Pressemitteilung: Kein Aprilscherz für die Notaufnahmen!

Berlin, d. 31. März 2017. Das ist kein Aprilscherz: Ab morgen sollen die Ärzte in den ambulanten Notaufnahmen der Krankenhäuser in Höchstgeschwindigkeit Patienten untersuchen und gegebenenfalls wegschicken. Das jedenfalls sehen die ab dem 1. April geltenden neuen Vergütungsregelungen vor - beschlossen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband der Krankenkassen gegen die Stimme der Krankenhäuser.

Patienten, bei denen – dem Anschein nach - eine reguläre ambulante Behandlung genügt, sollen sofort und ohne gründliche Untersuchung an einen niedergelassenen Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst verwiesen werden. Für die Blitzabklärung sind rund zwei Minuten kalkuliert. Mehr jedenfalls wird dem Krankenhaus nicht vergütet.

„In so kurzer Zeit kann ein Patient doch dem Arzt kaum seine Beschwerden schildern. Soll der Mediziner in der Notaufnahme nur kurz mal die Stirn fühlen und dann entscheiden?“ sagt der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Dr. Josef Düllings. Ein älterer Mensch habe zum Beispiel meist mehrere Krankheiten, die mit in Betracht gezogen werden müssten. Und was passiere, wenn ein niedergelassener Arzt keine Sprechstunde habe und die Bereitschaftspraxis ebenfalls geschlossen sei oder weit entfernt liegt? Keine ungewöhnliche Situation, vor allem in ländlichen Regionen.

Natürlich kämen viele Patienten in die ambulanten Notaufnahmen, die eigentlich auch von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden könnten. In Urlaubsregionen ist dies eher der Standardfall als die Ausnahme, weil die meisten wissen oder schnell herausfinden, wo sich eine Klinik befindet. Auch sei die für den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst eingerichtete bundeseinheitliche Rufnummer 116117 in der Bevölkerung bisher kaum bekannt. Deshalb seien die Notaufnahmen oft überfüllt. Eine aktuelle Erhebung hätte aber u.a. auch gezeigt, dass eine sehr große Zahl der Patienten ins Krankenhaus kommt, weil sie von Vertragsärzten selbst an die Notaufnahmen verwiesen wurden. „Die Vertragsärzte unterlaufen damit sogar ihren eigenen Sicherstellungsauftrag“, so Dr. Düllings.

Der Gesetzgeber hat der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen in der Krankenhausreform aufgetragen, eine Lösung für das Dilemma mit den ambulanten Notaufnahmen zu finden. Diese sieht nun so aus, dass die Krankenhäuser durch extrem niedrigere Gebühren für ihre Arbeit im Grunde gezwungen werden sollen, Patienten wegzuschicken. Für die Schnellabklärung erhält das Krankenhaus werktags eine Grundpauschale von 4,74 Euro am Tag bzw. 8,42 Euro in der Nacht. Zuvor waren es im Durchschnitt 30 Euro – und selbst das hat den Häusern schon hohe Defizite beschert.

„Die Lösung dieses nun nochmals verschärften Problems sehen wir in den Notaufnahmen der Krankenhäuser nicht darin, Patienten nun tatsächlich nach häufig längerer Wartezeit unbehandelt wegzuschicken. Das können wir nicht verantworten, weil damit gegebenenfalls sogar Leben gefährdet werden. Denn auch hinter einem Kopfschmerz kann sich eine Hirnblutung verbergen“, so Dr. Düllings.

Die Forderung des VKD gehe nun an den Gesetzgeber: Krankenhäuser müssen über die Vergütung der Notfallleistungen direkt mit den Krankenkassen verhandeln und über diese auch abrechnen können. Das muss gesetzlich verankert werden.

„Es kann nicht weiterhin so sein, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen darüber entscheiden, wie unsere Arbeit in den ambulanten Notaufnahmen vergütet wird. Hier tut sich bei uns inzwischen bundesweit ein Defizit in Milliardenhöhe auf.“

Zu klären sein werde aber auch, ob die Verantwortung für die ambulante Notfallversorgung, weiterhin allein bei den Kassenärztlichen Vereinigungen liegen solle. Sie würden dieser Verantwortung ganz offenbar nicht voll gerecht. Sie überzögen stattdessen aber die Krankenhäuser immer wieder mit dem Vorwurf, ambulant behandelbare Patienten stationär aufzunehmen, um ihre Betten zu füllen. Absurder gehe es wirklich nicht.

Dr. Josef Düllings: „Wir sind für praktikable Lösungen in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten immer offen. Beispiele gibt es ja bereits. Diese können aber nicht allein auf Kosten der Krankenhäuser umgesetzt werden. Alle Beteiligten sollten sich daran orientieren, was für die Patienten am besten ist. Die Finanzierung der ambulanten Notfallleistungen muss aber in jedem Fall gerecht geregelt werden.“

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