Die Politik verschärft den Ärztemangel

VKD-Pressemeldung vom 11. Oktober 2010

Berlin/Düsseldorf. In den deutschen Krankenhäusern fehlen 5.500 Ärzte. Wenn nicht schleunigst gegengesteuert wird, werden es im Jahr 2019 insgesamt im Gesundheitswesen 37.000 sein – die meisten wiederum in den Krankenhäusern. Ein kürzlich veröffentlichtes, vom Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) unterstütztes Gutachten des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) belegt den Mangel Schwarz auf Weiß.

Die Politik wollte lange nicht wahrhaben, dass es im ärztlichen Bereich gravierende Personalprobleme gibt. Inzwischen ist der Ärztemangel für manche Krankenhäuser schon zu einer existenziellen Frage geworden. Das jetzt veröffentlichte Gutachten „Ärztemangel im Krankenhaus – Ausmaß, Ursachen, Gegenmaßnahmen“ dokumentiert nicht nur, dass dieser Mangel besteht und sich weiter verschärfen wird. Die Analyse macht zudem deutlich, dass es sich längst nicht mehr nur um ein Problem dünn besiedelter Flächenregionen handelt. Bundesweit fehlen Ärzte, vor allem in der Chirurgie, der Inneren Medizin und – hier steigen die Fälle besonders rasant – in der Psychiatrie.

Zur Lösung des Problems ist aus Sicht des VKD eine Reihe von Maßnahmen notwendig:

Strukturen modernisieren

Zwingend, und immer wieder vom Krankenhausmanagement eingefordert, sind strukturelle Veränderungen. Die Grenzen zwischen den Sektoren müssen durchlässiger werden. Nur so ist das Potenzial auch und vor allem im ärztlichen Dienst unter Einbindung des niedergelassenen Bereichs effizient einsetzbar. Dafür muss die Politik nicht nur den Rahmen setzen, sondern Regelungen auch durchsetzen. Stattdessen blockiert sie. Die Krankenhäuser sind bereit, sich zu vernetzen. Die Politik sollte nicht dahinter zurückbleiben.

Medizinstudium reformieren

Ein Schwachpunkt ist das Medizinstudium. Es war ein Fehler, dass mit der Reform der Approbationsordnung vor acht Jahren die Studienkapazitäten verringert wurden. Der VKD fordert seit mehreren Jahren hier eine Aufstockung. Wobei dies allein nicht genügt. Das Studium selbst muss so verändert und auch praxisnäher gestaltet werden, dass es nicht mehr zu derart hohen Abbrecherquoten kommt. Wer dieses teure Studium absolviert, sollte dann auch wirklich als Arzt arbeiten und nicht in andere Branchen abwandern.

Bürokratie reduzieren

Ärzte sollen auch als Ärzte arbeiten und nicht mit einer Vielzahl von Dokumentationsaufgaben überhäuft werden, die der Gesetzgeber und der Gemeinsame Bundesausschuss abfordern. Die überbordenden MDK-Prüfungen belasten die Mediziner unnötig. Schon die Vor-Vorgängerinnen des jetzigen Bundesgesundheitsministers haben immer wieder Bürokratieabbau versprochen. Wo es ihnen möglich ist, versuchen natürlich die Krankenhäuser, die Ärzte von Dokumentationsaufgaben zu entlasten. Sie wollen hier aber auch von der Politik endlich Taten sehen.

Neue Berufsbilder anerkennen

„Auf Eis“ liegt seit langem die bundesweite Anerkennung des Berufsbildes der Operationstechnischen Assistenten. Auch hier ist der Gesetzgeber in der Pflicht. Neue Berufsbilder können die Ärzte entlasten.

Finanzielle Spielräume nicht beschneiden

Das Bundeskabinett hat gerade den Gesetzentwurf für die Finanzreform der Gesetzlichen Krankenkassen beschlossen. Es hat damit auch den Kürzungen bei den Krankenhäusern zugestimmt. Damit beschneidet es die Möglichkeiten in der Personalausstattung mit allen damit verbundenen Folgen für die Besetzung von Stellen und die notwendige Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Politik trägt auch hier zur Verschärfung der Situation bei.

Was wir brauchen ist, dass der Arztberuf im Krankenhaus wieder attraktiver wird und die Spielräume für ärztliches Handeln verbessert werden. Finanzielle Kürzungen vor allem bei zusätzlich zu versorgenden Patienten tragen nicht dazu bei.

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Pressesprecher Peter Asché
Kfm. Direktor Universitätsklinikum Aachen
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Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt 2.700 Manager in Gesundheitseinrichtungen in Deutschland.
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