KLINIKUM CHEMNITZ ERHIELT EINE HOHE FÖRDERUNG FÜR DIE ENTWICKLUNG EINES KI-TOOLS
von
VKD
(l) Sören Stöckel, (r.) Dr. rer. nat. Frank Nüßler
Klinikum Chemnitz gGmbH
Die Klinikum Chemnitz gGmbH ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung und zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt Chemnitz. Es verfügt über 1.735 Planbetten an drei Standorten in Chemnitz. Es ist das drittgrößte Krankenhaus Deutschlands in kommunaler Trägerschaft. Im Jahr 2024 wurden rund 61.700 Patienten voll- und teilstationär sowie etwa 75.000 Patienten ambulant behandelt. Derzeit sind im Klinikum sowie in den Tochter- und Beteiligungsunternehmen rund 7.250 Mitarbeiter beschäftigt. Der Konzern realisierte 2024 einen Jahresumsatz von etwa 660 Mio. Euro. Das Klinikum Chemnitz ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten in Dresden und Leipzig. Es ist Initiator und Teil des Modellvorhabens Gesundheitsregion Südwestsachsen.
Mit PRIME ging im Klinikum Chemnitz Ende Mai diesen Jahres ein Projekt an den Start, das die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin weiter vorantreiben soll. PRIME steht für Personalized Recommendations through Intelligent Medical Engines, zu Deutsch etwa: personalisierte Empfehlungen mithilfe intelligenter medizinischer Computerprogramme. Im Laufe des zweijährigen Projekts soll ein sogenanntes Sprachmodell im Klinikum implementiert werden, das auf der Grundlage von Studien, Forschungsergebnissen und Leitlinien aus der Krebsmedizin einerseits und umfangreichen medizinischen Daten von Patienten andererseits Therapieempfehlungen für Tumorpatienten entwickelt. Dafür wurden Fördermittel der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen aus dem Just Transition Fund in Höhe von insgesamt knapp einer Million Euro eingeworben.
„PRIME ist eine Riesenchance für das Klinikum Chemnitz, bei der KI-Anwendung in der Medizin voranzugehen“, sagt der Medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Martin Wolz. Denn um die Fortschritte von Sprachmodellen auf Medizin und Wissenschaft zu übertragen, müssen Herausforderungen wie Datenschutz, Notwendigkeit von Überprüfbarkeit und transparente Quellennachweise bewältigt und sicher umgesetzt werden. „Wenn es uns gelingt, diese Hemmnisse abzubauen und ein geeignetes Tool an den Start zu bringen, haben wir eine Blaupause für KI-Einsatz in der Medizin“, so Martin Wolz. „Es könnte auf alle Bereiche ausgerollt werden, in denen aufgrund großer Datenmengen und ständig neuer Erkenntnisse, Forschungen und Studien Entscheidungen für Therapie und Diagnostik zu treffen sind. Für unsere Rolle als Maximalversorger mit universitärem Anspruch ist dies schon jetzt ein massiver Schub.“
ZIEL IST ES DABEI IMMER, MENSCHLICHES HANDELN NICHT ZU ERSETZEN, SONDERN ES GEZIELT ZU UNTERSTÜTZEN, UM LETZTLICH DIE PATIENTENVERSORGUNG ZU VERBESSERN.
