Stolperstart bei der Qualitätsoffensive: Wichtige Vorhaben werden ausgebremst VKD-Jahrestagung: Digitale Infrastruktur muss öffentliche Aufgabe werden

Weimar/Berlin, d. 29. Juni 2016. "Was wir heute nicht gemeinsam anpacken, wird uns morgen vor die Füße fallen. Uns, aber auch der Politik und den Krankenkassen. Alle sind sich einig: Die Qualitätsoffensive ist sinnvoll und richtig. Aber jetzt, wo es konkret werden soll - etwa bei der Vereinbarung von Zuschlägen für die Mehrkosten von GBA-Beschlüssen (u. a. Neonatologie) oder bei der Vereinbarung der besonderen Aufgaben von Zentren - wird die Qualitätsoffensive mit fadenscheinigen Argumenten von Kassenseite ausgebremst. Die Logik der Krankenkassen ist eben die Logik des Geldes und nicht die der Qualität", konstatierte der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Dr. Josef Düllings, am Wochenanfang in Weimar. Rund 150 Geschäftsführer von Krankenhäusern aus ganz Deutschland waren am 27. und 28. Juni hier zur 59. Jahrestagung des Verbandes zusammengekommen. Ihr Thema: Die Zukunft: "Hospital 4.0 - was kommt auf die Krankenhäuser zu?"

Die Blockadehaltung führe jetzt dazu, dass die vom Gesetzgeber für das erste Jahr nach Inkrafttreten des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) vorgesehene Beträge in dreistelliger Millionenhöhe nicht, wie von der Politik zugesagt, bei den Krankenhäusern ankämen, so Dr. Düllings. „Wenn die Qualitätsoffensive schon bei diesen kleinen Schritten ins Stolpern gerät, dann kommen begründete Zweifel auf, ob sie von Kassenseite wirklich gewollt ist und ob das Krankenhausstrukturgesetz etwas bewegen kann.“

Der VKD-Chef monierte nicht nur die schleppende Umsetzung des KHSG mit wichtigen Entscheidungen, die für die Finanzierung in verschiedenen Bereichen der Kliniken relevant sind. Auch in der ambulanten Notfallversorgung läge die Hauptlast weiterhin bei den Krankenhäusern, ohne dass das Geld der Leistung folge.

Ein "Bonmot" der Tagespolitik und aus Krankenhaussicht völlig unverständlich: Die geplante Geldspritze aus dem Gesundheitsfonds von 1,5 Milliarden Euro für die Krankenkassen. Während den Krankenkassen ungefragt, und auch von Kassenseite selbst abgelehnt, Geld zugeschoben werden soll, lässt man die Krankenhäuser bei der Unterfinanzierung ihrer dringend nötigen Investitionen, jährlich in Milliardenhöhe, am langen Arm verhungern.

Eine andere Fehlentwicklung ist die massive Beschleunigung und Ausweitung der Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), die offenbar nur einem Zweck diene: "Unter dem Deckmantel der Rechnungsprüfung üben Krankenkassen und MDK derzeit einen massiven Druck auf die Behandlungsqualität zu Lasten der Patienten aus. Teilweise werden Krankenhäuser genötigt, die leitliniengerechte Versorgung zu verlassen und Qualitätsabstriche hinzunehmen. Das ist eine Fehlentwicklung, die dringend korrigiert werden muss", so der VKD-Präsident.

Das Ziel einer besseren und gleichzeitig wirtschaftlichen Versorgung der Patienten setzt die Digitalisierung der Krankenhäuser voraus. Ebenso ist ihre Vernetzung mit anderen Bereichen der Gesundheitsversorgung wichtig, insbesondere für die Patienten. Ähnlich wie der Aufbau der Verkehrsinfrastruktur mit Einführung der Kfz-Steuer Anfang der 1920er Jahre zunehmend öffentliche Aufgabe wurde und dadurch die Mobilität in der Bevölkerung erheblich gesteigert hat, sollte auch die Schaffung einer digitalen Infrastruktur des Gesundheitswesens eine öffentliche Aufgabe sein. Bund und Länder sollten erkennen, welche Gestaltungskraft von solchen Investitionen ausgeht, die vor allem im Interesse des Patienten liegen.

Hoch qualifizierte Mitarbeiter in allen Bereichen sind die Basis einer guten Patientenversorgung, die sowohl technisch und organisatorisch einem hohen Standard entspricht, als auch menschlich zugewandt und fürsorglich auf die Bedürfnisse der Kranken ausgerichtet ist. Ein Thema, das heute bereits akut ist, in der Zukunft aber noch mehr Brisanz entfalten wird. Die Krankenhäuser haben erhebliche Probleme, Personallücken zu schließen. Schon heute fällt es 74 Prozent der Häuser schwer, ärztliche Stellen neu zu besetzen. Im Pflegedienst sind es 37 Prozent. Insgesamt spüren 79 Prozent der Kliniken einen erheblichen Fachkräftemangel, der sich auf alle wichtigen Berufsgruppen bezieht. Darauf u.a. verwies Prof. Dr. Volker Penter von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Künftig seien vier Generationen von Mitarbeitern zwischen 20 und 70 Jahren mit ganz unterschiedlicher Sozialisierung in Teams zusammenzuführen, in denen in einigen Jahren etwa die heutige so genannte „Generation Y“ die Mehrheit stellen werde. Dafür sei aber eine völlig neue Führungskultur notwendig, erklärte Prof. Dr. Anja Lüthy von der TH Brandenburg.

Diese entwickelt sich nicht an einem Tag. Sie erfordert auch stabile Führungsstrukturen. "Keine kurzatmigen, scheinbar einfachen Lösungen, stärkeres Denken in langen Linien - wir alle müssen darauf achten, dass wir im sehr fordernden Alltagsgeschäft die wichtigen Zukunftsaufgaben nicht aus den Augen verlieren. Mit ‚wir‘ meine ich nicht nur die Geschäftsführer in den Krankenhäusern. Das betrifft die Vertreter von Krankenkassen und Ärzten ebenso wie die Politik“, so ein Fazit von Dr. Falko Milski, Pressesprecher des VKD und als Geschäftsführer der Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten GmbH ebenso stark eingebunden in dieses Tagesgeschäft, wie die anderen Teilnehmer der Tagung.


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Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt mit rund 2.350 Mitgliedern das Management fast aller deutschen Krankenhäuser einschließlich der Rehabilitationskliniken und Pflegeeinrichtungen. Er versteht sich als Ansprechpartner insbesondere in Fragen der Krankenhauspraxis und des Klinikmanagements. www.vkd-online.de