Gemeinsame Empfehlungen von VLK und VKD zur wirtschaftlichen Mitverantwortung des Leitenden Krankenhausarztes und zu Zielvereinbarungen vom 27.09.2013

Medizin und Ökonomie sind zwei Seiten der gleichen Medaille, wenn es darum geht, im Krankenhaus eine hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen. Der Leitende Krankenhausarzt nimmt neben seinen Aufgaben als Arzt auch Managementfunktionen wahr. Auf der anderen Seite sollte die Geschäftsführung auch medizinische Empfehlungen der Leitenden Krankenhausärzte in ihre Handlungskonzepte einbeziehen. Vor diesem Hintergrund haben der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) und der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) die nachfolgenden Empfehlungen abgestimmt, die Leitenden Krankenhausärzten und Krankenhausdirektoren als Orientierung und Unterstützung in der Krankenhauspraxis dienen sollen.


1.

Die Geschäftsführung oder Direktion von Krankenhäusern sowie die Leitenden Krankenhausärzte haben eine gemeinsame Managementverantwortung. Diese kann nur dann optimal wahrgenommen werden, wenn alle Beteiligten bestrebt sind, alle notwendigen Voraussetzungen zu schaffen für eine enge, vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit sowie Kommunikation auf Augenhöhe.


2.

Das Wohl der Patienten und die Versorgung mit medizinisch notwendigen Leistun-gen müssen stets im Vordergrund stehen. Leitende Krankenhausärzte sind in ihrem Verantwortungsbereich für Diagnostik und Therapie der Patienten weisungsunab-hängig.


3.

Bonusorientierte Zielvereinbarungen sollten variable Bestandteile der Gesamtvergütung für Leitende Krankenhausärzte sein. Zielvereinbarungen, die auf finanzielle Anreize bei medizinischen Einzelleistungen abstellen, sind abzulehnen, weil sie das Risiko primär ökonomisch indizierter Leistungserbringung beinhalten. Zielvereinbarungen mit ökonomischen Inhalten haben die berufsrechtlichen Re-gelungen für Ärzte zu beachten.


4.

Leitende Krankenhausärzte haben auch eine ökonomische Verantwortung in ihr medizinisches Handeln einzubeziehen. Als Maßstab sollte gelten: Solange betriebswirtschaftliches Denken dazu dient, eine medizinisch indizierte Maßnahme möglichst effektiv und effizient umzusetzen, ist es geboten und sollte durch die Leitenden Ärzte gesamtverantwortlich für ihre Abteilung und Klinik umgesetzt werden.


5.

Wirtschaftliche Mitverantwortung bedeutet darüber hinaus, dass Leitende Kranken-hausärzte bei der Behandlung der Patienten im Rahmen des ärztlich Notwendigen zu zweckmäßigem, wirtschaftlichem und sparsamem Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln verpflichtet sind und auch die nachgeordneten Ärztinnen und Ärzte dazu verpflichten.


6.

Wirtschaftliche Mitverantwortung bedeutet ebenso, dass Leitende Krankenhausärzte bestrebt sein müssen, insbesondere im qualitätsorientierten Wettbewerb mit anderen Leistungsanbietern ihre Abteilungen und Kliniken erfolgreich zu positionieren und die Attraktivität für die Patienten zu erhöhen. Entscheidungsgrund für die Behandlung darf nur die medizinische Indikation ausschließlich nach ärztlichem Ermessen und zur Förderung des Patientenwohls sein. Eine medizinische Indikationsstellung ausschließlich zur Erlössteigerung wird abgelehnt.


 
7.
Voraussetzung für die wirtschaftliche Mitverantwortung ist eine enge, vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Krankenhausmanagement und Leitenden Krankenhausärzten, zum Beispiel durch regelmäßigen Datenaustausch sowie gemeinsam abgestimmte Budgetplanungen und medizinische Strategien. Die ökonomische Letztverantwortung des Krankenhausmanagements bleibt hiervon unberührt.


8.

Vor diesem Hintergrund können einvernehmlich vereinbarte, insbesondere projekt-bezogene Zielvereinbarungen als sinnvoll angesehen werden. Dabei sollte der Fokus vor allem auf die Qualitätssteigerung der Patientenversorgung, die Erreichung medizinischer, aber auch ökonomischer Ziele ausgerichtet sein.


9.

Zielvereinbarungen sollten nur dann Gegenstand von vertraglichen Verein-barungen sein, wenn die Festlegung von Indikatoren und deren Quantifizierung für eine auch anteilige Zielerreichung möglich sind. Die Zielvereinbarungsinhalte sollten so ausgewählt sein, dass der Leitende Krankenhausarzt maßgeblichen Einfluss auf die Zielerreichung hat.


10.

Zielvereinbarungen können auf die in der Anlage genannten Inhalte abstellen, wobei der Katalog nur beispielhaft und nicht abschließend ist.


11.

VLK und VKD vereinbaren eine Aktualisierung und Weiterentwicklung der vorge-nannten Empfehlungen unter Einbezug von Innovationen der Krankenhauspraxis und Ergebnissen der jeweils innerverbandlichen Diskussionen.

  
Anlage – Gemeinsame Empfehlungen von VLK und VKD zur wirtschaftlichen Mitverant-wortung des Leitenden Krankenhausarztes und zu Zielvereinbarungen vom 27.09.2013


Beispiele für Zielvereinbarungsinhalte

Die Zielvereinbarungsinhalte sollten in ihren Auswirkungen sowohl auf die Medizin und Qualität der Patientenversorgung als auch auf die Ökonomie ausgerichtet sein.

- Förderung der Interdisziplinären Zusammenarbeit

- Einführung des Risikomanagements

- Einführung und Anwendung von Patientensicherheitssystemen wie zum Beispiel das Critical Incident Reporting System (CIRS)

- Aufbau und Zertifizierung von Zentren

- Einführung sinnvoller Neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) sowie die Einstellung medizinisch überholter Methoden

- Weiterentwicklung des medizinischen Leistungsangebotes

- Prozessoptimierung und Verbesserung der Arbeitsabläufe

- Senkung der Komplikations- und Infektionsraten

- Einführung und Kontrolle von Hygienestandards mit Nachweis der Ergebnisqualität

- Verbesserung des Überleitungsmanagements, insbesondere Aufnahme, Entlas-sung sowie interne und externe Verlegung

- Mitarbeiterzufriedenheit

- Qualifizierung von Mitarbeitern

- Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter

- Optimierung der medizinischen Dokumentation

- Qualitätszirkel mit niedergelassenen Ärzten

- Marketingmaßnahmen zur Gewinnung von Patienten, zum Beispiel Einweisergespräche und Patientenseminare