Dr. RER. NAT. FRANK NÜSSLER, LEITER DES BEREICHS INFORMATIK
Innovatives Werkzeug für Krebsmediziner
„Die beste Therapieentscheidung für jeden Patienten zu treffen, ist das Ziel jedes Arztes und jeder Ärztin. In unserem Haus werden in wöchentlich 18 Tumorkonferenzen pro Jahr mehr als 8.500 Beschlüsse, also Therapieentscheidungen, getroffen. Mit der Entwicklung von PRIME schaffen wir ein innovatives Werkzeug, das die Ärzte bei diesen Entscheidungen unterstützt und die Patientenversorgung nachhaltig verbessert“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Lutz Mirow, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Mitglied im Direktorium des Onkologischen Centrums. „Zugleich ist dieses Projekt ein weiterer Baustein beim Aufbau des KI-Ökosystems am Klinikum Chemnitz. Mit einem eigenen Sprachmodell macht das Klinikum einen großen Schritt in Richtung digitale Transformation.“
Prof. Dr. Lutz Mirow
„Das Prinzip dieses Sprachmodells ist vergleichbar mit dem von ChatGPT oder Gemini: Es werden persönliche und medizinische Informationen über einen Patienten eingegeben und die KI gibt eine Therapieempfehlung aus“, erklärt Sören Stöckel, Projektverantwortlicher von PRIME. Anders als bei den allgemeinen, frei verfügbaren Chatbots, bei denen man nicht weiß, was mit den eingegebenen Daten geschieht und aus welchen Quellen die ausgegebenen Informationen stammen, läuft PRIME auf einem lokalen Server, der direkt im Klinikum steht und nicht mit dem Internet verbunden ist. „Alle Daten bleiben im Haus und sind vor dem Zugriff Unberechtigter geschützt“, so Sören Stöckel. Und die Datengrundlage, aus der die KI ihre Therapieempfehlung generiert, sei bekannt. Damit seien die Empfehlungen transparent und nachprüfbar. Die nächsten Schritte seien die Beschaffung von Hard- und Software, das Befüllen der Software mit den umfangreichen medizinischen Daten und die Verknüpfung mit dem Krankenhausinformationssystem. „Teil des Projekts ist die Evaluation der KI-Therapieempfehlungen; um die Korrektheit zu überprüfen und bei Bedarf das System zu justieren.“ Mit ersten Ergebnissen ist Ende des Jahres zu rechnen.
Viele Bausteine, eine Strategie
PRIME soll ein zentrales Element in der KI-Strategie am Klinikum Chemnitz werden, insbesondere für medizinische Daten. Es wird eine Zusammenarbeit mit dem Datenintegrationszentrum des Klinikums geben, um Primärdaten so aufzubereiten, dass diese einem Large Language Model (Sprachmodell, das mit großen Mengen von Texten erstellt wurde) optimal zugänglich gemacht werden können.
„Es gibt schon mehrere Projekte im Bereich Künstliche Intelligenz am Klinikum, die wir mit unserer Strategie zu einem sinnvollen Ganzen verknüpfen und weiterentwickeln wollen“, sagt Dr. rer. nat. Frank Nüßler, Leiter des Bereichs Informatik. So komme beispielsweise in der Pathologie KI bei der Auswertung von Gewebeproben von Brustkrebspatientinnen zum Einsatz. In einem weiteren Projekt werden medizinische Daten analysiert, um Patienten mit seltenen Krankheiten zu ermitteln. „Außerdem prüfen wir aktuell unter Federführung von Dr. med. Dieter Fedders, Chefarzt Radiologie, die Einführung einer KI-Software zur Befundung von Computertomografien der Lunge, welche im Zuge des deutschlandweiten Lungenscreenings voraussichtlich Mitte des Jahres eingeführt werden soll“, führt Dr. Nüßler weiter aus.
Datenverarbeitungen in der KI-Strategie erfolgen rechtskonform, zum Beispiel durch Einwilligung der betroffenen Patienten. Auch darüber hinaus werden die Persönlichkeitsrechte unserer Patienten eingehalten. Sinnvoll verbunden und auf weitere, passende Bereiche ausgerollt werde sich der Schub für Diagnostik und Therapie erst richtig entfalten. Dr. Nüßler: „Ziel ist dabei immer, menschliches Handeln nicht zu ersetzen, sondern es gezielt zu unterstützen, um letztlich die Patientenversorgung zu verbessern.“
Eine Gruppe aus 34 führenden internationalen Expertinnen und Experten der Hepatologie, Datenwissenschaft und Künstlicher Intelligenz (KI) hat einen Konsensbericht vorgelegt, der konkrete Empfehlungen für den Einsatz von KI in der Hepatologie gibt.
