PRESSEMITTEILUNG | 21.11.2025 | Berlin
48. Deutscher Krankenhaustag: Vier intensive Tage in Düsseldorf
Warken: Kassendefizit wird weiter steigen – mit Folgen nicht nur für die Kliniken
„Neustart Krankenhauspolitik – Mut zur Veränderung“ war das bestimmende Motto des 48. Deutschen Krankenhaustages, der gestern in Düsseldorf zu Ende ging. Ein Motto, das aktuell von vielen Konferenzteilnehmern vermutlich anders interpretiert wurde, als es ursprünglich gedacht war. Vom 17. bis zum 20. November diskutierten Mitarbeitende aller Berufsgruppen aus den Krankenhäusern die für sie wichtigsten Themen, deren Brisanz sich in den vergangenen Monaten deutlich weiter verschärft hat.
Traditionell findet der Deutsche Krankenhaustag in jedem Jahr begleitend zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA und der ebenfalls zeitgleich veranstalteten COMPAMED statt. Das gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Krankenhäusern Gelegenheit, sich auch mit neuen Trends in Forschung und Produktentwicklung an Ort und Stelle zu beschäftigen und mit Ausstellern in Kontakt zu kommen.
Es waren vier intensive Tage die auch dem Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) immer wieder Gelegenheit gaben, sich gegenüber der Fachwelt und der Öffentlichkeit sehr klar zur Situation der Kliniken, zur Krankenhausreform sowie dem Reformanpassungsgesetz speziell aus Sicht der kaufmännischen Führungskräfte kritisch zu positionieren. VKD-Präsident Dirk Köcher sprach u.a. in der Eröffnungspressekonferenz als auch in der Diskussionsrunde zur Eröffnung des Krankenhaustages dezidiert Fragen der finanziellen Lage und deren Folgen für die Versorgung der Patienten an und warnte, die Versorgungssicherheit sei gefährdet.
Kongresspräsident Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, schilderte in der Eröffnungsveranstaltung der Konferenz in seinem Begrüßungsvortrag in Gegenwart von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken noch einmal sehr ausführlich Kritik, Sorgen und Forderungen der Krankenhäuser und begründete diese. Mit Verweis auf den aktuellen Krankenhaus-Index des Deutschen Krankenhausinstituts zeigte er, welche Folgen die dramatische wirtschaftliche Lage für die Patienten haben werde, obwohl zum Zeitpunkt der Befragung der Schock des jüngsten Sparvorschlags noch gar nicht abzusehen war und man sich noch über die zugesagten vier Milliarden Euro aus dem Sofort-Transformationsfonds etwas Entlastung versprach. So würde ein Drittel der Kliniken Personal abbauen oder Leistungen reduzieren, 17 Prozent rechneten mit der Verschiebung planbarer Operationen oder mit vorübergehenden Stationsschließungen.
Die Ministerin versuchte danach in ihrem Statement Entscheidungen, wie den Sparbeitrag der Kliniken für die Stabilisierung der Krankenkassen, zu begründen, verwies dann aber auch auf die Verbesserungen im KHAG und befand sowohl Reformgesetz als auch Anpassungsgesetz für gut. Damit schien klar, dass sie weder bei der Vorhaltefinanzierung, die ihren Sinn völlig verfehlt, als auch bei den Hybrid-DRGs, die eine Zwangsambulantisierung bisher stationärer Leistungen mit allen damit verbundenen Erlösausfällen für die Häuser bedeuten, prinzipiell nichts mehr zu ändern gedenkt. Ob das Parlament noch Änderungen erwirken kann, steht in den Sternen.
Was die beschlossenen Einsparungen von 1,8 Milliarden Euro für die Konsolidierung der Kassenfinanzen zu Lasten der Kliniken betrifft, so sind sie, wie Warken zu verstehen war, offenbar noch nicht das Ende der Fahnenstange. Im nächsten Jahr werde es weitere Kostenreduktionen, wahrscheinlich im zweistelligen Bereich, geben – diese aber nicht nur bei den Krankenhäusern. Übergeordnetes Ziel sei die Stabilisierung der Beitragssätze für 2026. Damit wolle man das Land wieder nach vorne bringen, denn ständig steigende Sozialausgaben seien dafür Gift. Warum allerdings aktuell vor allem die Krankenhäuser trotz ihrer schwierigen finanziellen Situation den größten Teil tragen sollen, erschließe sich den Mitgliedern des VKD nicht, hatte zuvor bereits Dirk Köcher erklärt.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann zeigte ein gewisses Verständnis, er sei schließlich auch Arbeitsminister. Seine Landesregierung werde am heutigen Freitag entscheiden, ob man dem Antrag Thüringens zur Anrufung des Vermittlungsausschusses wegen des Sparpakets zustimmen werde. Es seien eben zwei Seiten einer Medaille – einerseits müsse die Versorgung sichergestellt werden, andererseits sei man mit der aktuellen Belastung der Beiträge an einem Punkt, an dem Erhöhungen nicht mehr verkraftbar seien.
