KLINERGIE 2020

Die Schirmherrschaft für die Informationskampagne Klinergie 2020 hat Dr. Rudolf Kösters, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft übernommen.

Grußwort
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Energiebedarf in Kliniken ist enorm. Der Energiebedarf eines einzigen Krankenhausbettes entspricht etwa dem von drei Einfamilienhäusern. In den letzten beiden Jahren sind die Energiepreise gewaltig gestiegen - das ist Geld, das uns bei der Patientenversorgung fehlt. Und es ist zu befürchten, dass die Energiepreise auch in den nächsten Jahren weiter steigen werden.
So bleibt das Thema Verbesserung der Energieeffizienz auf der Tagesordnung der Krankenhäuser, d. h. weitere Energieeinsparung, aber auch verstärkter Einsatz erneuerbarer Energien. Die von viamedica - Stiftung für eine gesunde Medizin initiierte Informationskampagne "Klinergie 2020 - Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in deutschen Kliniken" gibt hier gute Hinweise. Die Kampagne informiert ausführlich über wirtschaftlich erschließbare Einsparpotenziale, gibt praktische Handlungsanweisungen und zeigt Beispiele deutscher Kliniken, die bereits durch Energieeffizienzmaßnahmen und den Einsatz erneuerbarer Energien erhebliche Kosteneinsparungen realisieren konnten.
Ich übernehme gerne die Schirmherrschaft und wünsche der Initiative der Stiftung viamedica viel Erfolg.
 

Klinergie-Kongress 2011 - Vorankündigung
Derzeit wird der Klinergie-Kongress 2011 geplant, der in der zweiten Oktoberhälfte stattfinden wird. Ort und Termin sind in Verhandlung und werden veröffentlicht, sobald sie feststehen.

Energiebedarf im Krankenhaus
Energie wird im Krankenhaus durch verschiedene Energieträger (Heizöl, Erdgas, teilweise noch Kohle, vereinzelt regenerative Energiequellen ) bereitgestellt und in Form von Wärme (v.a. Heizung und Lüftung), Kälte (Klimaanlagen, Kühl- und OP-Räume) und Strom (Betrieb der medizinischen und technischen Anlagen und Gebäudeausrüstung, Beleuchtung, Aufzüge etc.) in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Der Einsatz verschiedener Energieträger bedingt wiederum verschiedene Anlagentechniken, die Verknüpfung der einzelnen Energieformen wird von der Abnahme- und Infrastruktur eines Krankenhauses bestimmt. Da diese schon allein wegen der Größe und Versorgungsaufgabe eines Krankenhauses sehr unterschiedlich ist, können die hier vorgestellten Maßnahmen nicht verallgemeinert, sondern müssen entsprechend den Strukturen eines Krankenhauses individualisiert werden. 
Denn der Energiebedarf eines Krankenhauses wird nicht nur von Größe und Versorgungsaufgabe bestimmt, sondern auch von Rahmenbedingungen wie Bauart und Zustand der Gebäude, den eingesetzten Energieträgern, der Auslastung, technischen Ausstattung und dem Betrieb und der Wartung der technischen Anlagen. Deshalb ist die Ermittlung krankenhausspezifischer Kennwerte - üblicherweise auf die Nutzfläche bzw. die Bettenzahl bezogen - für Wärmebedarf und Stromverbrauch sehr komplex und kompliziert. Derzeit läuft ein  Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts UMSICHT, das anhand der Untersuchung von Energieeffizienz in 20 Krankenhäusern ein Benchmarking für diese Branche erstellt. Die Krankenhäuser erhalten so Orientierungsgrößen, mit denen sie ihre eigenen Verbrauchswerte vergleichen können - eine Grundlage für ein zu schnürendes Maßnahmenpaket, sollten diese von den Durchschnittswerten erheblich abweichen.
Die geplanten Maßnahmen zur Energieeinsparung müssen das Ziel der Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes mit den jeweiligen krankenhausspezifischen Anforderungen an die Energieversorgung in Einklang bringen. Neben Maßnahmen im Bereich der technischen Anlagen und der Gebäudehülle stellen insbesondere auch organisatorische Maßnahmen sowie das Nutzerverhalten eine wichtige Möglichkeit, Energie einzusparen.

