GOLDEN HELIX AWARD 2004

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Die Auszeichnung des Siegerteams und der Finalisten erfolgte zur Medica 2004 (v.l.n.r. K. Sommer, Chemnitz, M. Klocke, Ecclesia (Sponsor), Anton J. Schmidt, Ethicon (Sponsor), H. Kölking, Prof. Dr. H.-K. Selbmann, Dr. K. Lieb, Freiburg, K. Oberrainer, Bruck/Mur)

Golden Helix Award 2004 an Universitätsklinikum Freiburg für „Verkürzung der Übermittlungsdauer von Arztbriefen stationär behandelter Patienten“.

Der älteste deutsch-österreichische Preis für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, der Golden Helix Award, getragen vom Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands und gesponsert erstmals in diesem Jahr von der Ecclesia Versicherungsdienst GmbH und der Ethicon GmbH, geht im Jahr 2004 an das Universitätsklinikum Freiburg für sein Verbesserungsprojekt „Verkürzung der Übermittlungsdauer von Arztbriefen stationär behandelter Patienten“. Bereits zum zwölften Mal wurde damit ein zur Nachahmung empfohlenes Projekt ausgezeichnet, das mit Zahlen, Daten und Fakten eine relevante Qualitätsverbesserung im Gesundheitswesen belegen kann.

Von den 36 Bewerbungen des Jahres 2004 aus Deutschland und Österreich genügten 17 den recht hohen Eingangsanforderungen der zehnköpfigen unabhängigen Jury. Aus diesen filterte sie jene drei Finalisten heraus, die preisverdächtig waren und von ihr vor Ort besucht wurden. Es waren dies die Projekte

  • „INFO-DIAL Patienten- und Mitarbeiterinformation mit System“ der Medizinischen Abteilung Dialyse des Landeskrankenhauses Bruck an der Mur in der Steiermark,
  • „Optimierung des Einsatzes von Blut und Blutprodukten“ des Klinikum Chemnitz und
  • „Verkürzung der Übermittlungsdauer von Arztbriefen stationär behandelter Patienten“ der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.

Alle drei Projekte stammen aus Krankenhäusern, die schon seit längerem über viel Erfahrungen mit einem internen Qualitätsmanagement verfügen, und belegen eindrucksvoll, wie mit den Methoden des Qualitätsmanagements Patienten wirksamer und wirtschaftlicher versorgt werden können.

INFO-DIAL Patienten- und Mitarbeiterinformation mit System, Landeskrankenhaus Bruck an der Mur.

Die Hauptidee des Projekts bestand darin, in regelmäßigen Abständen und über einen längeren Zeitraum die Dialyse-Patienten unter anderem nach ihrem Wissen und ihren Problemen bezüglich der Shunt-Pflege, der Medikamentenverordnung und der einzuhaltenden Diät zu befragen. Die Ergebnisse wurden den Stationsmitarbeitern zurückgemeldet, gemeinsam analysiert und bei Bedarf einer Qualitätsverbesserung zugeführt. Diese regelmäßig durchlaufenen Qualitätsverbesserungszyklen führten zu einer größeren Zufriedenheit der Patienten und der Mitarbeiter mit der Dialyse, zu der sicherlich auch der gleichzeitig erstellte, vorbildhafte Leitfaden für Dialysepatienten das Seine beitrug. Die Jury war besonders von der Patientenorientierung des Ansatzes und des interdisziplinären Teams beeindruckt.

Optimierung des Einsatzes von Blut und Blutprodukten, Klinikum Chemnitz.

