VKD-VDGH - 23. gemeinsames Führungskräfteseminar Der 7. Sinn im Krankenhaus

Gefahren erkennen, neue Möglichkeiten aktiv nutzen, kooperieren, in Krisen nicht hektisch, sondern gelassen reagieren - darum ging es im 23. Führungskräfteseminar des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH) am 25. Februar 2016 in Berlin. "Der 7. Sinn im Krankenhaus" - das war das Thema der traditionellen Veranstaltung.

„Die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kliniken und Industrie wussten: Uns erwartet hier praktisch anwendbares Wissen, vermittelt von exzellenten Referenten zu zum Teil auch in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten, ja sogar falsch dargestellten Themen“, sagt VKD-Geschäftsführerin Gabriele Kirchner, die jährlich gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe beider Verbände die Spitzenveranstaltung vorbereitet und organisiert.

Bewertungsportale – was nutzen sie?

Teilnehmer und Referenten beschäftigten sich u.a. mit dem Nutzen der inzwischen zahlreichen Krankenhaus-Rankings und -Portale für die Patienten. Derzeit nützen sie nicht sehr viel, so die Schlussfolgerung von Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg, der seit Jahren bereits Bewertungsportale und Rankings analysiert. Auch wenn Krankenhäuser seit 2008 valide, risikoadjustierte Daten öffentlich zur Verfügung stellten, sei die Suche wegen unterschiedlicher Kriterien, unvollständiger Daten, für Laien zum Teil unverständlicher Vorgaben selbst in seriösen Portalen schwierig. Und es fehlten zudem Längsschnittergebnisse.

Es sei nicht einfach, medizinische Qualität seriös zu beurteilen. Der TÜV zum Beispiel sei nicht dabei, wenn ein Patient behandelt werde. Kranich erklärte, zu Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität müsse daher eine vierte Qualitätsdimension kommen: Die Erlebnisqualität. Viele Krankenhäuser führten natürlich Patientenbefragungen durch. „Fragen Sie bitte nicht PR-mäßig nach der Zufriedenheit. Fragen Sie nach Unzufriedenheit“, forderte er die Teilnehmer auf. Daten interessierten Patienten eigentlich nicht. „Sie wollen ‚abgesegnetes‘ Wissen.“ Dabei gehe es vor allen Dingen Vertrauen. Sie vertrauten zu 80 Prozent zum Beispiel den Erfahrungen von Mitpatienten. Wichtig seien ihnen also subjektive Erkenntnisse.

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Während Krankenhaus-Portale – wenn sie auch nicht immer besonders aussagekräftig sind – auf belastbare Daten zugreifen können, sind reine Arztbewertungsportale nach seiner Erfahrung nicht objektiv, ließen sich zum Teil für gute Bewertungen bezahlen und könnten daher nicht als seriös gewertet werden.

Kranich: „Wer Vertrauen herstellt, braucht keine Portale.“

Lust oder Last? Zur Relevanz für das Krankenhausmanagement

Vor einem Ranking müssen in den Krankenhäusern Fragebögen ausgefüllt werden. Leider gibt es nicht den einen Fragebogen für alle. Es muss also sehr viel Zeit aufgewendet werden, um die Vielzahl der unterschiedlichsten Fragebögen zu beantworten, die den potenziellen Nutzern dann aber oft doch keinen wirklichen Vergleich ermöglichen, wie Peter Förster, Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern, anschaulich schilderte. Befragungen der letzten Zeit bezogen sich etwa auf Hygienestandards im OP, das Krankenhaus-Barometer, die interne Revision, die Investitionsfähigkeit der Krankenhäuser, den Klinikcheck SWR, und, und, und. Auftraggeber für Umfragen waren u.a. Ministerien, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Firmen, Medien, Studenten. „Und auch wir selbst.“ Die Fragen waren nicht immer nur harmlos oder öffentlich zugänglich. Da habe man schon auch manchmal das Gefühl, „dass uns jemand aufs Glatteis führen möchte.“

Schlussfolgerung: Man kann schon aus Zeitgründen nicht an allen Umfragen teilnehmen. Eine eigene Umfrage in seinem VKD-Landesvorstand versuchte zu ermitteln, wie häufig die Befragten an Umfragen teilnehmen, welche Inhalte einer Umfrage für die Geschäftsführungen selbst interessant sind, in welcher Form die Ergebnisse übermittelt werden sollten und welche Form der Befragung am meisten akzeptiert wird. Derzeit, so ein Fazit, sind es deutlich zu viele Umfragen.

