Ärztemangel - Keine Hilfe für ländliche Krankenhäuser Pressemitteilung des VKD

05.09.2011. Anlässlich der Präsidiumssitzung des Verbandes der Krankenhaus-direktoren am 2. September in Lahnstein äußerte sich VKD-Präsident Heinz Kölking zum Entwurf des Versorgungsstrukturgesetzes, das nach dem Willen der Bundesregierung dazu beitragen soll, den Ärztemangel auf dem Land zu beheben und die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

„Der jetzt im Bundesrat auch von den Bundesländern zu beratende Entwurf enthält aus unserer Sicht einige positive Elemente. Er enthält aber keine Regelung, die  den Ärztemangel  aktuell und perspektivisch verhindert. Dabei macht sich der Ärztemangel aufgrund der Aus- und Weiterbildungsverfahren zeitlich zunächst in den Krankenhäusern und erst danach in der ärztlichen Niederlassung bemerkbar. Dies betrifft seit längerem insbesondere kleinere Krankenhäuser in ländlichen und strukturschwachen Regionen, die  vor allem die Sicherstellung der wohnortnahen Versorgung zu gewährleisten haben.
Diese Häuser, deren Bedarfsnotwendigkeit über ihre Aufnahme in die Krankenhauspläne der Länder amtlich festgestellt und dokumentiert ist, haben im Rahmen ihres gesetzlichen Versorgungsauftrages und der Standortrealitäten wenig Gestaltungsfreiräume und kaum die Möglichkeit, zusätzliche Erlöse über Mengensteigerungen oder Spezialisierungen zu erreichen. Sie können ihr Patientenklientel nicht steuern, um ggf. so ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern. Auch können sie die  zunehmend höheren Gehaltsforderungen der Ärzte nicht mehr  bezahlen.
Wir bemängeln insgesamt die sehr einseitige Ausrichtung des geplanten Versorgungsstrukturgesetzes auf den vertragsärztlichen Bereich. Wenn es tatsächlich um die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung gehen soll, dann muss auch der Krankenhausbereich hier entsprechend berücksichtigt werden“, erklärte Kölking in Lahnstein.

Für den niedergelassenen Bereich soll es mehr Vergütungsanreize zur Steuerung des Niederlassungsverhaltens geben: „Alle Leistungen von Ärztinnen und Ärzten, die in strukturschwachen Gebieten tätig sind, werden grundsätzlich von der Abstaffelung ausgenommen.“ Weiter heißt es im Regierungsentwurf: „Die regionalen Vertragspartner erhalten die Option, Preiszuschläge für Leistungen von besonders förderungswürdigen Leistungserbringern, die in strukturschwachen Gebieten tätig sind, zu vereinbaren.“

Für die Krankenhäuser forderte Kölking ebenso finanzielle Entlastungen. So sei die mit dem GKV-Finanzierungsgesetz eingeführte Minderung der Veränderungsrate für 2012 in Höhe von 0,5 Prozentpunkten zu streichen. Ansonsten würden den Krankenhäusern weitere 600 Mio. Euro entzogen.

Mit der ständigen Ressourcenknappheit in vielen Krankenhäusern würden sich nach Auffassung von Kölking die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtern, Ärzte und Pflegende würden die Lust an ihrem Beruf verlieren und sich umorientieren. Junge Menschen würden von der Arbeit im Krankenhaus oft sogar abgeschreckt. „Eine Perspektive, die wir uns angesichts der demografischen Veränderungen in den nächsten Jahren überhaupt nicht leisten können“, gibt Kölking zu bedenken. Ohne Verbesserungen auch in der Krankenhausfinanzierung wären die geplanten Maßnahmen gegen den Ärztemangel reine Makulatur.

Im Bundesratsverfahren seien nun die Länder gefordert, für die Sicherstellung der Krankenhausversorgung einzutreten. Eine weitere Verschärfung des Ärztemangels in ländlichen Krankenhäusern stelle die medizinische Versorgung in Frage. Gleichzeitig appellierte Kölking an die Gesundheitsminister der Länder, sich für Änderungen im Gesetzentwurf einzusetzen. Auch Krankenhäusern müsse eine bessere Möglichkeit gegeben werden, Ärztinnen und Ärzte für ländliche Regionen zu gewinnen.



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