Notfallversorgung: Länder müssen die Auswirkungen prüfen

Berlin, d. 23. April 2018. Müssen sich Patienten in Notfällen demnächst auf längere Wege in die nächste Notaufnahme gefasst machen? Die jetzt vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossenen neuen Regelungen für eine gestufte stationäre Notfallversorgung können erhebliche Brisanz für die Versorgung der Bürger in vielen Regionen Deutschlands entfalten. Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) warnt davor, sie in den Bundesländern zu übernehmen, ohne zuvor ihre Wirkung auf die flächendeckende Versorgung in Notfällen sowie auf die Krankenhausversorgung insgesamt zu analysieren.

„Unser Verband hat im Vorfeld dieses G-BA-Beschlusses bereits darauf hingewiesen, dass die durchaus notwendigen Veränderungen nicht zu einer Schwächung der Krankenhausversorgung insgesamt führen dürfen. Die jetzt in Kraft gesetzten Regelungen, werden diejenigen Krankenhäuser, die heute noch eine Basis-Notfallversorgung übernehmen, künftig nicht mehr leisten können, weil sie diese nicht mehr finanziert bekommen.“, erklärt Dr. Falko Milski, Pressesprecher des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD).

Er verweist darauf, dass diese Ausdünnung der stationären Notfallversorgung auch deutliche Auswirkungen auf die Organisation der Rettungsdienste und auf die Inanspruchnahme des kassenärztlichen Notdienstes haben wird. So muss analysiert werden, ob gerade in den Flächenländern die gesetzlich vorgegebenen Rettungszeiten noch eingehalten werden können, wenn die Einsatzfahrzeuge länger gebunden sind.

Dr. Milski: „Die neuen Regelungen werden u.a. mit einer besseren Qualität begründet. Das ist sicher ein wichtiges Argument. Komplizierte Notfälle werden aber auch heute bereits vom Rettungsdienst in spezialisierte Notfallzentren größerer Kliniken gebracht, weil dort die notwendige medizintechnische Ausstattung vorhanden ist sowie entsprechende Ärzte und Pflegende tätig sind. Die Ärzte und Rettungssanitäter sind – da sollte man ihnen vertrauen – durchaus in der Lage, in Abstimmung mit den Leitstellen diese notwendige Einschätzung zu treffen.“

Der G-BA hat aus Sicht des VKD gegen die Stimme der Krankenhäuser und deren Folgeabschätzung etwas in Gang gesetzt, das gerade den kleineren Krankenhäusern und den Patienten in ihrer Region zu schaffen machen wird. Der Verdacht drängt sich auf, dass so durch die Hintertür auch stationäre Versorgungskapazitäten reduziert werden sollen. Für die Krankenhausversorgung sind aber allein die Länder zuständig. Sie entscheiden mit den dort an der Versorgung Beteiligten, welche Leistungen für die Bürger vor Ort notwendig sind. Deshalb müssen die Auswirkungen der neuen Regelung nun auch durch sie geprüft werden.