konfrontiert. Während wir vor etwa zwei Jahrzehnten noch das Bundesland mit der jüngsten Bevölkerung waren, haben wir jetzt den höchsten Altersdurchschnitt. In den Krankenhäusern müssen wir uns also auf mehr ältere Patienten und ein anderes Krankheitsspektrum einstellen.“
Welche Auswirkungen gesellschaftliche Veränderungen insgesamt auf die Krankenhäuser haben und welche Führungseigenschaften künftig für Krankenhausmanager notwendig sind, sind u.a. Themen des zweiten Konferenztags am 17. April.

Hintergrund
Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands und der Verband der Leitenden Krankenhausärzte haben in einem gemeinsamen Positionspapier im vergangenen Jahr ein neues System der Investitionsförderung für die Krankenhäuser vorgeschlagen. Es geht ihnen dabei nicht trivialökonomisch um ein Mehr an Fördermitteln, sondern um die Strukturgestaltung und Modernisierung der Krankenhausversorgung. Eine Rückkehr zum ursprünglichen System der Investitionsförderung ausschließlich durch die Länder halten beide Verbände für nicht realistisch.

Das von beiden Verbänden vorgeschlagene Modell umfasst zwei Komponenten:
Die Finanzierung von Regelinvestitionen mit Beteiligung der Krankenkassen und Zuweisung der Investitionsmittel über einen Rechnungszuschlag in Höhe von mindestens fünf Prozent.
Die Zuweisung der aktuell von den Bundesländern bereitgestellten Fördermittel in Höhe von 2,7 Mrd. Euro an die Krankenhäuser als Pauschale individuell und leistungsbezogen pro Bewertungsrelation – Beispiel Nordrhein-Westfalen.
Damit ergebe sich eine Finanzierung von Regelinvestitionen über die gesetzliche Krankenversicherung von 3,6 Mrd. Euro und über die Bundesländer von zurzeit 2,7 Mrd. Euro - insgesamt 6,3 Mrd. Euro pro Jahr.

Vorgeschlagen wird zudem ein auf zehn Jahre begrenzter Strukturentwicklungsfonds für die Krankenhausversorgung. Der Bund müsse als Ausfallbürge zur Verfügung stehen, wenn die Bundesländer durch Haushaltsengpässe ihre Gestaltungsaufgaben nicht mehr wahrnehmen könnten und ihre Investitionsförderung nur noch auf Regelinvestitionen beschränkten.

Kontakt
VKD-Geschäftsstelle Berlin
Tel.: 030-28885912
vkdgs@vkd-online.de

Pressesprecher Dr. Falko Milski
Geschäftsführer
Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten GmbH

Telefon:  03821 700100
E-Mail:  f.milski@bodden-kliniken.de


Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt mit rund 2.350 Mitgliedern das Management fast aller deutschen Krankenhäuser einschließlich der Rehabilitationskliniken und Pflegeeinrichtungen. Er versteht sich als Ansprechpartner insbesondere in Fragen der Krankenhauspraxis und des Klinikmanagements. www.vkd-online.de