Die Informatikerin Annika Reinke vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erhielt für ihre herausragende Arbeit im Bereich der KI-gestützten medizinischen Bildanalyse den mit 10.000 Euro dotierten Hector-Stiftungs-Preis 2025. Ausgezeichnet wurde sie für das Projekt Metrics Reloaded, das Qualität und Verlässlichkeit der Ergebnisse KI-gestützter Bildanalysen erheblich verbessern kann.
Die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden ist die weltweit erste Einrichtung, die Patientinnen und Patienten auf dem Versa HD Linac von Elekta mit der neuen hochauflösenden KI-gestützten Bildgebungslösung Iris behandelt. Diese ermöglicht es den Medizinerinnen und Medizinern, Zielvolumen und kritische Strukturen für jede Fraktion mit noch besseren und detaillierteren Bildern zu visualisieren. Ende Januar 2025 wurde der erste Patient mit diesem innovativen Verfahren behandelt.
Bei einem Schlaganfall läuft die Zeit – je schneller die erforderlichen Maßnahmen durchgeführt werden, desto größer ist die Chance, dass die Betroffenen ohne bleibende Schäden gesund werden können. Ein interdisziplinäres Team um UKL-Neurologin Prof. Dorothee Saur hat ein KI-Modell entwickelt, das im Akutfall bei der Entscheidung für oder gegen eine invasive Therapie die behandelnden Ärzt:innen unterstützt.
In den nächsten Jahren soll das Krankenhaus Seelow, eine Tochter des Krankenhauses Märkisch-Oderland, zu einem Gesundheitscampus und zum zentralen Anlaufpunkt für die Bürgerinnen und Bürger in seinem Einzugsgebiet entwickelt werden. Darüber informierten im Sommer vorigen Jahres die Geschäftsführung des Krankenhauses Märkisch-Oderland sowie die Partner IGiB – Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg GmbH und das Gesundheitsministerium des Landes Brandenburg. Wie diese neue Struktur aussehen soll, was in dem Jahr seit dem Sommer 2025 auf den Weg gebracht wurde und wie das Zentrum sowohl mit dem Krankenhaus MOL, aber auch mit den Versorgungsstrukturen in der ländlich geprägten Region rund um die Kreisstadt Seelow verbunden werden soll, darüber sprachen wir mit der Geschäftsführerin des Krankenhauses Märkisch Oderland, Katja Thielemann.
In Krankenhäusern hat sich der KI-Einsatz seit 2022 verdoppelt. Bei 18 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Kliniken ist KI im Einsatz, beispielsweise zur Auswertung bildgebender Verfahren. Vor drei Jahren waren es noch 9 Prozent. Unter den Ärztinnen und Ärzten in Praxen oder medizinischen Versorgungszentren geben bereits 12 Prozent an, dass bei ihnen KI zur Unterstützung der Diagnosestellung eingesetzt wird. Bei 8 Prozent wird KI in der Praxisverwaltung etwa zur Vereinfachung von Abläufen eingesetzt. Insgesamt geben 15 Prozent an, dass KI in mindestens einem dieser Fälle genutzt wird – das entspricht fast jeder siebten Praxis.
Technische Erfindungen mit Relevanz für im Grunde fast alle Bereiche der Gesellschaft, die alles durchdringen, was wir nutzen, ob im Arbeitsleben oder im privaten Bereich, haben Gesellschaften insgesamt verändert. Der Buchdruck, die Dampfmaschine, Elektrizität, der Computer. Gehört die Künstliche Intelligenz, auch KI oder AI, als Querschnittstechnologie dazu? Welche Relevanz hat KI, vor allem die generative KI, für das Gesundheitswesen, speziell für die Krankenhäuser?
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