Nicht weil die Dinge unerreichbar sind, wagen wir sie nicht. Weil wir sie nicht wagen, bleiben sie unerreichbar. (L.A. Seneca)

Preisverleihung zum Golden Helix Award am 18. November 2011

 

Zum Wettbewerb 2011:

Bereits zum 19. Mal hatte der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. mit Unterstützung seiner Sponsoren - besonderer Dank gilt der ECCLESIA Versicherungsdienst GmbH,  der BfS Bank für Sozialwirtschaft, der Sozietät cms Hasche Sigle und Siemens Deutschland - den Golden Helix Award ausgeschrieben.
25 Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten sich beworben. Damit ist der Golden Helix Award der älteste und erfolgreichste Wettbewerb zum Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung im deutschsprachigen Raum, wenn nicht gar in Europa. Mit dem Golden Helix Award werden innovative und nachahmungswerte Projekte ausgezeichnet, die relevante Qualitätsverbesserungen im Gesundheitswesen erzielen und dies mit Daten und Fakten auch belegen können. Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der FIRST JOINT EUROPEAN HOSPITAL CONFERENCE während des 34. Deutschen Krankenhaustages am 18. November 2011 in Düsseldorf.

Aus der Vielzahl der eingesandten Projektideen, von der Einrichtung neuer QM-Strukturen bis zu konkreten Qualitätsverbesserungsprojekten in der Schmerztherapie oder der Versorgung von Patienten mit bestimmten Erkrankungen, filterte die zehnköpfige, unabhängige Jury zwei Finalisten heraus, die hinsichtlich des Innovationsgehalts, des Engagements der Projektmitglieder, der Übertragbarkeit auf andere Gesundheitseinrichtungen und des Bedarfs an Qualitätsverbesserung aus der Menge der anderen guten und anregenden Bewerbungen hervorragten. Diese beiden Projekte aus dem Klinikum Frankfurt (Oder) und aus dem Landeskrankenhaus St. Pölten wurden anschließend von Jurymitgliedern besucht.

Das Ergebnis des Wertungstages am 28. Oktober in Berlin:

Zwei Sieger beim Golden Helix Award 2011: Die Prozessoptimierte Notaufnahme des Klinikums Frankfurt (Oder) und die Assistierte Peritonealdialyse des Landeskrankenhauses St. Pölten.

Das Projekt „Home Care Peritonealdialyse“ des Landeskrankenhauses St. Pölten

Das multiprofessionelle Projektteam der 1. Medizinischen Abteilung Dialyse des Landeskrankenhauses St. Pölten hatte sich 2007 die Schließung der Versorgungslücke für schwerstkranke Patienten zwischen einer Zentrumshämodialyse und einer peritonealen Heimdialyse vorgenommen, Patienten also, denen der weite Weg zum Dialysezentrum nicht mehr zugemutet werden kann, die andererseits zu Hause aber auch nicht mehr allein mit den Qualitätsanforderungen der peritonealen Dialyse zurechtkamen. Diesen Patienten konnte durch das Angebot einer assistierten Peritonealdialyse geholfen werden, bei dem abwechselnd neun MitarbeiterInnen des Dialysezentrums entweder zweimal oder einmal am Tag die Patienten zu Hause aufsuchten, sie und ihre Angehörigen einwiesen und die Qualität kontrollierten. Auch wenn erst Erfahrungen mit zwölf Patienten vorliegen, lässt sich erkennen, dass die Patienten die erfahrenen Erleichterungen außerordentlich schätzten – die Alternative für sie wäre ja eine häufigere stationäre Aufnahme - und dass die Kosten sogar unter denen der bisherigen Versorgung lagen. Lediglich die noch ausstehende Finanzierungsregelung für einen flächendeckenden Routineeinsatz – während der Projektlaufzeit übernahm das Landeskrankenhauses noch die Finanzierung seiner MitarbeiterInnen - verhindert zur Zeit die weitere Verbreitung dieses Versorgungsangebots. Die alternde Bevölkerung wird dieses notwendig machen, Interessenten sind bereits vorhanden.   


Das Projekt „Medizinische und ökonomische Prozessoptimierung in der Notaufnahme durch IT-gestützte Behandlungspfade und einer Ersteinschätzung in einem integrierten System“ des Klinikums Frankfurt (Oder)

Die über Jahre hinweg erhebliche Zunahme von Patienten, darunter viele, die nicht in die Notaufnahme eines Klinikums gehören, machte eine Neuorganisation der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Frankfurt (Oder) zur Erhaltung und gezielten Verbesserung der Versorgungsqualität zwingend notwendig. Eine korrekte Bewertung der Dringlichkeit und der Fachbereichszuordnung der Notfälle, ein schnellerer und planbarer Durchlauf der Patienten durch die Notaufnahme (Ziel: max. drei Stunden im Median), eine Transparenz der Wartezeiten für eine nachhaltende Steuerung, die zeitgerechte Organisation der Fachgebietskonsile und die Bereitstellung von internen und externen Behandlungspfaden waren u.a. die Ziele, die sich das interdisziplinäre und multiprofessionelle Team vornahm. Die Basis der Problemlösung bildet eine flexible Informationstechnik, mit deren Hilfe die – in den Anfängen zunächst zahlreichen - Wünsche der Teammitglieder kurzfristig umgesetzt werden konnten. Nicht die IT bestimmte das Tempo der Qualitätsverbesserung sondern die Mitarbeiter der Notaufnahme. Dass sich dabei auch das Umfeld der Zentralen Notaufnahme (Klinikaufnahme, Fachabteilungen) mitändern musste, versteht sich von selbst und das erforderte ein spezielles Change Management. Der Erfolg der Zielerreichung lässt sich an der Verkürzung der Verweilzeit in der Notaufnahme, der Korrektheit der Fachbereichszugehörigkeit und an der Zufriedenheit und gewonnenen Sicherheit der Mitarbeiter der Notaufnahme ablesen. Die Problemlösung lässt sich in ihren Grundzügen gut auf andere Notaufnahmen übertragen.

Die Entscheidung der Jury 2011

Knappe Entscheidungen zu fällen,  gehört fast zum Alltag der Golden Helix Jury, doch diesmal war die Sachlage besonders schwierig. Beide Projektteams packten wichtige, offene Versorgungsthemen an, bei beiden ist das Engagement der berufsgruppen- und fachgebiets-übergreifen Projektteams der Garant für den Erfolg, bei beiden stehen die Patienten im Zentrum einer sektorenübergreifenden Versorgung und beide verbessern die Berufszufriedenheit der Mitarbeiter. Nachdem auch die Beherrschung des technischen Handwerkzeugs des Qualitätsmanagements keine erkennbaren Unterschiede aufwies, entschloss sich die Jury den Golden Helix im Jahr 2011 zu teilen. Sie verknüpft damit die Hoffnung, dass beide Projekte sich verstetigen und anderen Gesundheitseinrichtungen als Vorbild gelten.

Prof. Dr. Hans-Konrad Selbmann
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung der Universität Tübingen


Wir danken allen Teams, deren Projekte es nicht in die Endrunde geschafft haben, herzlich für die Teilnahme am Wettbewerb und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg in Ihrer Arbeit für die Patienten!