VKD-Präsident Dirk Köcher erläuterte am Beispiel der kommunalen Krankenhäuser die Folge der Einsparungen. Hier müssten nun vor allem die Kommunen verstärkt einspringen. Die nun fehlenden 1,8 Milliarden Euro müssten zu gut einem Drittel aus deren Haushalte aufgefangen werden – das wären ca. 600 Millionen Euro in 2026, die für andere wichtige Aufgaben fehlen würden. Er betonte auch, dass die freigemeinnützigen Kliniken noch unter zusätzlichen Druck kämen, die diese Unterstützung nicht hätten. Der allgemeine Eindruck war, dass die Warnungen aus der Praxis in der Politik nicht auf Verständnis stoßen.
Auch Dr. Sabine Berninger, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe Südost (DBfK), warnte, das neue Finanzierungssystem mit der zusätzlichen Säule Vorhaltevergütung werde die Situation nicht grundlegend vereinfachen. Sie mahnte, professionelle pflegerische Versorgung und Pflegequalität seien kein Luxus, sondern Basis einer sicheren Patientenversorgung. Pflege müsse neu gedacht werden.
PD Dr. Michael A. Weber, Präsident des Verbands leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK), machte u.a. deutlich, dass der Entwurf des KHAG weit hinter den notwendigen Nachbesserungen zurückbleibe. Er kritisierte, dass Fragen der ärztlichen Fort- und Weiterbildung angesichts einer sich ändernden Krankenhauslandschaft noch völlig ungeklärt seien.
Am zweiten Konferenztag ging es u.a. um zwei besonders spannende Themen, die auf ganz eigene Weise die Zukunft der Krankenhäuser betreffen: Künstliche Intelligenz und notwendige Krisenresilienz. PD Dr. Michael Weber erklärte in seiner Einführung zum Thema KI, diese könne ein wesentlicher Gamechanger sein, es frage sich aber, wie viel Kontrolle es dafür brauche und welche Erleichterung sie tatsächlich bringen werde. PD Dr. med. Peter Bobbert, Vorstandsmitglied des Marburger Bundes, warnte vor einem Festhalten an überholten Rollenbildern. Es sei wahrscheinlich, dass die KI die Medizin revolutionieren und ärztliche Tätigkeit disruptiv verändern werde.
VKD-Präsident Dirk Köcher, der in das Thema Krisenresilienz einführte, verwies auf den Investitionsstau bereits für normale Sanierungen und erklärte, ein Bundesinfrastrukturpaket könne hier eine Option sein. Zwar hätten vergangene Krisen gezeigt, dass die Krankenhäuser flexibel reagieren könnten. Die Frage sei aber: reiche das für künftige Krisen aus? So werde im Bündnis- oder Verteidigungsfall mit 1000 Verletzten, davon 250 Schwerverletzten, am Tag gerechnet. Aktuell würden in den Kliniken etwa 85 Schwerverletzte täglich versorgt.
Viel Betrieb am Stand des VKD
Über enorm viel Betrieb am Stand des VKD ganz in der Nähe der Veranstaltungen des Krankenhaustages freute sich Verbandsgeschäftsführer Dr. Jens-Uwe Schreck. Er und seine Mitstreiter, Anke Kraft aus der Geschäftsstelle sowie auch in diesem Jahr wieder Ehrenmitglied Peter Förster und seine Ehefrau Christine Förster als Verstärkung, zählten knapp 190 Besucher an den vier Messetagen. Viele Verbandsmitglieder machten hier Station, Partner aus anderen Verbänden, Vertreter von ausstellenden Firmen, auch ausländische Interessenten und eine große Gruppe Studierender des Studiengangs Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen der Hochschule Osnabrück steuerten den Stand an. Man tauschte sich aus, diskutierte und informierte sich auch über die vielfältigen Angebote des VKD, seine Positionen, Publikationen und Vorhaben.
MEDICA mit positiver Bilanz
MEDICA und COMPAMED waren auch in diesem Jahr Garanten für qualitativ hochwertige Kontakte. Laut Messegesellschaft gehörten drei Viertel der insgesamt 78.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher dem Top-Management ihrer Unternehmen oder Organisationen an. 75 Prozent des Fachpublikums kamen aus 160 Nationen. Internationale Einkäuferdelegationen, u. a. aus den Golf-Staaten, aus Afrika oder auch Großbritannien, verstärkten die globale Reichweite der Veranstaltungen. Mehr als 5.300 Aussteller aus 70 Nationen präsentierten ihr komplettes Portfolio für die moderne ambulante und stationäre Versorgung inklusive einer beeindruckenden Vielfalt an Hightech-Zulieferlösungen.
„Mit zahlreichen programmatischen Änderungen und dem neuen Leitmotiv ‘Meet Health. Future. People.’ haben wir die diesjährige MEDICA zum Ausgangspunkt eines Changeprozesses gemacht, der die Transformation der internationalen Gesundheitswirtschaft aufgreift und unseren Anspruch unterstreicht, diesen Wandel mit zukunftsweisenden Konzepten aktiv zu gestalten. Diesen Weg der Veränderung gehen wir konsequent weiter mit Neuerungen auch in 2026“, so Marius Berlemann, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf.
Im Foto: Studierende der Hochschule Osnabrück am Stand des VKD, vorn rechts: Professorin Dr. Julia Oswald – kürzlich von der UNICUM-Stiftung zur Professorin des Jahres in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften / Jura gekürt, neben ihr Dr. Jens-Uwe Schreck
aktualisiert: 3. Dezember 2025




