Die Frage sei daher immer: Müssen wir hier unbedingt beteiligt sein? Welchen Nutzen hat die Befragung für die Klinik selbst? Welchen Nutzen hat sie krankenhauspolitisch, um in der Politik und der Öffentlichkeit gehört zu werden? Wenn es nur um das Krankenhaus selbst gehe, seien Benchmarks die bessere, weil konkretere Lösung. Hierzu hatte sich auch VKD-Präsident Dr. Josef Düllings schon geäußert: Benchmarks seien durchaus in einem Wettbewerbsumfeld sinnvoll. Wichtig sei dabei, vor allem über Prozesse und deren Verbesserung nachzudenken.

Social Media – wozu?

Katja Pietsch, Pressesprecherin des Städtischen Klinikums Görlitz, beschäftigte sich mit einer modernen Möglichkeit, Vertrauen in das Krankenhaus und seine Leistungen zu schaffen – die sozialen Medien, die für sie „Mitmachmedien“ sind. Über Facebook und Co. könne man schneller und auf direktem Weg miteinander kommunizieren. Jeder könne sich beteiligen. Derzeit, so informierte sie, hätten 403 deutsche Krankenhäuser ein Facebook-Profil, 235 einen eigenen You-Tube-Kanal, 179 einen Twitter-Kanal, fünf hätten einen Instagram-Account, hinzu kämen Corporate Blogs, Xing und Google+.

Immerhin - 40 Millionen Deutsche nutzten das Internet für Gesundheitsinformationen. Krankenhäuser könnten sich dieses Interesse zunutze machen, ihre Zielgruppe erweitern, neue Zielgruppen finden. Sie hätten die Möglichkeit, Transparenz über ihre Leistungen und Angebote zu schaffen, sich als moderner Dienstleister und auch Arbeitgeber darzustellen, die Identifikation der Mitarbeiter, die ja auch häufig auf Facebook unterwegs seien, zu verbessern, die Reichweite ihrer Informationen zu vergrößern und ein deutliches Feedback zu erhalten. „Kommunikation findet heute in den sozialen Medien statt – so oder so. Sie haben keine Wahl“, warb sie.

Es gebe mehr Pro als Contra für einen Einstieg. Selbst im Fall einer Krise, die ohnehin kommuniziert werde, sei es besser, schnell reagieren zu können. Dabei sei ihre Erfahrung, dass sich die Meinungen im Netz auch selbst regulierten. Es sei wichtig zu sehen, wie die Teilnehmer reagierten. Es sei aber auch Gelassenheit notwendig.

Frage aus dem Publikum: Was ist der Mehrwert? Braucht man mehr Personal? Wie ist der Erfolg zu messen?

Katja Pietsch: Wie immer in der Werbung sei das nicht ganz einfach. Es gebe eine größere Wahrnehmung für die Veranstaltungen des Krankenhauses, gerade auch bei jüngeren Leuten. Und es gehe darum, Vertrauen in das Krankenhaus zu schaffen. Größere Krankenhausunternehmen hätten natürlich finanziell und personell noch andere Möglichkeiten. Sie hätten in ihrem Haus eine halbe Stelle mehr geschaffen, um zwei Administratoren zu haben, die auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten die sozialen Medien beobachteten, reagierten und eigene Texte einstellten.

Ein Fazit war, dass die sozialen Medien auch mit der im ersten Vortrag angesprochenen Erlebnisqualität zu tun hätten.

