DRGs: Höchste Zeit für eine Neujustierung VKD-Pressemeldung

Nach zehn Jahren zeigen sich die Schwachstellen des Finanzierungssystems Berlin, d. 26. Februar 2014. Vor rund zehn Jahren wurde in den deutschen Krankenhäusern das DRG-System als neues Finanzierungssystem verpflichtend eingeführt. Seitdem rechnen sie ihre Leistungen über Fallpauschalen ab. Die Umstellung war ein Kraftakt. Hat er sich gelohnt? Mit dieser sehr komplexen Frage beschäftigte sich das inzwischen 21. gemeinsame Führungskräfteseminar des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH) am 25. und 26. Februar in Berlin. "10 Jahre DRG-System: Finanzierung, Strukturen, Qualität."

Der Blick zurück ergab durchaus Positives, der Blick auf die aktuelle Situation der Krankenhäuser fiel dagegen weniger erfreulich aus, der Blick in die Zukunft zeigte daher deutlichen Veränderungsbedarf. Das von Beginn an so konzipierte „lernende System“ benötigt eine Neujustierung. „Nach diesen rund zehn Jahren haben uns die DRGs gezeigt: Die primäre Logik des Gesundheitssystems ist keine ökonomische, sondern eine medizinische“ resümierte VKD-Präsident Dr. Josef Düllings. Der zurzeit dagegen vorherrschende Ökonomismus verhindere jedoch einen ideologiefreien Blick auf die Lebenswelt von Patienten, Ärzten, Pflegenden und Management in den Kliniken, wo die Leistungen erbracht würden.

Die mit der Finanzierung über Fallpauschalen verbundenen Ziele – Transparenz der Leistungen, Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser und höhere Qualität seien durchaus erreicht worden, erklärte Peter Asché, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Aachen und Pressesprecher des VKD. Dagegen habe die Anzahl der Häuser nicht – wie ebenfalls erwartet – abgenommen. Die in den vergangenen Jahren deutlich reduzierten Verweildauern seien nicht unbedingt auf die DRGs zurückzuführen – diese Entwicklung habe sich bereits vorher gezeigt.

Folgen der DRG-Einführung seien ein deutlicher Abbau von Infrastrukturbereichen sowie verstärkte Auslagerung patientenferner Abteilungen gewesen. Neue Berufsgruppen, vor allem im Verwaltungsbereich, seien in die Krankenhäuser eingezogen, wie z.B. Controller, Medizincontroller, Projektmanager, Fallmanager. Die Häuser hätten den zunehmenden Wettbewerb akzeptiert und sich strategisch positioniert.

An den Darstellungen der meisten Referenten beider Tage zeigte sich aber auch, welche negativen Folgen auf vor allem auf die Finanz- und Personalsituation der Kliniken politische Eingriffe, wie die strikte Budgetdeckelung, in diesen Jahren immer wieder hatten.

Das System habe Anreize und auch Fehlanreize bewirkt, erklärte auch Prof. Dr. Norbert Roeder, Universitätsklinikum Münster. So hätten die Kliniken u.a. ihre Stärken und Schwächen analysiert und darauf reagiert. Nicht alle der erwarteten Fehlanreize seien eingetreten. So habe es die „blutigen Entlassungen“ durch verkürzte Verweildauern nicht gegeben. Er konstatierte eine erhöhte administrative Belastung. Insgesamt sei ein „Riesenoverhead“ dazu gekommen.

Er rechne für die Zukunft u.a. mit einer noch weiter forcierten Spezialisierung, mit der Optimierung der Leistungsportfolios, wo es möglich ist, mit Leistungssteigerungen bei entsprechender Nachfrage, Prozessoptimierungen, der Straffung patientenferner Bereiche, aber auch als Reaktion auf den Fachkräftemangel damit, dass sich die Kliniken als bessere Arbeitgeber positionieren. Die Ergebnisqualität werde als Wettbewerbsfaktor immer wichtiger, der Qualitätswettbewerb werde den Kostenwettbewerb teilweise ablösen.

Sein Fazit. „Die DRG-Einführung ist ein Erfolgsprojekt.“ Teilbereiche seien aber ungelöst, wie etwa die Finanzierung der Extremkostenfälle.

In einer Diskussionsrunde mit Heinz Kölking, Präsident der Europäischen Vereinigung der Krankenhausdirektoren (EVKD), Dr. Roland Laufer von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Wulf-Dietrich Leber vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen sowie Rudolf Henke, Mitglied des Bundestags und 1. Vorsitzender des Marburger Bundes, wurden vor allem auch die aktuellen Probleme mit dem inzwischen in die Jahre gekommenen Finanzierungssystem angesprochen: So haben kleinere Krankenhäuser große Mühe, über die Fallpauschalen ihre Vorhaltekosten zu decken und stecken zu einem erheblichen Teil in roten Zahlen. Hier ist Sicherstellung nötig, gegebenenfalls sollte über Marktaustrittshilfen nachgedacht werden.

Die seit Jahren sinkende Investitionsquote der Länder ist ein Hauptproblem, das absehbar nicht in der bisherigen Weise gelöst werden kann.  Hier ist ebenfalls dringender Handlungs- und Korrekturbedarf. Die Orientierung der Regierungskoalition auf das Thema Qualität ist zu begrüßen, aber schwierig umzusetzen, da bisher vielfach Vergleichskriterien fehlen. Es muss eine strategische Debatte darüber geben, nach welchen Regeln die Krankenhausversorgung künftig stattfindet. Dabei wird es nicht nur darum gehen, wie und von wem die Krankenhäuser in der Zukunft finanziert werden, sondern auch, welche Rolle  die Pflicht des Staates zur Daseinsvorsorge für seine Bürger hat.

Kontakt
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Tel.: 030-28885912
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Pressesprecher Peter Asché
Kfm. Direktor Universitätsklinikum Aachen
Tel:  0241 8088000
pasche@ukaachen.de

Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt mit rund 2.500 Mitgliedern das Management fast aller deutschen Krankenhäuser einschließlich der Rehabilitationskliniken und Pflegeeinrichtungen. Er versteht sich als Ansprechpartner insbesondere in Fragen der Krankenhauspraxis und des Klinikmanagements. www.vkd-online.de