Real existierender Ärztemangel führt zu langen Wartezeiten VKD-Pressemitteilung

Berlin, 8. September 2011. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hat recht: Lange Wartezeiten auf einem Facharzttermin sollten Kranken nicht zugemutet werden - weder gesetzlich noch privat versicherten. Sanktionen gegen Ärzte - seien sie nun gesetzlich festgelegt oder von der ärztlichen Selbstverwaltung freiwillig vereinbart - helfen hier aber nicht weiter. Kontraproduktiv ist auch der Vorwurf der AOK, Ärzte arbeiteten zu wenig.

Wesentliche Ursache der zum Teil langen Wartezeiten ist der real existierende Ärztemangel. Dieser betrifft nicht nur die ambulante Versorgung, sondern zu allererst die Krankenhäuser vor allem in den ländlichen Regionen.

Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands fordert daher zum wiederholten Male, dieser Tatsache endlich Rechnung zu tragen und diese Kliniken – ebenso wie es für die Vertragsärzte bereits vorgesehen ist – im Versorgungsstrukturgesetz finanziell zu entlasten.

Ein Schritt hin zur Lösung des Problems wäre weiterhin eine auf der Kenntnis regionaler Bedarfe beruhende Planung der medizinischen Versorgung. Dazu gehören sowohl ambulante als auch stationäre Kapazitäten. Die Vorstellung, Krankenhäuser als ambulant praktizierende Lückenbüßer nur dann einzubeziehen, wenn Not am Mann ist, wenn also niedergelassene Fachärzte nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stehen, geht schon heute an der Wirklichkeit vorbei. Die Patienten warten nicht darauf, dass sie von den Krankenkassen „gesteuert“ werden. Sie gehen dorthin, wo sie auf Hilfe hoffen können. Das zeigen die vollen Notfallambulanzen der Krankenhäuser.

Aktionismus und Schuldzuweisungen verbieten sich, wenn es um pragmatische, an den realen Verhältnissen orientierte Lösungen geht – Lösungen, die in der brandenburgischen Uckermark anders aussehen können als im hessischen Vogelsberg, in Oberfranken oder in Berlin-Neukölln. Die Krankenhäuser werden in jedem Fall ein wesentlicher Teil dieser Lösungen sein. Das muss auch der Gesetzgeber erkennen und dies im Versorgungsstrukturgesetz berücksichtigen.