Neue Erreger auf dem Vormarsch

Nicht nur die sozialen Medien sind im Vormarsch. Es sind auch neue Gefahren, auf die man sich vorbereiten muss. MRSA war zwar nicht gestern, wenn es auch etwas auf dem Rückzug ist. Es kommen nun aber neue resistente Erreger auch nach Deutschland.

Krankenhaushygiene und Infektionsschutz – ein ernstes Thema, das öffentlich aber auch häufig zu falschen Interpretationen führt – wurde von Prof. Dr. Petra Gastmeier auf seinen sachlichen Kern gebracht. Die Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Berliner Charité machte deutlich, dass inzwischen andere resistente Erreger langsam auch die deutschen Krankenhäuser erreichten. Darauf müssten sie sich vorbereiten. In Europa sei die Situation noch relativ gut, doch einzelne Fälle neuer resistenter Erreger habe man auch in deutschen Kliniken schon gefunden. Es gehe darum, Gefahren zu erkennen, Risikopatienten zu screenen, auf strikte Händehygiene zu achten. Leider seien keine neuen Antibiotika entwickelt worden.

Sie betonte aber auch, man könne diese Probleme nicht vor allem auf die Krankenhäuser beziehen. Wichtig sei, im ambulanten Bereich und in der Landwirtschaft so sparsam wie möglich mit Antibiotika umzugehen und auch die Bevölkerung immer wieder darauf hinzuweisen und zu informieren. Der öffentliche Umgang mit diesem Problem sei von Alarmierung geprägt. Es gehe aber um Problemlösung und nicht um Schuldzuweisungen. Entscheidend sei die Prävention von Infektionen. Sie verwies auf ein Forschungsprojekt „Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation“. Und: „Sie benötigen eine gute Übersicht über Ihre Daten und Leute, auf die Sie sich verlassen können.“

„Sie brauchen Menschen, die nach innen und außen gut kommunizieren können, so auch die Erfahrung von Prof. Dr. Tom Schaberg, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Er machte eine öffentliche „Bakteriophobie“ aus und zeigte an belegbaren Zahlen, das sachlich gesehen das Problem bei weitem nicht so groß ist, wie oft dargestellt. Er erläuterte aus Sicht des Medizin-Managements, was zu einem umfassenden Hygiene-Management gehört, verwies aber auch darauf, dass dafür Investitionen u.a. in Personal und Software notwendig sind. „Hygiene im Krankenhaus braucht Ideen, Forschung und Geld.“

Die künftige Roboter-Mensch-Kooperation

Das brauchen die Kliniken auch, wenn es um Zukunftstrends in der Medizin geht. Etwa um Robotik, die künftige Roboter-Mensch-Kooperation. Roboter der neuen Generation müssen kraftsensibel sein, sagte Prof. Dr.-Ing. Dirk Abel von der RWTH Aachen. Das sei ein wesentlicher Aspekt der Roboter-Mensch-Kooperation. Kostendruck und Fachkräftemangel, steigende Leistungsansprüche, der demografische Wandel seien die wichtigen Bereiche, die vom Einsatz der Medizin-Roboter profitieren könnten. Als Einsatzgebiete verwies er u.a. auf die Angiografie, wo Roboter bereits seit 2007 eingesetzt werden. Sie seien seit 2007 auch Systempartner in der Strahlungstherapie. Aktuelles Forschungsthema sei u.a. die interventionelle Radiologie – hier werden z.B. Bewegungen des Patienten durch Roboter kompensiert. Bedsite Barcoding zur Medikation sei ebenfalls ein Thema

Der Ausblick auf die Medizin 4.0? Prof. Abel: Creating a new medical roboting world.

Personalisierten Therapien für Krebspatienten, die Idee der Molekularen Pathologie, „Next Generation Sequencing“ – neue Diagnose- und Therapie-Methoden stellte Prof. Dr. med. Reinhard Büttner, Direktor des Instituts für Pathologie der Universität Köln, den Teilnehmern des Führungskräfteseminars vor. Beeindruckend schilderte er das am Beispiel der Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs.

