Die Politik geht einen ersten Schritt VKD: Digitalisierung aller Krankenhäuser muss öffentliche Aufgabe sein

Berlin, d. 1. Juni 2017. Die Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft lässt zu wünschen übrig. Diese Erkenntnis hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zur Formulierung von neun Eckpunkten bewogen. Sie sollen dazu beitragen, das Tempo in diesem wichtigen Wirtschaftsbereich zu erhöhen. Staatliche Förderung und Unterstützung seien notwendig. "Wir sind erfreut darüber, dass dieses Thema von der Bundespolitik aufgegriffen wird - endlich, muss man sagen", erklärte der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Dr. Josef Düllings.

Angesichts der völlig ungenügenden Investitionsförderung der Bundesländer sei es den Kliniken ganz und gar unmöglich, eine digitale Infrastruktur und die dringend nötige Implementierung der elektronischen Gesundheitsakte aus eigener Kraft zu finanzieren. Diese seien aber die Basis für eine moderne Prozessorganisation, für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung und für die Verbindung in die anderen Versorgungssektoren hinein. Internationale Vergleiche zeigten regelmäßig, dass die deutsche Krankenhausbranche hier allenfalls im Mittelfeld rangiere.

„Wenn in den Eckpunkten gesehen wird, dass die Krankenhäuser in der Digitalisierung eine Vorreiterrolle einnehmen und ihre standardisierten Strukturen auf den ambulanten Bereich ausstrahlen können, stimmen wir dieser Einschätzung zu. Wir stimmen ebenso deutlich zu, dass die digitale Infrastruktur der Universitätskliniken mit 500 Mio. Euro gefördert werden soll“, so Dr. Düllings. „Es überrascht allerdings, dass es nach diesem Schritt nicht weitergeht. Welche Planungen verfolgt die Bundesregierung für die restlichen 98 % der Krankenhäuser, die die Breitenversorgung der Bevölkerung sicherstellen?“

„Bereits vor drei Jahren hat der VKD eine nationale Investitionsoffensive zur flächendeckenden Einführung der elektronischen Patientenakte gefordert. Die Digitalisierung der Krankenhäuser muss eine öffentliche Aufgabe sein. Dies wird mittlerweile von vielen Beobachtern, auch der internationalen Gegebenheiten, geteilt. Es geht hier um eine notwendige Infrastrukturleistung als Voraussetzung für eine zukunftsfähige und bessere Patientenversorgung. Es handelt sich also um ein zentrales Zukunftsthema, das leider schon überfällig ist.“

Die Eckpunkte stellen aus Sicht des VKD einen Erkenntnisfortschritt in der Politik dar. Sie müssen aber zwingend den gesamten Krankenhausbereich in den Blick nehmen – und dann auch umgesetzt werden. Dr. Düllings: „Wenn schon Digitalisierung – dann richtig!“

Hintergrund

Nach einer aktuellen Studie der Stiftung Münch liegt Deutschland bei der Einführung der elektronischen Patientenakte im Vergleich mit 20 europäischen Ländern lediglich auf Platz 10. Bereits 2014 hatte die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) ermittelt, dass ein umfassender elektronischer Datenaustausch in Deutschland oft an der IT-Infrastruktur scheitert: Nur sechs Prozent der Kliniken mit Akutversorgung seien mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens auf regionaler oder nationaler Ebene vernetzt. In Dänemark, Island und Schweden gelte dies für gut 50 Prozent der Häuser.

Auch in wettbewerblichen, eher auf Eigeninitiative setzenden Gesundheitssystemen, wie das der USA, hat sich der Anteil der Krankenhäuser mit Electronic Health Record von neun Prozent in 2008 auf rund 85 Prozent in 2015 nahezu verzehnfacht – Ergebnis einer Förderung von rund 30 Milliarden US-Dollar über sieben Jahre aus dem Bundeshaushalt. Bezogen auf die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland wären das IT-Investitionen pro Jahr von 1,55 Milliarden Euro oder über sieben Jahre rund 11 Milliarden Euro.