VKD meets BVmed

unter diesem Titel haben sich die Vorstände der beiden Verbände am 16.2.2006 in Berlin zu einem gemeinsamen Erfahrungs- und Meinungsaustausch getroffen.

Dieses Treffen war die Fortsetzung eines vor Jahren begonnenen Dialoges. Die Agenda zielte neben der gegenseitigen Information von derzeit relevanten gemeinsamen Themen auf die Definition gemeinsamer Ziele in einer sich rasant veränderten Welt in der Gesundheitswirtschaft.

So wurden durch Fachreferate folgende Themen schwerpunktmäßig bearbeitet:

  1. Die Bedeutung von Wahlleistungen für medizintechnologische Innovationen
  2. Der Stellenwert und die Entwicklung von E-Commerce bei der Beschaffung von Medizinprodukten.
  3. Der Beschaffungsaufwand und Nutzen von Ausschreibungsverfahren
  4. Die Bürokratie in der Anwendung des Medizinproduktegesetzes.

Alle genannten Themen wurden von Repräsentanten der beiden Verbände transparent aufgearbeitet. Es wurde vereinbart, die Themen nach Möglichkeit den betroffenen Mitarbeitern in den Krankenhäusern und der Unternehmen über Fortbildungsveranstaltungen des VKD auf Länderebene nahe zu bringen. Dies gilt insbesondere für den adäquaten Umgang mit den Regelungen des Medizinproduktegesetzes.

In den Grundsatzreferaten des Vorsitzenden des BVmed J. Anton Schmidt und des Präsidenten des VKD Heinz Kölking wurden konzeptionelle Fragen für die Zukunft unter veränderten Rahmenbedingungen ausgeführt und diskutiert. So stand beim VKD das Anliegen ganz vorne, dass sich die Industrie darauf einstellen müsse, die Krankenhäuser bei der Schaffung von Voraussetzungen für den Erfolg unter veränderten Rahmenbedingungen zu unterstützen. So kommt es im Hinblick auf das neue über Fallpauschalen kalkulierte Vergütungssystem (DRG) bei zunehmenden Wettbewerb darauf an, die Qualität, Effizienz und Effektivität in den Strukturen wie in den Prozessen der Krankenhäuser zu stärken bzw. zu verbessern. Dabei sei es zunehmend zweckmäßig, die Industrie mit ihren Produkten, aber insbesondere auch mit Dienstleistungen in die Prozesse des Krankenhauses einzubinden. Intelligente Modelle sind gefragt. Ebenso muss sich die Praxis der Vergütung von Produkten und Dienstleistungen auf das pauschale Vergütungssystem für die Krankenhäuser ausrichten, also in der Tendenz weg von der Einzellproduktvergütung hin zur pauschalen Preisgestaltung für Prozesse.

Die Industrie sieht in dieser Entwicklung analog die Notwendigkeit, von der vordergründigen Betrachtung allein des Produktpreises wegzukommen, da „billig" nicht gleichzusetzen ist mit „preiswert". Umso wichtiger ist es, von der isolierten Produktbewertung zu einer Betrachtung der Prozesskosten zu gelangen.

Aus der Sicht des Krankenhausmanagements ist es unabdingbar, dass die Medizinprodukteindustrie erkennt, dass die Gesetze der Ökonomie auch in der Gesundheitswirtschaft gelten müssen. Ökonomie ist kein Selbstzweck, aber die Ressourcen sind knapp, wie in allen anderen Lebensbereichen. So muss als Entscheidungskriterium für die Beschaffung oder den Einsatz von Medizinprodukten neben medizinischen Kriterien auch der Beitrag für Effektivität und Effizienz der Prozesse bewertet werden. Dies muss sowohl Auswirkungen auf die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren als auch auf die Vertriebspraktiken haben.

Gemeinsam wurde festgestellt, dass die Fragen der Abstimmung der jeweiligen Zielsetzungen noch weitgehend offen sind. Denken und Handeln der Akteure orientiert sich noch immer an überkommenen Zielen und unveränderten Anreizen. Es soll gemeinsam nach Wegen gesucht werden, diesen Prozess in Gang zu bringen, um neue Wege zu definieren, diese transparent zu machen und entsprechende Anreize für die Akteure im Einkauf bzw. Vertrieb zu schaffen, so das Versprechen der Teilnehmer des Meetings.

Gemeinsam wurde auch bekräftigt, dass die Gesundheitswirtschaft eine Wachstumsbranche in der Zukunft sein wird und muss. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die Herausforderungen der Demografie für die Gesellschaft wie für die Wirtschaft als auch im für den Arbeitsmarkt. Dieses wünschenswerte und notwendige (qualitative und quantitative) Wachstum erfordert jedoch ein hohes Maß an Effektivität und Effizienz in den Strukturen wie in den Prozessen. Daran wollen beide Verbände gemeinsam arbeiten und gleichzeitig ihre gemeinsamen Aktivitäten in der politischen Arbeit ausbauen. Die Präsidien beider Verbände sind aufgerufen, für eine konkrete Umsetzung dieser Vorhaben zu sorgen. In diesem Sinne wurde vereinbart, dass der Dialog fortgesetzt wird.

Heinz Kölking