Unabdingbar sei bei der individualisierten Therapie aber die breit aufgestellte interdisziplinäre Zusammenarbeit in speziellen Zentren – in Köln z.B. zwischen Onkologen und Pathologen. Letztere nehmen die genetische Untersuchung des Tumorgewebes vor. Sie erkennen damit, welche genetischen Veränderungen bei jedem einzelnen Patienten die Entstehung und das Wachstum des Tumors bewirken. Sie können dann gezielt medikamentös behandelt werden. So kann die Krebserkrankung zu einer chronischen Krankheit werden.

Expertise und Bezahlbarkeit

Effiziente Krankenhausstrukturen sorgen für Kosteneffizienz und höhere Leistungsqualität. Beispiel: Zentralisierung der Labore oder Gründung Diagnostischer Zentren. Eingehend schilderte Prof. Dr. med. Jens Brümmer, Direktor des Zentralinstituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Transfusionsmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe, die Voraussetzungen und den Aufbau der neuen Strukturen. Ein Stichwort dabei war Automatisierung der Laborstraßen und dadurch die Möglichkeit, Bearbeitungszeiten deutlich zu verkürzen. Eine Gefahr bei der Bildung von Zentren sei dann allerdings, dass diese sich selbst zwar optimierten, die anderen dabei aber oft aus den Augen verlören. Die Organisation von Zentren sei in der Regel auch mit Widerständen verbunden, eine operative, funktionierende Leitung daher notwendig. Es gebe darüber hinaus immer auch mehrere Optionen für organisatorische Strukturen – es müssten sich daher alle im Vorfeld im Klaren sein, welche Form sie anstrebten.

Trägt Point-of-Care-Testing zu Effizienzgewinnung bei oder ist es eher eine Kostenfalle? Prof. Dr. med. Peter Luppa, Leitender Oberarzt am Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie der Technischen Hochschule München, riet hier, die in Frage kommenden Geräte erst einmal gründlich zu testen, die Kosten abzuschätzen und auch die Konsequenzen, etwa für die Liegezeiten, zu beachten, wenn wichtige diagnostische Daten sofort zur Verfügung stünden.

Für Vernetzung brauchen wir die moderne IT

Moderne Strukturen sind vernetzte Strukturen. Gute Vernetzung ist aber nur mit moderner IT möglich. Dafür gibt es bereits Beispiele, an denen man sich orientieren kann. VKD-Vizepräsident Peter Asché, Kaufmännischer Direktor der Uniklinik RHTW Aachen, stellte ein Projekt aus NRW vor, an dem sein Universitätsklinikum maßgeblich beteiligt ist und mit dem Sektor übergreifende Verbindungsstellen geschaffen werden. Ein nahtloser Übergang zwischen den Versorgungsbereichen sei gerade im Hinblick auf die zunehmende Zahl älterer Patienten, die häufig allein lebten, unter mehreren Krankheiten litten, oft chronische Krankheiten hätten, besonders wichtig. Als Schlüsselfaktoren für den Erfolg einer vernetzten Versorgung sah Peter Asché die gemeinsame Dokumentation auf einer Plattform, die sofortige Verfügbarkeit der Daten, die bessere Abstimmung der Medikation und die Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen. „Ohne Verbesserung der Kommunikation von Behandlungsinformationen keine bessere Versorgung“, so seine Schlussfolgerung.

Negativ dagegen die noch immer fehlende Telematikinfrastruktur, die leider steigende Anzahl geschlossener Portale sowie die nur eingeschränkte Kommunikation zwischen den Portalen und die multiplen Anschlusskosten.