Ausgangspunkt des preiswürdigen Projekts des Klinikums Chemnitz war die Beobachtung, dass in Chemnitz die Indikation zur Gabe von Erythrozytenkonzentraten und Plasmaprodukten sehr viel weiter gefasst wurde als dies in vergleichbaren Kliniken der Fall war oder die Transfusionsrichtlinie der Bundesärztekammer es empfahl. Neben den Kosten für die unangemessenen Bluttransfusionen war damit auch das Risiko der Patienten, transfusionsbedingte Komplikationen und Infektionen zu erleiden, erhöht. Durch die Entwicklung abteilungsübergreifender Leitlinien für die Indikationsstellung der Transfusionen und die Einrichtung von über 25 abteilungsinternen Qualitätszirkeln konnten die vier selbst definierten Indikatoren für die Prozess- und die Ergebnisqualität dauerhaft verbessert werden. Der immer wieder Schwankungen unterworfene Zielerreichungsgrad jeder Abteilung wird seither jedes halbe Jahr anhand der Auswertung von insgesamt ca. 2000 Narkoseprotokollen gemessen. Seit der 6. Messung hat diese Aufgabe inzwischen die Controllingabteilung des Klinikums übernommen. Das Projekt des Klinikums Chemnitz ist nach Ansicht der Jury ein Schulbeispiel dafür, dass der Einsatz von Leitlinien auf Dauer von einem regelmäßigen Messen der Leitlinien-Konformität begleitet werden muss.

Verkürzung der Übermittlungsdauer von Arztbriefen stationär behandelter Patienten, Universitätsklinikum Freiburg.

Vor dem Hintergrund einer bevorstehenden KTQ-Zertifizierung hatte das Universitätsklinikum Freiburg alle Abteilungen aufgefordert, Qualitätsverbesserungsprojekte zu beginnen. Eines dieser Projekte, durchgeführt in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, befasste sich mit der Übermittlungsdauer von Arztbriefen stationär behandelter Patienten, nachdem festgestellt worden war, dass diese durchschnittlich 29 Tage brauchten, bis sie beim nachbehandelnden Arzt ankamen. Nun sind psychiatrische Arztbriefe wegen ihrer notwendigen Ausführlichkeit und Teamorientierung von Natur aus schwieriger zu erstellen als z.B. chirurgische Arztbriefe und dürfen daher etwas länger bis zu ihrer Fertigstellung brauchen. Durch eine Reorganisation des Entwerfens, Schreibens, Korrigierens und Unterschreibens konnte die Übermittlungsdauer dennoch auch in dem schwierigen Feld der stationären psychiatrischen Versorgung auf 11 Tage verkürzt werden, eine Zeit, die eine problemlose Weiterbehandlung der Patienten beim niedergelassenen Arzt ermöglicht. Gleichzeitig wurde die inhaltliche Qualität der Arztbriefe verbessert und die empfangenden Ärzte nach ihrer Zufriedenheit gefragt.

Mit der Verleihung des Golden Helix Preises 2004 an das Freiburger Projekt wollte die Jury nicht nur diese Erfolge herausstellen, sondern auch darauf aufmerksam machen, dass die Kommunikation über die Arztbriefe an der Nahtstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung bei immer kürzer werdenden Liegezeiten verbessert werden muss, um die Qualität der Versorgung hochzuhalten. Ein guter psychiatrischer Arztbrief kann hierbei nicht nur der kompetenten Direktinformation oder der Archivierung sondern auch der Fortbildung der Ärzte und sogar vieler Patienten dienen.

Auch im Jahre 2005 wird der Golden Helix Preis ausgeschrieben. Mit der Vorbereitung der Bewerbungen kann in Praxen, Krankenhäusern, Pflegeheimen oder anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens heute schon begonnen werden. Genauere Informationen zum Golden Helix Award sind bei der Geschäftsführerin des VKD, Frau Gabriele Kirchner, unter der Anschrift Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Oranienburger Str. 17, 10178 Berlin erhältlich oder über www.vkd-online.de abrufbar.

Prof. Dr. Hans-Konrad Selbmann

Institut für Medizinische Informationsverarbeitung der Universität Tübingen

Vorsitzender der Jury des Golden Helix Award