Die integrierte palliative Versorgung des St. Joseph-Stifts in Dresden erhielt den Golden Helix Award 2010

VKD-Pressemeldung
5. Oktober 2010  

Im September 2010 vergab der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V., unterstützt von den Sponsoren Ecclesia Versicherungsdienst GmbH, Ethicon Products - Johnson & Johnson Medical GmbH, Bank für Sozialwirtschaft Berlin, Sozietät cms Hasche Sigle und Siemens , zum 18. Mal den Golden Helix Award für ein innovatives und nachahmenswertes Qualitätsmanagement-Projekt, das auch belegen kann, dass die Qualität wirklich verbessert wurde. 16 Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten sich mit ihren Projekten dem Wettbewerb gestellt, drei davon schafften es ins Finale und eines erhielt vor großem Auditorium den Gewinner-Ammoniten auf dem 23. Kongress der Europäischen Vereinigung der Krankenhausdirektoren in Zürich.

Die drei Finalisten des Jahres 2010 waren die Projekte:

-    "Effektives Kontrollsystem für höchste Therapiesicherheit bei Tumorpatienten" der Sektion Klinische Forschung des Universitätsklinikums Freiburg,

-    "Integrierte palliativ-medizinische Betreuung" des St. Joseph-Stifts in Dresden und

-    "Safe Surgery Saves Lives - erfolgreiche Einführung eines Standards" der Klinik für Wiederherstellungschirurgie des Universitätsspitals in Zürich.

Die Jury, in der u.a. Vertreter der Ärzteschaft, der Krankenhausdirektoren, der Krankenhausgesellschaft, der Krankenversicherungen, der Pflegeberufe und der Wissenschaft aus Österreich und Deutschland tätig sind, fand bei ihren Besuchen vor Ort hochmotivierte, multiprofessionelle und interdisziplinäre Teams, die überzeugende Belege für die alte QM-Weisheit bereit hielten, dass nicht die gute Qualität sondern die schlechte Qualität das meiste Geld kostet.

Die breite Palette an Lösungen der drei Finalisten: "gelebte Kontrolle", "gelebte Patientennähe" und "gelebte Checkliste" spiegelt erneut die vielen Möglichkeiten der Qualitätsverbesserung im Gesundheitswesen wider.

Das Projekt "Effektives Kontrollsystem für höchste Therapiesicherheit bei Tumorpatienten" aus Freiburg
Durch die Einrichtung einer multidisziplinären Kontrolleinheit, die Umsetzung von Behandlungsleitlinien für eine Vielzahl detaillierter Protokolle, zusätzliche Verfahrensanweisungen, den Einsatz von Informationstechnologie und die stetige Fortbildung der Mitarbeiter – kurz den Aufbau einer ausgeprägten Sicherheitskultur - gelingt es der Sektion Klinische Forschung die Fehler bei der ärztlichen Bestellung von Zytostatika von 4,2% auf 1,9% und die daraus resultierenden unerwünschten Wirkungen erheblich zu reduzieren. Besonders beachtenswert ist, dass diese Verbesserung auch noch nach drei Jahren den Patienten zugute kommt.

Das Projekt "Integrierte palliativ-medizinische Betreuung" aus Dresden
Begonnen wurde das Projekt im Rahmen eines Integrierten Versorgungsvertrags zur ambulanten palliativ-medizinischen Betreuung (Brücken-Team) und weiteren Aufschwung bekam es 2007 durch den deutschen Gesetzgeber, der allen Versicherten einen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung zugestand. Ziel des Dresdner Projektes war es, durch eine qualifizierte palliativ-medizinische Betreuung, Förderung und Koordinierung der Versorgungsbereiche übergreifenden Zusammenarbeit und Unterstützung der Angehörigen Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen und den Verbleib der Patienten im häuslichen Umfeld zu ermöglichen. Durch den Einsatz einer Vielzahl qualitätssichernder Maßnahmen einschließlich des Aufbaus eines fachlich und menschlich qualifizierten Mitarbeiterstabes und eines exzellenten Fallmanagements konnte 80% der durch das Brückenteam betreuten Menschen der Wunsch erfüllt werden, zu Hause zu sterben.

Das Projekt "Safe Surgery Saves Lives - erfolgreiche Einführung eines Standards" aus Zürich
2007 startete die Weltgesundheitsorganisation ihre Kampagne "Safe Surgery Saves Lives", die auf die Sicherheit der Patienten in den Operationssälen abstellt. Patienten- und Seitenverwechslungen, Zurücklassen von Gegenständen, fehlende Berücksichtigung mitgebrachter Risiken, Unvollständigkeit der Unterlagen etc. sind im Operationssaal häufiger als angenommen und können zu Schäden bei Patienten führen, von denen die Hälfte als vermeidbar gilt. Ein umfassendes Maßnahmenbündel, zu dem das präoperative checklistenbasierte Team-Time-Out, das postoperative Sign-Out, die Op-Transferliste und die standardisierte Markierung der Op-Stelle gehören, wurde eingeführt und mit Leben erfüllt. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die neuen organisatorischen Verfahren durch ein Human Factor Training der Mitarbeiter ergänzt wurde. Im Vorher/Nachher-Vergleich konnten die Projektmitglieder zeigen, dass durch die eingesetzten Maßnahmen bleibende Schäden ganz verhindert und die Schäden, die zu einer Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes führten, halbiert wurden.

Die Entscheidung der Jury 2010
Alle drei Finalisten können stolz auf ihre Projekte und die erzielten Erfolge sein, alle hätten den Golden Helix Award 2010 verdient, aber nur einer kann ihn bekommen. Die Jury hat sich nach langen Diskussionen für das Projekt "Integrierte palliativ-medizinische Betreuung" aus Dresden wegen seiner Vorbildfunktion für die in unseren Ländern sich entwickelnde palliative Versorgung entschieden. Das Dresdner Projekt und seine Mitarbeiter haben die Meßlatte für alle nachfolgenden palliativen Versorgungsvorhaben sehr hoch gelegt.

Golden Helix Award 2011

Detailliertere Informationen zu den Siegern des Jahres 2010 und zu früheren Gewinnern des Golden Helix Award finden sich auf der Homepage des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands www.vkd-online.de.
Die Vorbereitungen für die Vergabe des Golden Helix Award 2011 haben schon begonnen.

Prof. Dr. Hans-Konrad Selbmann
Jury-Vorsitzender, Universität Tübingen