Als Beispiel eines funktionierenden Modells erläuterte er ausführlich die Elektronische FallAkte (EFA) als Kommunikationsplattform, an der inzwischen zahlreiche Krankenhäuser, Rehakliniken und niedergelassene Ärzte beteiligt sind. Sie sei zweckgebunden, arztgesteuert und rechtssicher, in zahlreichen Projekte erprobt und öffentlich zugänglich. Die FallAkte Plus sei die Lösung für den Austausch medizinischer Daten in regionalen Versorgungsnetzwerken. Die Weiterentwicklung bestehe in der Migration der Elektronischen FallAkte auf eine IHE-konforme Plattform. Die EFA 2.0 ermögliche den Ausbau des Leistungsangebots in eine Sektor übergreifende Gesundheitscloud mit zusätzlichen Services. Peter Asché informierte die Teilnehmer des Seminars, dass inzwischen ein Verein zur Förderung der intersektoralen Gesundheitsversorgung gegründet wurde, an dem u.a. auch Kassenärztliche Vereinigungen beteiligt sind. Hier würden Versorgungsszenarien erarbeitet und in Pilotregionen ausgerollt.

Überlastete Mitarbeiter – wie helfe ich ihnen?

Veränderungen über Veränderungen. Was bedeutet das alles für die Mitarbeiter? Auch darum ging es. „Mein 48-Stunden-Tag – wie helfe ich überlasteten Mitarbeitern?“ Bournout ist das gängige Stichwort dafür. Dr. med. Mirriam Prieß, Beraterin aus Hamburg, erläuterte, wie wichtig der Beziehungsaspekt in diesem Zusammenhang ist. Die größten Reibungsverluste entstünden nicht durch schlecht laufende Prozesse, sondern weil die Beziehungen zwischen den beteiligten Menschen nicht funktionierten. Wichtig sei der Dialog auf Augenhöhe, das Offensein für die Meinung des anderen. „Sie müssen anders aus dem Gespräch herausgehen, als sie hineingegangen sind.“ Ein „Entweder –Oder“ entspreche dem nicht. Damit gehe man aus der Austausch- in eine Alarmsituation. „Wer nicht bei anderen ankommt, geht in den Widerstand“. Und der sei sehr anstrengend. Es folgten Erschöpfung, Rückzug, wodurch auch Fehler entstünden. Dieses Modell gebe es nicht nur bei einzelnen Personen, sondern auch bei Teams. Menschen könne man nur führen, wenn sie emotional angesprochen würden – unabhängig von ihrer Position und Leistung. Jeder könne und müsse auch sein eigenes Verhalten überprüfen.

Frauen in der Chirurgie

Zwei Drittel aller Studienanfänger in der Medizin sind Frauen. Die Hälfte der aktiv chirurgisch tätigen Weiterbildungsassistenten ist weiblich. Etwa 1000 bis 1500 Ärztinnen sind in jedem Jahr schwanger. Viele der Schwangeren – 88 Prozent – würden gern auf eigenen Wunsch weiter operieren, erklärte Dr. med. Maya Niethard, Oberärztin im Helios-Klinikum Berlin-Buch und Leiterin der Sektion Familie und Beruf der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Dürfen sie? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Hier bestehe eine rechtliche Grauzone. Allerdings schlössen alle rechtlichen Regelungen eine operative Tätigkeit in der Schwangerschaft nicht explizit aus. Probleme seien hier u.a. Informationsdefizite und ungeklärte Haftungsfragen. Als Lösung sieht sie derzeit die Erstellung einer individuellen Gefährdungsbeurteilung, die im Übrigen auch vom Mutterschutzgesetz gefordert werde.

Das geltende Recht sollte aber an die aktuellen Standards angepasst und bundesweit einheitlich geregelt werden. Derzeit seien für die Einhaltung der Vorschriften die Landesaufsichtsbehörden zuständig. Dr. Niethard verwies auf das Projekt OPidS – operieren in der Schwangerschaft (www.OPidS.de).

Jetzt schon vormerken!

Eine spannende Konferenz, flankiert von vielen Gesprächen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander und mit den hochkompetenten Experten. Sie alle erlebten eine Veranstaltung der Spitzenklasse.

Die Politik war an diesem Tag allenfalls indirekt mit dabei – was der Veranstaltung sehr gut tat. Am Vorabend gab es zudem für alle die Möglichkeit, sich intensiv auszutauschen – unter Kollegen und auch mit den Vertretern der Industrie.

Sämtliche Vorträge wurden für VKD-Mitglieder in den internen Bereich der Verbandshomepage eingestellt.