VKD-Fachgruppe psychiatrische Einrichtungen Bologna: Kathedralen der seelischen Gesundheit und der europäische Gedanke

Ende 2016 fand der Kongress der Europäischen Vereinigung der Krankenhausmanager (EVKM bzw. engl. EAHM) in Bologna statt: drei Tage geballte Informationen rund um die Themenfelder Management, Führung und Europa.

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In der Vergangenheit war in meinem professionellen Leben wenig Raum für solche Konferenzen. Mitunter waren die Themen, ähnlich wie auf großen deutschen Kongressen, sehr stark auf die somatische Medizin ausgerichtet. Außerdem gehörten und gehören die klassischen Infrastrukturthemen rund um den Krankenhausbau für den Bereich der seelischen Gesundheit nicht unbedingt zu den spannendsten und wichtigsten Themen.

Dank des EAHM-Subcommittees Mental Health, unter der Federführung seiner Präsidentin Inger Kari Nerheim, hat sich der Focus aber zumindest für die psychiatrischen Krankenhausträger und die Anbieter von Leistungen rund um das Themenfeld "seelische Gesundheit" verändert.

So ist es dem Subcommittee Mental Health gelungen, ein Programm um den Hauptkongress zu legen, das sicherlich seinesgleichen sucht. Zwei Tage vor dem eigentlichen Kongress konnten die Mitglieder des Subcommittees, seine Gäste und weitere interessierte Kollegen dank der Bereitschaft der Kollegen in Bologna in die Welt einer der wichtigsten Psychiatriereformen in Europa einsteigen. Sie konnten sich mit den Wurzeln, Philosophien, Errungenschaften, Herausforderungen und Risiken des italienischen Systems der seelischen Gesundheitsversorgung beschäftigen und vieles real erleben. Lebhafte Diskussionen mit Betroffenen und Experten wurden zusätzlich geführt.

Die Ergebnisse der Diskussionen wurden in einem speziellen Workshop im Rahmen des Satellitenprogramms des Kongresses in die Leitfrage eingebettet, wie nachhaltiges Management und die moderne Führung von Angeboten im Bereich der seelischen Gesundheit aussehen könnten. Professor Thomas Becker (Deutschland) und Professorin Michaela Amering (Österreich) sowie die Kollegen Fioritti (Italien) und Defromont (Frankreich) regten mit Ihren Vorträgen zu einem lebhaften Austausch über eine moderne Psychiatrie und moderne psycho-soziale Angebote an.

Das Neue für mich an dieser Veranstaltung war, zu erfahren, wie sich die Ideen von Beteiligung und kommunaler Selbstverwaltung im Bereich seelischer Gesundheit (Italien und Großbritannien) mit neuen Ansätzen der Nutzerbeteiligung (Frankreich) und einem anderen Blick auf das Themenfeld "seelisch krank oder gesund" (Recovery) verbanden. Herausgearbeitet wurde auch, wie wichtig eine offene, diskursive Kultur des Austausches (Deutschland und Italien) ist, um überhaupt nachhaltige Strukturen zu schaffen. Dieses Ergebnis war ein enormer Gewinn der Tagung.

Am Ende griff dann einer der Referenten einen wichtigen Trend auf, den das Subcommittee Mental Health schon lange sieht. Nicht die Investition in "Beton" scheint die Zukunft der Gesundheitsversorgung zu sein, nicht die weitere Optimierung der Krankenhausbauten, die als die „neuen Kathedralen“ des 20. Jahrhunderts gesehen wurden, sind zukunftsweisend. Es sind die Investitionen in Strukturen, die die Gesundheit erhalten und Beteiligung sichern und in neue digitale, personenzentrierte Angebote, die ein modernes Krankenhausmanagement kennzeichnen.

Und so war das Subcommittee Mental Health auf einmal im Zentrum des Kongresses, auch eine neue Erfahrung. Auf dem Kongress wurde mir außerdem klar: Europa lohnt sich.

Paul Bomke, Geschäftsführer Pfalzklinikum - Dienstleister für seelische Gesundheit

Danksagung: mein besonderer Dank gilt Klaus Kupfer, der mich beim Verfassen des Artikels kompetent und tatkräftig unterstützt hat.

Das in Bologna vertretene EAHM-Subcommittee Mental Health mit Gästen