P R E S S E I N F O R M A T I O N
Management-Tagung der Landesgruppe NRW:
Zwischen Reformdruck und Zukunftschance – Kliniken suchen ihren Weg durch die Transformation
Mehr als 110 Führungskräfte aus der nordrhein-westfälischen Krankenhauslandschaft kamen vergangene Woche in Iserlohn zusammen. Auf Einladung der Landesgruppe NRW des Verbands des Klinikmanagements Deutschland (VKD) diskutierten sie zwei Tage lang unter dem Motto „Zwischen Reformdruck und Zukunftschance – die Krankenhäuser im Transformationsprozess“ über Strukturwandel, Finanzierbarkeit und Ambulantisierung.
In seinem Auftakt stellte VKD-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Winkelmann heraus, dass NRW durch die Krankenhausplanung beim Strukturwandel einen Vorsprung habe, eine Erfolgsgarantie gebe es jedoch noch nicht. „Die neue Planung schafft Orientierung und ist eine gute Ausgangsposition. Zum Erfolg wird sie erst, wenn aus Planungsentscheidungen finanzierbare und praktisch umsetzbare Versorgungsstrukturen entstehen.“ Entscheidend sei deshalb auch, wie die Landesreform mit den Vorgaben und Sparmaßnahmen des Bundes zusammenpasse.
Die Perspektive der Ersatzkassen brachte Dirk Ruiss, Vorsitzender der vdek-Landesvertretung NRW, ein. Er erläuterte das Zielbild der Krankenkassen und die Notwendigkeit von Einsparungen, verwies zugleich aber auf die erheblichen Herausforderungen, vor denen die Kliniken bei der Umsetzung der Veränderungen stehen.
Deutlich kritischer blickte Ingo Morell, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, auf die aktuelle Situation. Die Transformation erfordere erhebliche Investitionen, während Krankenhäuser gleichzeitig beim Transformationsfonds einen Eigenanteil von zehn Prozent aufbringen müssten. „Ich weiß nicht, wie das finanzierbar ist“, sagte Morell. Wer Investitionen, eine Konzentration von Leistungen und neue Versorgungsmodelle verlange, müsse auch die Handlungsfähigkeit der Häuser in der Übergangsphase sichern. „Transformation braucht eine Brücke.“
Für einen geordneten Strukturwandel statt einer „kalten Marktbereinigung“ sprach sich VKD-NRW-Vorsitzender Dr. Mark Lönnies aus. Veränderungen bei Standorten und Leistungen seien notwendig, dürften aber nicht durch Zahlungsunfähigkeit oder zufällige Insolvenzen erzwungen werden. Gefordert seien verlässliche Finanzierung, einfachere Regeln und realistische Zeitpläne.
Helmut Watzlawik, Abteilungsleiter Krankenhausversorgung im MAGS, betonte ebenfalls die Bedeutung von Planungssicherheit. Die Krankenhausplanung NRW sei ein lernendes System und werde fortlaufend weiterentwickelt. Neben der Umsetzung der Reformen stünden die Kliniken zugleich vor weiteren Aufgaben – etwa beim Hitzeschutz und bei der Krisenvorsorge.
Nach einer gemeinsamen Diskussion zu den unterschiedlichen Positionen sorgte anschließend Dr. Heinz-Wilhelm Esser, bekannt als „Doc Esser“, für einen anderen Blick auf die Herausforderungen: Er gab den Teilnehmenden auf unterhaltsame Weise Tipps, wie Führungskräfte und Mitarbeitende die körperlichen und psychischen Belastungen des Transformationsprozesses bewältigen können.
Am zweiten Tag stand mit der Ambulantisierung ein zentraler Veränderungstreiber im Mittelpunkt. Frank Dünnwald, stellvertretender Vorsitzender des VKD-NRW, beschrieb das Spannungsfeld zwischen neuen gesetzlichen Vorgaben und den weiterhin bestehenden Erwartungen der Patienten an eine stationäre Versorgung: „Die Rolle der Krankenhäuser verändert sich in diesem Kontext, wir müssen für uns neue Strukturen schaffen.“
Wie diese Strukturen aussehen können, wurde aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Volker Heuzeroth, MVZ-Leiter und Berater, zeigte anhand konkreter Beispiele, wie wichtig die richtige Zuordnung von Leistungen ist. Ambulante Leistungen müssten dort erbracht werden, wo sie medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich darstellbar seien.
Der Medizinrechtler Dr. Kyrill Makoski erläuterte die rechtlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Hybrid-DRG und zeigte auf, wo in der praktischen Umsetzung Fallstricke liegen können.
Thorsten Kopp, Geschäftsführer der Marienhaus-Gruppe, berichtete schließlich aus der Praxis über den Aufbau von MVZ-Strukturen und die dafür notwendigen Veränderungen in den Organisationen. Entscheidend sei neben den strukturellen Voraussetzungen auch das Mindset der Mitarbeitenden. Sein Fazit: „Wir brauchen dafür ein Commitment aller Akteure auf allen Ebenen und eine abgestimmte ambulante Strategie. Dann wird auch das MVZ zum Erfolgsmodell.“
Einigkeit bestand am Ende der Tagung darin, dass sich der Reformdruck in zwei Tagen nicht auflösen lässt. Der intensive Austausch habe jedoch geholfen, die komplexen Veränderungen besser einzuordnen, unterschiedliche Interessen und Perspektiven zu verstehen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für die eigene Praxis zu entwickeln.

Auf der Management-Tagung der VKD-Landesgruppe NRW diskutierten u.a. (v.l.n.r.)
Hans-Jürgen Winkelmann (Vorstand VKD NRW), Helmut Watzlawik (Abt.leiter Ges. MAGS-NRW), Wolfgang Mueller (Vize-Präsident VKD Berlin), Dr. Mark Lönnies (Vors.), Dirk Ruiss (Vors. vdek-Landesvertretung NRW), Ingo Morell (Präsident DKG Berlin, KGNW Düsseldorf). Foto: Carolin Böcker

Der Vorstand der VKD-Landesgruppe NRW (v.l.):
Hans-Jürgen Winkelmann, Frank Dünnwald (stv. Vors.), Dr. Mark Lönnies (Vors.), Maud Beste, Wolfgang Mueller, Thorsten Kopp. Es fehlt Jessica Llerandi Pulido. Foto: Carolin Böcker
















