Tool für regionale Versorgungsplanung schaffen
Das Kernstück des Modellvorhabens ist die Entwicklung einer regionsbezogenen relationalen Datenbank der Leistungsgruppenbeschreibungen und das Mapping der Leistungsgruppen auf aktuelle Fallzahlen (Daten gemäß § 21 KHEntgG) – die Darstellung der aktuellen Versorgungsbedarfe ist essentiell, um eine langfristige, evidenzbasierte stationäre Versorgungsplanung zu gewährleisten. Die Verfügbarmachung des Mappings in Form eines Dashboards kann als Instrument zur Lenkung der Patient:innenströme für die stationäre Versorgungsplanung in Südwestsachsen dienen und die Ableitung von Personalbestand und -bedarf sowie dessen vorrausschauende Planung unterstützen.
Zudem werden Interviews mit den Experten – das sind die Geschäftsführungen der Kliniken sowie weitere Partner – durchgeführt, um den Status Quo, die (zukünftigen) Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze zu thematisieren, um auch zukünftig eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Versorgung in der Region gewährleisten zu können. Die Ergebnisse der Interviews bilden die Basis der Workshops, in denen die Partner der GRSWS gemeinschaftlich Ziele für die zukünftige stationäre Versorgung priorisieren und implementieren.
Der Use Case Onkologie dient als Blaupause für andere Entitäten und forciert die Optimierung der onkologischen Versorgung am Mammakarzinom. Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes übernehmen die wissenschaftliche Mitarbeiterin Linda Förster und das Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV), Zweigstelle am Medizincampus Chemnitz der Technischen Universität Dresden.
Wachsendes Vertrauen zwischen Krankenhauschefs
Erste Ergebnisse gibt es bereits in den Arbeitsgruppen. „Allem voran möchte ich das wachsende Vertrauen in der Gesundheitsregion nennen“, sagt die Geschäftsstellenleiterin Henriette Auerswald. „Dass Krankenhausgeschäftsführer aller Träger regelmäßig zusammensitzen, offen sprechen und an gemeinsamen Projekten arbeiten, ist nicht selbstverständlich und kaum hoch genug einzuschätzen.“ Es sei zu spüren, dass man nicht zusammenarbeiten müsse, sondern wolle. Und die einzelnen Häuser profitieren ganz konkret, weil jetzt Kooperationen – zum Beispiel beim gemeinsamen Einkauf oder bei Apothekenversorgung oder Pathologieleistungen – leichter werden. „Man kennt sich ja schon und weiß, wer wen wobei unterstützen kann“, so Auerswald weiter.
Konkret wurden schon Daten erhoben und miteinander verglichen. Die erste Umfrage galt der Notfallversorgung, explizit um zu analysieren, wie die Notaufnahmen nachts frequentiert sind. Außerdem wurde erfragt, welches Haus welche Leistungsgruppen beantragt hat. Diese wurde erweitert um die Frage, welche Kooperationen die Häuser für welche Leistungsgruppen benötigen, damit alle einen Überblick über die aktuelle Situation in der Region bekommen. Um die stark nachgefragten radiologischen Leistungen sicher, stabil und rund um die Uhr für alle Häuser anbieten zu können, werden derzeit verschiedene Arten von Verbünden diskutiert, also eher ein Netzwerk statt vieler kleinerer Kooperationen.
Ein großes Thema ist die ärztliche Weiterbildung. Wenn mit Einführung der Leistungsgruppen 2026 als Folge der Gesundheitsreform nicht mehr alle Krankenhäuser alle Fachbereiche abdecken, verlieren manche unter Umständen Weiterbildungsermächtigungen. Um die gesetzlich vorgeschriebene Rotation weiterhin stabil und rechtssicher abbilden zu können, soll in Südwestsachsen ein digitales Rotationstool etabliert werden, welches das bisherige händisch geführte System ablöst.
„Die Herausforderungen in unserem Teil Sachsens sind groß. Aber das ermöglicht uns auch, etwas auszuprobieren“, sagt Regionalmanagerin Henriette Auerswald. „Es gibt keine Blaupause, kein Vorbild für die Zukunft unserer Krankenhauslandschaft. Wir entwickeln alles, was wir vor Ort für eine gesicherte Gesundheitsversorgung brauchen, miteinander selbst. Damit ist sicher, dass die neuen Strukturen halten und von allen getragen werden.“
Modellprojekt Gesundheitsregion Südwestsachsen in Kürze
Das Modellprojekt Gesundheitsregion Südwestsachsen ist ein Kooperationsverbund von derzeit 20 Krankenhäusern in Südwestsachsen sowie Akteuren aus dem Gesundheitswesen wie Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaft Sachsen, der Sächsischen Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Es ging aus einer Initiative von Krankenhäusern hervor, um selbstständig und unter Beachtung regionaler Besonderheiten die Kooperation untereinander im Sinne der medizinischen Versorgungssicherheit zu stärken.
Mit der Vernetzung sollen unter anderem die Entwicklung gemeinsamer Behandlungsstandards, bedarfsgerechte und transsektorale Versorgungskonzepte für die Region sowie die Gewinnung und Bindung von Fachkräften gewährleistet werden. Die Arbeit der Gesundheitsregion Südwestsachsen fußt auf dem Sächsischen Krankenhausgesetz (SächsKHG), in dem die Zusammenarbeit der Krankenhäuser untereinander, aber auch mit allen anderen Leistungserbringern der gesundheitlichen Versorgung stärker in den Vordergrund gerückt und in Paragraph 22 eine Regelung zur Förderung von Modellvorhaben (insbesondere zur Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen) eingeführt wurde.
Südwestsachsen hat knapp 1,4 Millionen Einwohner, umgerechnet 382 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Vergleich zu den Regionen Ostsachsen – unter der Koordination des Universitätsklinikums Dresden – und Nordsachsen – Koordination Universitätsklinikum Leipzig – ist Südwestsachsen am dünnsten besiedelt und stark ländlich geprägt.
Die beteiligten Krankenhäuser sind:
- DIAKOMED – Diakoniekrankenhaus Chemnitzer Land gGmbH Hartmannsdorf
- DRK Gemeinnützige Krankenhaus GmbH Sachsen mit dem DRK Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein und dem DRK Krankenhaus Lichtenstein
- Erzgebirgsklinikum mit den Häusern Annaberg, Olbernhau, Stollberg, Zschopau
- Fachklinik Bethanien Hochweitzschen
- Helios Klinikum Aue
- Helios Klinikum Plauen
- Klinikum Bethanien Plauen
- Klinikum Chemnitz
- Kliniken Erlabrunn
- Klinikum Obergöltzsch Rodewisch
- Kreiskrankenhaus Freiberg
- Landkreis Mittweida Krankenhaus
- Paracelsus Kliniken Adorf/Schöneck
- Pleißental-Klinik Werdau
- Rudolf Virchow Klinikum Glauchau
- Zeisigwaldkliniken Bethanien Chemnitz