DRG-System auf den Prüfstand - Jetzt!

VKD: Ein Neustart des Finanzierungssystems für die Krankenhäuser kann nicht bis nach der Bundestagswahl warten

VKD: Ein Neustart des Finanzierungssystems für die Krankenhäuser kann nicht bis nach der Bundestagswahl warten

Berlin, d. 7. Oktober 2020. Mittlerweile häufen sich Berichte und Einschätzungen renommierter Forschungseinrichtungen zu einer drohenden Insolvenzwelle der Krankenhäuser. In einer gestern veröffentlichten Studie warnt nun auch das RWI davor. Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Krankenhäuser ist danach auf den höchsten Wert seit über zehn Jahren geklettert. Der VKD hatte bereits seit 2017 wiederholt auf diese systembedingten Tendenzen hingewiesen. Laut RWI sei spätestens 2022 nach der Bundestagswahl mit massiven finanziellen Belastungen der Krankenhäuser zu rechnen, die viele nicht mehr auffangen könnten.

Aus Sicht des VKD ist der von Bundespolitik und Krankenkassen aktiv sowie von den Ländern passiv beschrittene Weg einer kalten Strukturbereinigung eine Sackgasse. Diese führe am Ende zu einer Verschlechterung der Versorgungsqualität für die Bürger, da die entstehenden Kollateralschäden keiner Planungslogik folgten. Notwendig sei ein Neustart des Finanzierungssystems der Krankenhäuser, der nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden dürfe.

Im aktuellen Interview der demnächst erscheinenden Praxisberichte 2020 des VKD verweist Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes, darauf, dass viele, inzwischen wohl die meisten Kliniken große wirtschaftliche Sorgen drücken. Seit Jahren fordert der VKD, das Finanzierungssystem neu aufzustellen, weil ein großer Teil der Krankenhäuser damit nicht leistungsgerecht vergütet wird.

Im DRG-System seien keine Investitionen einkalkuliert, da dieser Teil den Ländern obliege. Trotz einer klaren gesetzlichen Regelung sei eine Unterfinanzierung allein in diesem Bereich von jährlich über vier Mrd. Euro festzustellen - eine Lücke, die schon seit längerem nicht mehr geschlossen werden könne.

Dr. Düllings: „Es ist doch nicht als normal anzusehen, dass neben der Unterfinanzierung der Investitionen auch noch im Vergütungssystem Leistungen – hochwertige Leistungen – schon systembedingt niemals voll bezahlt werden, dass an allen Ecken und Enden gekürzt wird mit zahlreichen Zwangsrabatten, insbesondere auch durch die MDK-Rabattierung nach Aktenlage für erbrachte Leistungen, die aus dem niedergelassenen Bereich an die Krankenhäuser verwiesen werden. Die sogenannte duale Finanzierung muss in ihren Wechselwirkungen gesehen und neu justiert werden. Beides zusammen hat in der aktuellen Konstellation zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Verwerfungen geführt.“

„Ein solches kompliziertes System lässt sich aber nicht von heute auf morgen verändern. Deshalb kann damit auch nicht, wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn offenbar möchte, bis nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr gewartet werden“, so der VKD-Präsident. „Wie viele Krankenhäuser werden bis dahin – noch dazu nach wie vor unter Corona-Auflagen – wirtschaftlich am Boden sein? Wir verlieren wertvolle Zeit für eine Aufgabe, bei der es um den Bestand unserer im internationalen Vergleich hervorragenden, flächendeckenden Gesundheitsversorgung geht, die von den Krankenhäusern trotz steigender Defizite aufrechterhalten wird. Wir möchten nicht, dass die RWI-Studie Realität wird.“

Der VKD erwarte, dass über die Entwicklung eines auch von vielen Politikern in Bund und Ländern geforderten neuen Finanzierungssystems für die Krankenhäuser zügig beraten und entschieden wird, damit wir auch künftig noch eine funktionierende flächendeckende Krankenhausversorgung als Anker der Gesundheitsversorgung insgesamt für die Bürger anbieten können. Bürgerinnen und Bürger sind letztlich auch die, die unsere Abgeordneten wählen. Dabei ist eine Lehre der Corona-Pandemie, dass den Menschen ihre Gesundheit sehr wichtig ist. Dies sollte von Seiten der Politik bedacht werden.