Entlassmanagement: Sanktionsandrohung ignoriert die Versorgungswirklichkeit VKD-Pressemeldung

Berlin, 26. 5. 2011. In den Eckpunkten zum Versorgungsgesetz wird auch eine Verbesserung des Entlassmanagements gefordert. Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) begrüßt diese Initiative des Gesetzgebers. Verwunderung löst allerdings aus, dass ohne inhaltliche Auseinandersetzung mit der Versorgungswirklichkeit sogar von Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den Krankenhäusern die Rede ist. Diesen wird teilweise Untätigkeit auf diesem Gebiet unterstellt.

So sieht die Realität aus: Die Abgrenzung zwischen stationärer und nichtstationärer Behandlung ist im deutschen Recht fest verankert. Lediglich in sehr engem Rahmen darf ein Krankenhaus vorstationär (fünf Tage vor Aufnahme) und nachstationär (zwei Wochen nach Entlassung) Patienten behandeln. Dieser enge Rahmen zeigt, wie sehr bislang darauf geachtet wurde, dass das Krankenhaus seine Zuständigkeit nicht ausweitet.

Zu fordern wäre daher, die vor- und nachstationären Behandlungsmöglichkeiten deutlich auszuweiten. Denkbar wäre, dass Beauftragte des Krankenhauses und/oder das Krankenhauspersonal selbst, unter Umständen schon vor geplanten Eingriffen, in die Patientenversorgung eingebunden würden. Auch nach dem stationären Aufenthalt könnte der Behandlungserfolg wesentlich besser als bislang gesichert werden, wenn eine Nachbetreuung auch durch das Krankenhaus erfolgen dürfte.

So gibt es in Schweden sehr gute Erfahrungen mit der Betreuung von Patienten, die eine Endoprothese (Hüfte, Knie) erhalten. Trainingsprogramme lange vor dem operativen Eingriff und eine engmaschige Begleitung nach dem stationären Aufenthalt im Krankenhaus bzw. einer Reha-Einrichtung können nicht nur die Verweildauer im Krankenhaus reduzieren, sondern vor allem auch den Behandlungserfolg besser absichern. Dafür müsste ein Krankenhaus in Deutschland allerdings berechtigt sein, alle notwendigen Maßnahmen, z. B. in einer Reha-Einrichtung, zu veranlassen und ggf. in eigener Zuständigkeit tätig zu werden.

Derzeit sind solche ganzheitlichen Versorgungsansätze nur in vereinzelten Fällen denkbar. So kann eine im Krankenhaus angestellte Hebamme im Rahmen einer Nebentätigkeit die Versorgung von Müttern vor und nach der Geburt auch in deren Zuhause vornehmen. Das Krankenhaus darf eine solche patientenorientierte Behandlung selbst nicht anbieten. Es ist rechtlich daran gehindert, eine ganzheitliche Betreuung außerhalb des stationären Aufenthalts vorzunehmen.

Ein weiteres Hindernis bei der zügigen Entlassung von Patienten aus dem Krankenhaus ist der Genehmigungsvorbehalt der Krankenversicherung bei der Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen. Dieser muss aufgegeben werden! Für die Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen sollte ausschließlich der behandelnde Arzt des Akut-Krankenhauses zuständig sein. Zudem müssen alle nach § 111 SGB V zugelassenen Reha-Einrichtungen in einer Region die Berechtigung erhalten, Patienten aufzunehmen, ohne dass es einer Zustimmung des MDK oder der einzelnen Krankenkasse im Einzelfall bedarf.

Das deutsche Recht räumt dem Schutz der einzelnen Berufsgruppe und der verschiedenen Institutionen einen hohen Stellenwert ein. Die Folge ist eine kleinteilige Zuständigkeitsregelung und -abgrenzung. Eine Aufhebung dieser starren Grenzen würde  die Patientenversorgung eher verbessern als den Krankenhäusern unter Sanktionsdruck die nicht lösbare Aufgabe zu übertragen, bestehende Zuständigkeitsgrenzen zu überwinden.

Kontakt:

VKD-Geschäftsstelle Berlin
Tel.: 030-28885912
vkdgs@vkd-online.de

Pressesprecher Peter Asché
Kfm. Direktor Universitätsklinikum Aachen
Tel:  0241 8088000
pasche@ukaachen.de


Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt 2.800 Manager in Gesundheitseinrichtungen in Deutschland.
www.vkd-online.de