Hintergründe
Nicht nur die durch diverse Gesundheitsreformen zahlreichen Veränderungen der letzten Jahre, sondern v.a. auch die rasant steigenden Energiepreise, Personalkosten und die zunehmende Konkurrenz der Häuser untereinander setzen die Kliniken unter einen enormen Kostendruck. Der Deutsche Städtetag hat gerade im Juni 2008 eine "dramatische Finanzsituation" der Krankenhäuser diagnostiziert. Dies belastet zunehmend die Patientenversorgung und die Arbeitsbedingungen für die Angestellten. Deshalb sollten vielfältige Überlegungen angestellt werden, wie dem Druck entgegengesteuert und eine Kostenreduzierung realisiert werden kann.
Zwar stehen bei einer Prüfung der Einsparpotenziale bei den Betriebskosten hauptsächlich die Personalkosten im Mittelpunkt. Aber auch wenn die Energiekosten mit einem Anteil von ca. 3% an den Gesamt- und ca. 10% an den Sachkosten auf den ersten Blick nur einen geringen Anteil an der Kostenlast darzustellen scheinen, so  zeigen doch die absoluten Zahlen, dass auch hier das Einsparpotenzial enorm ist - gerade unter dem Aspekt der ständig steigenden Energiepreise. Liegen doch derzeit z.B. die durchschnittlichen Energiekosten für ein 600-Betten-Haus bei einer Million Euro.
Die jährlichen Gesamtausgaben der rund 2.100 deutschen Krankenhäuser liegen bei rund 60 Milliarden Euro. Ca. 1,5 Milliarden Euro davon entfallen auf den Energieverbrauch. Durchschnittlich werden pro Bett und Jahr ca. 6.000 kWh Strom und 29.000 kWh Wärme verbraucht - das entspricht dem Jahreswärmebedarf von zwei neueren Einfamilienhäusern. Dementsprechend hochgerechnet werden pro Krankenhaus in Deutschland jährlich 500.000 Euro für Energie ausgegeben. Je nach Alter und Größe der Krankenhäuser könnten Schätzungen zufolge rund 40% Strom und 32% Wärme eingespart werden, natürlich auch abhängig vom Zustand der bestehenden Anlagen, die teilweise doch sehr sanierungsbedürftig sind.
Das bedeutet: Energiesparmaßnahmen werden praktisch zu einer zwingenden Notwendigkeit, um Kosten zu senken und die Qualität der Leistungen zu gewährleisten oder zu verbessern. Nicht zuletzt stellt ein rationeller Umgang mit Energie aber auch einen notwendigen Beitrag zur Umweltentlastung dar und trägt zur Schonung knapper Ressourcen bei. 
Deshalb konzipierte die Stiftung viamedica, die 2002 von Umweltpreisträger Prof. Dr. Franz Daschner gegründet wurde, die Informationskampagne KLINERGIE 2020. Diese bietet kompakt und übersichtlich Ideen, Anregungen, Impulse sowie einen Überblick über Möglichkeiten und KnowHow, wie dieses Einsparpotenzial im Energiebereich gezielt genutzt, wirtschaftlich erschlossen und finanziert werden sowie umgesetzt werden kann, und zwar sowohl durch Energieeffizienzmaßnahmen wie auch durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Denn durch die steigenden Energiepreise verkürzen sich die Amortisationszeiten für Investitionen im Energiebereich erheblich. Allein in den letzten Jahren sind sie bereits um 20% gefallen.

Weitere Informationen unter
http://www.klinergie.de/startseite/
und
http://www.viamedica-stiftung.de/home/