Kurswechsel - aber welcher Weg ist der richtige?

VKD-Chef: Ein Kurswechsel wird allen Beteiligten viel Kooperationsbereitschaft abverlangen

Berlin/Düsseldorf, d. 15. November 2021. „Ein Kurswechsel in der deutschen Krankenhauspolitik ist überfällig. Wenn wir eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung in Stadt und Land wollen, müssen die Weichen dafür zügig gestellt werden. Zügig, aber nicht mit Schnellschüssen, wie wir sie immer wieder erlebt haben. Strukturveränderungen, wie sie ohne Zweifel notwendig sind, werden allen Akteuren viel Kooperationsbereitschaft abverlangen. Etwas, das in den vergangenen Jahren häufig verlorengegangen ist“, erklärte der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Dr. Josef Düllings, heute anlässlich der Eröffnung des 44. Deutschen Krankenhaustags in Düsseldorf.

Die wichtigste Veranstaltung der Krankenhausbranche findet parallel zur weltgrößten Medizinmesse Medica vom 15. bis zum 18. November statt. Der VKD ist Mitgesellschafter der GDK - Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag, die Veranstalterin des Kongresses ist, der in diesem Jahr unter dem Thema „Kurswechsel in der Krankenhauspolitik?!“ steht. VKD-Mitglieder beteiligen sich an vielen Einzelveranstaltungen mit Vorträgen, Diskussionsbeiträgen und Moderationen. Der Verband ist außerdem in diesem Jahr wieder mit einem Stand direkt in der Messe präsent und empfängt in Präsenz Partner und Interessenten in Halle 12/Stand C42.

Bei aller Veränderungsbereitschaft und -notwendigkeit dürfe das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, warnte der VKD-Präsident. So sei es ein grundlegender Irrtum zu glauben, dass die flächendeckende Versorgung ausschließlich von wenigen maximalversorgenden Kliniken und Universitätskliniken geleistet werden könne, wie das manche Experten immer wieder vorschlagen. „Wir brauchen unser Netz von gestaffelten kleinen, mittleren und großen Häusern, wie wir es bereits haben, die aber untereinander künftig Leistungen noch deutlich besser abstimmen müssen – eine Entwicklung, die bereits vielfach im Gange ist“, erklärte er in der Podiumsdiskussion der Eröffnungsveranstaltung.

Wenn sich alle Beteiligten offenbar darüber einig seien, dass eines der großen Themen der nächsten Jahre die Vernetzung der Anbieter von Gesundheitsleistungen innerhalb der Sektoren und über die Sektoren hinweg ist, muss allen, auch der Politik, klar sein, dass es ohne erhebliche Investitionen nicht gehen wird. Investitionen in die Infrastruktur und vor allem auch in die Digitalisierung sind dafür zwingende Voraussetzungen. „Das alles ist von den Krankenhäusern und auch den niedergelassenen Ärzten absehbar nicht zu leisten. Bund und Länder müssen dafür erhebliche Mittel bereitstellen. Dass dies in der aktuellen Situation schwierig sein wird, ist sicher ebenfalls klar. Hier müssen daher Prioritäten gesetzt werden“, so Dr. Düllings. „Wie wichtig ist der Politik eine Infrastruktur, die für die Bürger überaus große Bedeutung hat?“

Für die Krankenhäuser schließe sich hier die nächste Herausforderung an – das an seine Grenzen gekommene Finanzierungssystem. Das Fallpauschalensystem brauche zwingend einen Neustart, weil es mit seiner Durchschnittsorientierung vor allem kleine und große Häuser benachteilige, in finanzielle Schwierigkeiten bringe und damit inzwischen auch die flächendeckende Versorgung gefährde. Das Problem der seit Jahren gesetzwidrig zu niedrigen Investitionsmitteln, für das die Länder verantwortlich sind, müsse ebenfalls gelöst werden, „weil wir sonst über neue Strukturen gar nicht erst reden müssen. Der Bund ist hier in der Verantwortung, sich ebenfalls zu beteiligen.“

Große Sorgen mache jedem Geschäftsführer natürlich der Mangel an Pflegepersonal, der sich durch die schwierigen Arbeitsbedingungen der vergangenen Pandemiejahre weiter verschärft habe. „Wir stehen hier vor einem sehr ernsten und gleichzeitig komplexen Problem, das sich leider nicht von heute auf morgen lösen lasse, so Dr. Düllings. „Was wir aber gerade in der aktuellen Situation nicht verstehen ist, dass die Krankenkassen in den Budgetverhandlungen häufig die Finanzierung neu eingestellter Pflegekräfte blockieren“. Es zeige sich leider, dass viele der VKD-Mitglieder zu Recht die Ausgliederung des Pflegebudgets aus den Fallpauschalen kritisch gesehen hätten.

„Wir brauchen auch mehr Flexibilität beim Einsatz unserer Pflegefachkräfte statt starrer Grenzen. Dass es mit der Festlegung von Pflegepersonal-Untergrenzen nicht getan ist, haben wir schon vor Ausbruch der Pandemie kritisiert. Hier gibt es eine deutlich bessere Möglichkeit, die bisher aber vom Bundesgesundheitsministerium abgelehnt wurde.“

Und natürlich liege es auch an den als Geschäftsführer, in den Häusern Bedingungen zu schaffen, unter denen alle gern arbeiteten. Dazu gehörten die Umsetzung sinnvoller Managementmethoden ebenso wie Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie eine differenzierte und angemessene Vergütung.

Fazit des VKD-Präsidenten: „Die Komplexität des Gesundheitssystems macht es nicht einfach, einen Kurswechsel in Angriff zu nehmen. Viele gute Ideen und Projekte sind über die Jahre versandet, weil es kein gemeinsames Wollen gab, weil oft auch vom grünen Tisch entschieden wurde, ohne die Praktiker mit einzubeziehen. Deshalb ist die Forderung unseres Verbandes an die Politik seit Jahren, endlich einen Masterplan Deutsches Krankenhaus in Angriff zu nehmen, denn die Krankenhäuser sind ohne Frage die Anker der Gesundheitsversorgung“, betonte der VKD-Präsident.

Der 44. Deutsche Krankenhaustag ist auch in diesem Jahr wieder ein lebendiges Forum für Diskussionen über Gesundheitspolitik und Praxis mit Vertretern aus Krankenhäusern, der Politik, Krankenkassen und Verbänden. Vertreter aller Berufsgruppen beschäftigen sich in zahlreichen Einzelveranstaltungen an den drei Konferenztagen vom 15. bis zum 18. November in Düsseldorf unter dem Generalthema „Kurswechsel in der Krankenhauspolitik?!“ mit so wichtigen Fragen wie Finanzierung, Digitalisierung, Personal, Management und Organisation, schlussendlich um den richtigen Weg in die Zukunft der Gesundheitsversorgung. Zum künftig dabei immer wichtiger werdenden Thema der Ambulantisierung von Krankenhausleistungen spricht VKD-Präsident Dr. Josef Düllings am 16. November, dem zweiten Konferenztag, ab 9 Uhr, im Forum der Trägerverbände der GDK. Moderiert wird das Forum von VKD-Pressesprecher Dr. Falko Milski.

Alle Interessenten können die Veranstaltungen im Livestream ohne Anmeldung unter www.deutscher-krankenhaustag.deverfolgen.