DIE ZENTRALAPOTHEKE DER MÜHLENKREISKLINIKEN SETZT AUF NEUESTE TECHNOLOGIE FÜR PERSONALISIERTE KINDERHEILKUNDE
von
VKD
Auf dem Display können die Apothekerinnen und Apotheker die Dosierung einstellen.
Die Mühlenkreiskliniken gehen neue Wege in der Arzneimitteltherapie für Kinder. Seit Juni 2024 verfügt die Zentralapotheke über einen 3D-Drucker der Firma Curifylabs. Der sogenannte „Pharmaprinter“ ermöglicht die patientenindividuelle Herstellung von Tabletten, die von Konsistenz und Geschmack an Gummibärchen erinnern. Dieses neue Verfahren bietet vor allem in der pädiatrischen Arzneimitteltherapie erhebliche Vorteile, da es eine exakte Dosierung selbst kleinster Wirkstoffmengen erlaubt.
„Die Einführung dieser Technologie ist ein Meilenstein für die personalisierte Kinderheilkunde“, erklärt Professor Dr. Bernhard Erdlenbruch, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin. „In der Kinderheilkunde sind wir oft gezwungen, die Wirkstoffe abgestimmt auf das Körpergewicht Milligramm genau für die kleinen Patienten zu berechnen. Oftmals gibt es dafür keine vorgefertigte Darreichungsform. Also werden die Arzneimittel dann in unserer Apotheke angemischt und in selbsthergestellten Kapseln oder Suspensionen auf die Station geliefert. Das ist zeitaufwändig und oft auch umständlich zu verabreichen. Mit dem Pharmaprinter können wir nicht nur die Dosierung genau anpassen, sondern auch die Einnahme für unsere kleinen Patienten erleichtern.“
Aus dem Pharmaprinter kommen Gummidrops, die lecker zum Beispiel nach Vanille oder Himbeere schmecken und von Kindern genüsslich gelutscht werden können. Die Medikamente in den Drops können so einfacher eingenommen werden als Pillen oder Kapseln, die geschluckt werden müssen.
Bislang mussten Apothekerinnen und Apotheker die Versorgung mit individuell dosierten Medikamenten durch zeitaufwändige, manuelle Verfahren sicherstellen – beispielsweise durch die Herstellung von Kapseln oder Säften. Diese Methoden sind jedoch nur begrenzt standardisierbar und sind gerade bei Kleinstdosen anspruchsvoll umzusetzen. Mit dem 3D-Druckverfahren lassen sich patientenspezifische Medikamente nun schneller und hochpräzise herstellen. „Wir haben uns intensiv mit der Technologie des finnischen Startup-Unternehmens Curifylabs beschäftigt und nach Abstimmung mit unserer Arzneimittelüberwachung alle geforderten regulatorischen Nachweise erbracht“, berichtet Dr. Florian Immekus, Direktor der Zentralapotheke der Mühlenkreiskliniken. Der Weg zum klinischen Einsatz war durchaus herausfordernd, da der Pharmaprinter eine völlig neue Technologie ist. Deutschlandweit gibt es erst wenige solcher Geräte: neben den Mühlenkreiskliniken testen etwa das Universitätsklinikum Mainz sowie das Helios Klinikum Erfurt den besonderen 3D-Drucker.
Ein Smiley mit Wirkung. In dieser wohlschmeckenden Trägermasse können Wirkstoffe grammgenau dosiert werden.
Mühlenkreiskliniken
Zu den Mühlenkreiskliniken gehören das Johannes Wesling Klinikum Minden, sowie die Krankenhäuser Rahden, Lübbecke und Bad Oeynhausen. Als 100-prozentige Tochtergesellschaften gehört die Auguste-Viktoria-Klinik Bad Oeynhausen GmbH zum Verbund. Dieser betreibt das Medizinische Zentrum für Seelische Gesundheit, das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) und die Akademie für Gesundheitsberufe. Träger ist der Kreis Minden-Lübbecke. Über 5.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versorgen jährlich etwa 250.000 Patient*innen, ambulant und stationär. Die Mühlenkreiskliniken mit ihren Standorten in Minden als Universitätsklinikum, in Bad Oeynhausen, Lübbecke und Rahden als Akademische Lehrkrankenhäuser sind Partner der Ruhr-Universität Bochum im Bereich der Medizinerausbildung.
„Wir haben seit wenigen Wochen die patientenindividuelle Herstellung bei den ersten zwei Wirkstoffen in der Kindermedizin auf den Pharmaprinter umgestellt. Damit ist der Pharmaprinter bei uns jetzt im Regelbetrieb. Die ersten Erfahrungen sind wirklich sehr vielversprechend“, sagt Apothekendirektor Dr. Florian Immekus. Ziel ist es nun, die Zahl der Wirkstoffe, bei dem der Drucker zum Einsatz kommt, zu erhöhen. Außerdem sollen weitere medizinischen Einsatzgebiete erschlossen werden, wie zum Beispiel bei Patientinnen und Patienten mit Schluckbeschwerden.
Das innovative Projekt wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Zentralapotheke und der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin entwickelt. Finanziert wird der Pharmaprinter zunächst aus Drittmitteln und Spenden über ein Leasingmodell für zwölf Monate. „Wir sind gespannt, wie sich das Verfahren weiter im klinischen Alltag bewährt“, so Dr. Immekus. „Sollte es sich als praktikabel erweisen, sehen wir erhebliches Potenzial, die fortschreitende Individualisierung der Medizin mit entsprechend dosisindividualisierten Arzneimitteln begleiten zu können. Gerade industriell gefertigte Fertigarzneimittel mit fixen Dosierungen sind hier limitiert. Diese Lücke wollen wir in definierten Einsatzgebieten gezielt angehen.“ Die Einführung des Pharmaprinters wird in Minden wissenschaftlich begleitet. Auch Dissertationsprojekte sind in Vorbereitung.
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